Seniorenanlage wird runderneuert

Die Bäume sind gefällt, es ist soweit: Anfang März rollen die Bagger am Glockengarten an und begraben das Gebäude eins unter einer Staubwolke. Ende Mai soll der Abriss vonstatten gegangen sein. „Die Versorgungsleitungen gehen alle durch das Gebäude. Wir müssen vorsichtig bei der Umleitung sein und Provisorien schaffen“, erklärt Wolfgang Sendt, Geschäftsführer der Senioreneinrichtungen Bochum GmbH (SBO): „Das ist alles nicht unkompliziert, weil es auch Asbest in dem Gebäude gibt.“ Der Neubau soll 2017 fertiggestellt sein.

Der Start für die Bauarbeiten ist für Ende August dieses Jahres geplant, an gleicher Stelle, wo bald das alte Gebäude fallen wird. Für fünf Millionen Euro entsteht Am Glockengarten ein moderner Bau mit 80 Pflegeplätzen, nach hausgemeinschaftlichem Konzept in Einbettzimmern. Wenn alles fertig ist, ziehen die Bewohner des mittleren Traktes in den Neubau. Der Mitteltrakt wird anschließend umgebaut. „Es entstehen Hausgemeinschaften mit Gruppen von jeweils zehn Menschen, die sich Loggia, einen Gemeinschaftsraum und die Küche teilen. Das soll eine familiäre Struktur schaffen“, sagt Sendt. Wenn alles fertig ist, steht voraussichtlich 2018 das nächste Großprojekt an, das AKH-Gebäude wird einem neuen, siebenstöckigen Bau weichen. Insgesamt liegt das Investitionsvolumen bei über 10 Millionen Euro.

Dass die Stadt dermaßen viel Geld in seine Senioreneinrichtung pumpt, hat seine Gründe: 2013 haben die städtischen Seniorenheime mit ihren rund 600 Plätzen 3,8 Millionen Euro Verlust gemacht. Personalkosten und ein Defizit wegen zu geringer Auslastung der Senioreneinrichtungen sorgten am Ende für ein dickes Minus im Jahresabschlussbericht.

Auch die Gebäudeinfrastruktur spielt eine wichtige Rolle: In der mit Abstand größten städtischen Einrichtung, dem Haus am Glockengarten (240 Bewohner), gibt es vielfach noch Mehrbettzimmer. Diese werden weniger nachgefragt und sind für viele Menschen, die Jahrzehnte in ihrer eigenen Wohnung gelebt haben, oft eine Zumutung, was Folgen auf die Auslastung der Häuser hat. Am Glockengarten, den es seit rund 40 Jahren gibt, laufen allein rund 400.000 Euro pro Jahr an unnütz hohen Energiekosten auf.

Während die Stadt mit den Kosten kämpft, wird an selber Stelle um einen Gemeinderaum gekämpft. Der Mehrzwecksaal im Glockengarten dient vielen Bürgern, Institutionen und Vereinen als Treffpunkt im Stadtteil. Im Zuge der Umbauten des Mitteltraktes soll der Gemeinderaum wegfallen. Die Unterschriftenlisten des VdK Altenbochum-Laer zur Erhaltung des Saales gehen allerdings bereits seit Monaten herum – das letzte Wort ist in diesem Fall sicher noch nicht gesprochen.