Senioren-Flashmob übers Altsein

Mit Trommeln und Gesang starteten Bewohner des Marienstiftes den Senioren-Flashmob auf dem Springerplatz; mit dabei: Anton Lückenotte (92, links im Rollstuhl).
Mit Trommeln und Gesang starteten Bewohner des Marienstiftes den Senioren-Flashmob auf dem Springerplatz; mit dabei: Anton Lückenotte (92, links im Rollstuhl).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bewohner des Marienstifts trommeln und singen ihre Version eines Michael-Jackson-Stücks: „Alles was ich meine ist, wir sind euch völlig egal“.

Griesenbruch. Zuerst schlagen sie rhythmisch die Holzstöcke aneinander, dann folgen die Rasseln, Tambourin und die Trommeln. Zwölf Bewohner des Marienstiftes, die sich „die Spätzünder“ nennen, versammeln sich auf dem Springerplatz zum Senioren-Flashmob.

Zur Melodie von Michael Jacksons „They don’t care about us“ singen sie, unterstützt von Dutzenden von Arnold-Schülern, ihre Version vom Altsein: „Altersheim, steck’ weg, alles kümmern, scheißdreck“, mit dem Refrain: „Alles was ich meine ist, wir sind euch völlig egal.“

Umgeschrieben haben den Jackson-Song Dom Muscat, Percussionist aus London, und die Theater-Pädagogin Merima Horozovic, gemeinsam mit den Senioren. Letztere hat schon so einige Aktionen mit den Bewohnern gestartet, darunter „Pimp my Rollator“. Dom Muscat: „Das Stück eignete sich rhythmisch sehr gut. Textlich wollten wir zeigen, was es heißt, heute alt zu sein: Man wird ins Altenheim abgeschoben und das war’s.“

Doch gerade die „Spätzünder“ gehören nicht zu den Senioren, die sich einfach abschieben lassen; die wissen genau, was sie wollen. Das rührige Dutzend ist zu jeder schrägen Aktion bereit, hat unlängst bei einer Modenschau in auffälligen Klamotten posiert und ist auch beim Flashmob begeistert bei der Sache. „Das hat so viel Spaß gemacht, ist ja auch Sinn der Sache. Die nächste Aktion kommt bestimmt, und ich bin auf jeden Fall wieder mit dabei“, schwärmt Anne Haas (83).

„Alt sein, krank sein, Falten haben, Last sein, Pflegestufe/Hilferufe, Diagnose Heimatlose – alles was ich meine ist, wir sind euch völlig egal“. Nach und nach strömen die Jungs und Mädels der Arnoldschule herbei und füllen den Platz vor dem Café Treibsand. Die Musik lockt immer mehr Schaulustige herbei. Viele Schüler tragen ihre Trommeln unterm Arm. Sie lauschen kurz, und stimmen schließlich in den bekannten Rhythmus ein. Geprobt hat keines der Kinder zuvor mit den Senioren. „Wir kommen spontan, ist bei einem Flashmob doch auch so üblich“, sagt eine stolze Lehrerin.

Die Theaterpädagogin hat die Idee über soziale Netzwerke und Plakate verbreitet. Spontan gesellen sich auch andere dazu, die im Vorfeld von der Aktion erfahren haben. Wie eine Weitmarerin: „Gestern war ich noch auf unserem Gemeindefest und wollte heute mal sehen, was hier so los ist.“

Geprobt wurde jeweils montags, wenn sich die „Spätzünder“ ohnehin im großen Saal des Marienstiftes mit Merima Horozovic treffen. „Den jungen Leuten soll mit dem Flashmob gezeigt werden: Was ihr könnt, können wir auch, und den alten: Zieht euch nicht zurück; da geht noch was“, erklärt sie die Intention. Dass kein Mitarbeiter aus den Seniorenbüros gekommen ist, bedauert sie dennoch: „Ich habe alle eingeladen.“ Restlos begeistert von den Flashmobbern zwischen 60 und Mitte 90 ist der Percussionist Dom Muscat. „Ich würde gern noch einmal ‘was mit ihnen auf die Beine stellen.“