Springe zur Hauptnavigation, zur Suche, zum Inhalt.

Suche
Hauptnavigation
Sie befinden sich hier:

Chirurgie im Alter : Längst kein Todesurteil mehr

Nachtforum, 01.09.2009, Christian Schmücker

Bochum. Fünf Experten sprachen beim 14. WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreer über die Schrecken von Oberschenkelhalsbrüchen, Angst vor Narkose und über Osteoporose.

Prof. Dr. Rüdiger Smektala - Foto: Ute Gabriel Foto: WAZ FotoPool

Es ist noch nicht so lange her, da kam die Diagnose Oberschenkelhalsbruch einem Todesurteil gleich. Älteren Betroffenen drohte lange Bettlägerigkeit, daraus resultierten gefährliche Folgekrankheiten. Dass diese Gefahr heute weitgehend gebannt ist, wurde am Donnerstagabend beim 14. WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreer deutlich. Unter Moderation von WAZ-Lokalchef Werner Conrad befassten sich fünf Experten mit dem Thema „Chirurgie im Alter" und gingen auch auf die Fragen des Publikums ein.

Priv. Doz. Dr. André Gottschalk - Foto: Ute Gabriel Foto: WAZ FotoPool

Etwa drei Monate dauert es bis ein gebrochener Oberschenkelknochen ohne Operation wieder zusammen wächst. „Ein Vierteljahr, das zu einer tödlichen Qual werden kann", beschrieb Dr. Rüdiger Smektala, Direktor der Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie am Knappschaftskrankenhaus. Thrombosen und Lungenentzündungen könnten durch das lange Liegen auftreten, ebenso Probleme in Darm und Harnwegen und schmerzende Druckgeschwüre. Darum sei die schnelle Re-Mobilisierung des Patienten nach Sturz und Knochenbruch wichtig.

Dr. Tanja Kostuj - Foto: Ute Gabriel Foto: WAZ FotoPool

Die ist aber erst möglich, seitdem leistungsfähige Prothesen auf dem Markt sind. Über 80 Prozent aller Oberschenkelhalsbrüche werden heute mit „Duokopf-Prothesen" versorgt. Diese ersetzen den gebrochenen Gelenkkopf und sind quasi sofort belastbar. Auch die Operation ist nicht mehr so ein gewaltiger Eingriff. Das Implantat wird in einem minimal-invasiven Verfahren eingesetzt. „Fast schon Knopfloch-Chirurgie", sagt Rüdiger Smektala.

Prof. Dr. Ludger Pientka - Foto: Ute Gabriel Foto: WAZ FotoPool

Das ist entscheidend für viele Patienten. Ein kleinerer Eingriff erspart meist die Vollnarkose, ermöglicht die lokale Betäubung per Rückenmarkspritze. „Viele flößt die Vollnarkose mehr Furcht ein als die Operation selbst", stellte André Gottschalk, Leitender Oberarzt für Anästhesiologie am Knappschaftskrankenhaus, fest. Deshalb lautete seine zentrale Botschaft des Abends: „Ein höheres Alter bringt per se kein höheres Narkoserisiko mit sich." Dennoch sei das Alter für den Anästhesisten ein wichtiger Faktor. Herz, Kreislauf, Niere, Stoffwechsel – viele Körperfunktionen verändern sich im Alter, mehr Begleiterkrankungen zeichnen den Körper. Probleme bereiten die nicht, auch keine Bypässe oder Herzschrittmacher. „Die behandelnden Fachärzte und wir Anästhesisten müssen die Patienten nur richtig einstellen", versicherte Gottschalk.

Moderator Werner Conrad, Leiter der WAZ-Redaktion Bochum - Foto: Ute Gabriel Foto: WAZ FotoPool

Dennoch, der Bruch des Oberschenkels bleibt eine schwere Verletzung, seine Heilung ein beschwerlicher Weg. Zudem wird die Fallzahl in Zukunft steigen. Die Bevölkerung wird zunehmend älter, damit nimmt auch die Zahl an Osteoporose-Erkrankungen stark zu. Eben der „Knochenschwund" ist eine Hauptursache für die tückischen Brüche. Das Skelett wird schwächer, verliert an Festigkeit – auf einmal führen einst harmlose Sturzereignisse zu schweren Knochenfrakturen, referierte dazu Dr. Tanja Kostuj, Oberärztin der Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie.

