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Die Botschaft: Vorsorge ist lebenswichtig

18.04.2008 | 20:31 Uhr
Die Botschaft: Vorsorge ist lebenswichtig

Verstopfung, Durchfall, Hämorrhoiden – Tabuthemen, über die man nicht gern spricht. Beim WAZ-Nachtforum Medizin im Knappschaftskrankenhaus Langendreer war das am Donnerstagabend, 17.April 2008, völlig anders.

WAZ-Nachtforum Medizin: Wenn der Darm streikt. Im Bild: Redaktionsleiter Werner Conrad. FOTO: © INGO OTTO

Über 300 Gäste verfolgten gespannt, was vier Fachärzte zu den verschiedenen Darmleiden zu sagen hatten. Da wurde auch der Dickdarmkrebs nicht ausgespart. Bei diesem Nachtforum, wiederum von Werner Conrad, Redaktionsleiter der WAZ Bochum, moderiert, spielte sogar die untergehende Sonne mit. Leider, denn die hellen Strahlen minderten anfangs den ungetrübten Sehgenuss auf sehr spezielle Bilder: Patient Siegfried Seum (57) hatte unter ärztlicher Kontrolle eine Videokapsel (Bild oben), so groß wie eine Tablette, geschluckt, die Bilder live aus seinem Speisetrakt an die weiße Wand warf – eine bizarre Fotoreise durch Mundhöhle, Speiseröhre, Magen und Darm. „Gnade Gott, der Darm macht sich bemerkbar,” sagt Prof. Dr. Wolff Schmiegel, Direktor der Medizinischen Klinik, eingangs. Dann heiße es: „Mir tut der Bauch so weh.”

WAZ-Nachtforum Medizin: Wenn der Darm streikt. Im Bild: Dr. Christian Pox. FOTO: © INGO OTTO

Das aber könne ganz unterschiedliche Gründe haben. Denn der Darm, so Werner Conrad in seiner Einleitung, verfüge nicht nur über die zweitgrößte Nervenansammlung des Körpers nach dem Gehirn, er habe auch Schwerstarbeit zu verrichten – nämlich die Verdauung von 30 000 Tonnen Speisen und 50 000 Tonnen Flüssigkeit in einem Menschenalter. Das klappt nicht immer reibungslos. Etwa wenn man an Verstopfung leidet. Stichwort für Dr. Christian Pox, Oberarzt der Medizinischen Klinik.

WAZ-Nachtforum Medizin: Wenn der Darm streikt.Prof. Dr. Wolff Schmiegel. FOTO: © INGO OTTO

Der klärt über Stuhlgang auf: „Einmal am Tag muss man aufs Klo? Aber zwei Drittel der Menschen haben häufiger oder seltener Stuhlgang. Das muss nicht krankhaft sein.” Pox über die Ursachen der Verstopfung: Zuviel Fastfood, Medikamente, Zuckerkrankheit, Schilddrüsenunterfunktion. Oder zu viele Abführmittel. „Verstopfung,” so der Facharzt, „ist immer ein Alarmsymptom. Auch Dickdarmkrebs kann sich wie eine Verstopfung zeigen.” Wichtig sei richtige Ernährung: „Gemüse, Obst, Ballaststoffe (Vollkorn), Feigen, Aprikosen, Sauerkraut.” Inzwischen ist die Videokapsel in Seums Magen gelandet. Die Bilder sehen aus wie ein rotierender Planet im fernen Universum. Dr. Pox ruft aus: „Jetzt nähert sie sich dem Magenausgang.” Auf dem WAZ-Forum nähert sich jetzt Dr. Stefan Heringlake dem Thema „Reizdarm”. Der stellv. Klinikchef bemerkt zwar „Es gibt Spannenderes als den Reizdarm”, führt aber rasch vor Augen, was das für ein Massenleiden sei: „Nach Erkältungskrankheiten ist der Reizdarm der zweithäufigste Grund für Krankschreibung.” Was tun gegen Reizdarm? – „Beseitigung des negativen Stresses. Regelmäßiger Rhythmus im Tagesablauf, Fokussierung auf positive Lebensinhalte, wenig blähende Kost.” Heringlake tröstlich: „Der Reizdarm ist häufig, aber gutartig.” Ganz anders, wenn Blut im Stuhl ist, das sei ein Alarmzeichen, leitet WAZ-Redakteur Conrad zum nächsten Redner über, während die Videokapsel sich immer noch in Seums Magen umschaut.

WAZ-Nachtforum Medizin: Wenn der Darm streikt.Im Bild: Dr. Jörg Willert. FOTO: © INGO OTTO

Dr. Jörg Willert, Oberarzt vom Bergmannsheil, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, sagt, was „Blut im Stuhl” bedeuten kann. Helles Blut auf dem Toilettenpapier deute auf Hämorrhoiden hin, schwarzer Stuhl („Teerstuhl”) auf Blutkontakt mit Magensäure. Dann gebe es das „versteckte Blut im Stuhl”, nur durch Tests zu ermitteln. Wenn es aus dem After blute, seien oft angeschwollene Hämorrhoiden schuld – bei jedem zweiten Patienten, der Blutungen bemerke. Bewährte Untersuchung: Erst „Afteraustasten mit dem Finger, dann Beschauung des Analkanals mit dem Proktoskop. Vorbeuge: Bewegung! Um Ausstülpungen (Divertikel) und „Gefäßspinnen” im Dickdarm zu orten, sei Darmspiegelung unumgänglich. „Bis zum Dünndarm hin, sonst ist sie keine.”  „Darmkrebs ist sehr häufig eine Krankheit, die man komplett vermeiden kann,” klärt Prof. Wolff Schmiegel dann angesichts von „73 000 Neuerkrankungen jedes Jahr” auf. Und: „Wir haben in Deutschland die beste Früherkennung der Welt. Eine Darmspiegelung kann Krebs zuverlässig erkennen, auch seine Vorläufer. Wenn der Darm polypen-frei ist, hat man nahezu hundertprozentige Sicherheit, nicht in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs zu erkranken.” Nicht aus jedem Polypen entstehe Darmkrebs. Schmiegel lobt die zertifizierten Darmzentren, die Vernetzung von Praxen und Kliniken. Und vergisst nicht Burdas Vorsorge-Kampagne zu erwähnen, für die Prominente werben, von Senta Berger bis zu den Klitschko-Brüdern. Auf Nachfragen der Besucher bemerkt er heiter: „Essen gegen Krebs gibt's nicht. Aber ernähren Sie sich gesund.”

WAZ-Nachtforum Medizin: Wenn der Darm streikt. Darmspiegelung am Modell mit Dr. Jens Koopmann und Schwester Edelburg. FOTO: © INGO OTTO

Die Vorträge finden Sie hier:http://www.kk-bochum.de/Aktuelles/Neuigkeiten.htm?Menue=3_kk_bochum&Knoten=1_2

Rolf Hartmann

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