Auslöser für den Knochenschwund gebe es viele. Zwar handelt es sich in 95 % der Fälle um „primäre Osteoporosen", also Erkrankungen, die nicht von anderen Leiden verursacht werden. Doch auch durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel, das Fehlen von Vitaminen oder Calcium, durch lange Bettlägerigkeit und Kortisontherapie oder schlicht durch Untergewicht kann es zur Krankheit kommen. Aufschluss gibt in allen Fällen eine Knochendichtemessung. „Leider wird die Untersuchung nicht immer von den Krankenkassen bezahlt", klagte Tanja Kostuj.

Gebrochenes Selbstbewusstsein

Foto: WAZ FotoPool

Am besten fällt man erst gar nicht hin. Was banal klingt, ist tatsächlich fast die beste Therapie gegen die Folgen von Knochenbrüchen. Denn häufig, so beschrieb Dr. Ludger Pientka, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation am Herner Marienhospital, lösen Sturzereignisse einen wahren Teufelskreis aus.

Wer einmal gefallen ist, leidet fortan unter Angst vor neuen Stürzen. Inaktivität ist die erste Folge, Kraftverlust und Immobilisierung sind weitere. Erst durch Schwäche und Unbeweglichkeit aber wird das nächste Stolpern zum folgenschweren Sturz. „Beim Sturz bricht nicht nur der Knochen, sondern oft auch das Selbstvertrauen", meinte Ludger Pientka. Darum sei eine ausreichende Prävention ebenso wichtig wie umfassende Nachsorge und Rehabilitation.

Physiotherapeutin Sarina Funke - Foto: Ute Gabriel Foto: WAZ FotoPool

Wie das im konkreten Fall aussehen kann, demonstrierte Sarina Funke, Physiotherapeutin am Marienhospital Herne. In verschiedenen Tests werden Gangbild, Gleichgewichtssinn oder Bewegungsablauf analysiert, dabei mögliche Gefahren festgestellt. Nach den Ergebnissen können ganz persönliche Trainingspläne erstellt werden. Wer etwa schon beim Aufstehen von einem Stuhl ins Schwanken gerät, kann daran in einem speziellen Transfer-Training arbeiten.

Ort des Geschehens
die Trackbacks werden geladen...
die Kommentare werden geladen...
das Kommentar-Formular wird geladen...
Suchen Sie Ihre Stadt
Ihre gemerkten Städte:
    Serie: Bochumer Strassennamen
    • Woher kommen die Bochumer Straßennamen und was bedeuten sie? In dieser Serie stellen wir Ihnen eine Auswahl der rund 1900 Bochumer Straßennamen vor.

      zur Serienseite...
    SchoolJam
    • DerWesten sucht in Kooperation mit dem Bundesfamilienministerium im Wettbewerb SchoolJam die beste Schülerband.

      Zum SchoolJam-Spezial
    Lokale Radionachrichten
    • Einfach anklicken und mithören.

    Bochums Tränenliste
    • Höhere Preise, weniger Service, reduzierte Stundenzahl in der Musikschule. Ungerupft kommt keiner davon. Das ist der Eindruck, wenn man sich die Sparvorschläge der Stadtverwaltung für ihre Kulturtreffs besieht. Diskutieren Sie mit!

      zum Forum...
    Bilderquiz Bochum
    • Versuchen Sie, die Bilderpaare mit möglichst wenigen Versuchen aufzudecken. Viel Spaß!

      zum Bilderquiz...
    Bundesliga-Tippspiel
    • Über 15.000 Spieler machen bereits mit. Treten auch Sie gegen Experten an - alleine oder im Team. Registrieren Sie sich beim großen Bundesliga-Tippspiel!

      Zum Tippspiel
    Kulturhauptstadt 2010
    Das Ruhrgebiet aus der Luft
    • Fotograf Hans Blossey fliegt übers Ruhrgebiet und fotografiert, was die Kamera hergibt. Sehen Sie das Ruhrgebiet aus seiner Sicht - der Vogelperspektive!

      zu den Luftbildern...
    Wetter

    Bochum 20.03.2010
    Vorschau Regenschauer

    Temperatur
    min: 13°
    max: 16°
    Gefühlte Temp.
    Windchill: 9°
    Regenwahrscheinl.
    30%
    Wind
    Richtung: SW
    Geschw.: 29 km/h
    Sonnenscheindauer
    30 %
    Meine Nachrichtenbox
    • Meine Nachrichtenbox

      Seien Sie immer auf dem neuesten Stand der Nachrichtenwelt, auch wenn Sie auf Ihrer eigenen Website unterwegs sind. Mit unserem Service können Sie kostenlos Nachrichten von DerWesten.de auf Ihrer Internetseite einbinden.

      weiterlesen...