Das aktuelle Wetter Bochum 19°C
Bochum

Sehnsucht nach dem Mutterhaus

07.07.2008 | 19:45 Uhr

"Überlastung ohne Ende" wird von Mitarbeitern der Arge Bochum beklagt. Viele von ihnen wollen zurück ins Rathaus. Personalrat spricht von "rasanter Fluktuation"und zunehmenden Krankenstand

Etwa 240 Mitarbeiter der Stadtverwaltung arbeiten zur Zeit bei der Arge Bochum. Nicht alle machen das gern. Etliche bereuen inzwischen den Wechsel, wollen wieder zurück auf einen Posten im Rathaus, lieber heute als morgen und egal wie. Denn bei der Arge, da stöhnen sie immer lauter wegen "Überlastung ohne Ende". Es riecht nach Flucht, die Fluktuation ist groß. "Zehn bis 15 Kollegen wollen ständig zurück ins Mutterhaus", weiß Stefan Hölling, Personalratschef der Bochumer Stadtverwaltung.

Ein "niederschmetterndes Ergebnis" der Arge-Befindlichkeit war schon vor knapp einem Jahr zutage getreten, nach Auswertung einer "Belastungsanalyse". Jetzt sei die Überlastung in Teilen der Arge "mitunter noch wesentlich höher als vor einem Jahr", stellt der Personalrat fest. Und ihr Chef Stefan Hölling berichtet von einem zunehmenden Krankenstand.

Der Rückzug der Rathausbediensteten aus dem stressigen Arge-Alltag ist kein leichtes Unterfangen, denn im Gegenzug müssen andere aus der Stadtverwaltung ran an die wenig beliebte Beratung der Hartz IV-Empfänger. "Das ist wie ein Katz-und Maus-Spiel," sieht es Hölling. Immerhin bemühe sich die Verwaltung, "Löcher zu stopfen".

Schon einmal hatte man versucht, der Überlastung Herr zu werden. Etwa durch Einführung eines Terminsystems. Außerdem wurden elf neue Arbeitsvermittler mit Zeitverträgen eingestellt. Deren Befristungen sind jetzt bis zum Jahr 2010 verlängert worden, schildert Hans Martin Olschowy vom städtischen Organisations- und Personalamt.

Weil auch das nicht ausreichte, kamen langgediente Altenpfleger aus den städtischen Heimen an Bord der Arge. Man versprach sich viel davon - die Pfleger galten als "sozial versiert".

Neun Stadtinspektorenanwärter sollen ihnen nun folgen. Der Nachwuchs hat keine Wahl, wird in die Pflicht genommen. "Führungskraft," sagt Olschowy, "wird nur der, der zwei Jahre lang in einem publikumswirksamen Bereich gearbeitet hat." Das war bei Gründung der Arge noch anders. Da konnte man sich im Rathaus noch freiwillig auf einen dreijährigen Ausflug zur Arge einlassen. Nur die, die in der früheren Sozialhilfe Dienst taten, wurden gezielt angesprochen.

Von Rolf Hartmann Foto, WAZ-Luftbild: Hans Blossey

Facebook
 
Kommentare
14.08.2008
21:35
Sehnsucht nach dem Mutterhaus
von telekomrichter | #2

In Iserlohn verzeichnet die ARGE Märkischer Kreis ebenfalls eine deutliche Fluktuation.

Aber das ist ein gutes Zeichen. Denn normalerweise sind es die positiven und motivierten Mitarbeiter, die den hausinternen und verlogenen Erfolgs-Bilanz-Druck nicht aushalten.

Der Sanktionierungs- und Sparwahn wird später mit Namen verbunden werden.

Niemand kann zwei Herren dienen.

Entweder wird man erfolgreich in einem menschenverachtenden und korrupten Lügen-System oder einem aufrichtigen freien und die Menschenwürde achtenden.

Manchmal wird der Arbeitgeber zur Gewissensfrage . . .

08.07.2008
09:08
Sehnsucht nach dem Mutterhaus
von s.m. | #1

Mir kommen die Tränen.
Wer schon mal bei der Arge versucht hat einen Gesprächspartner ans Telefon zu bekommen wird wissen was ich meine.
Ich würde auch zurück ins Rathaus wollen - da klingelt das Telefon nicht allzu oft und man kann in Ruhe den Schlaf der Gerechten schlafen.
Armes Bochum - Armes Deutschland.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1062891/create

Umfrage
Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum steht auf der Kippe. Glauben Sie daran, dass der Standort nach 2015 erhalten bleibt?

Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum steht auf der Kippe. Glauben Sie daran, dass der Standort nach 2015 erhalten bleibt?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Zugunglück im Eisenbahnmuseum
Bildgalerie
Feuerwehr
Feiner Tierpark
Bildgalerie
Zoo
Neues Musikzentrum
Bildgalerie
Realisierungswettbewerb
Aus dem Ressort
Ruhrbischof Overbeck rügt Umgang mit Opel-Belegschaft
Opel
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat den Umgang mit der Belegschaft des Bochumer Opel-Werkes ungewohnt scharf attackiert. Die schon lange andauernden Unsicherheiten seien nicht mehr hinnehmbar, sagte Overbeck am Sonntag in seiner Pfingstpredigt im Essener Dom.
Foto 8 Kommentare 8
Bochumer klagen: Unsere Stadt vermüllt
Umwelt
Straßen, Gehwege, Plätze, Containerstandorte: Immer größere Teile Bochums sind verdreckt. Die WAZ stellt in den nächsten Tagen die fünf größten Abfall-Ärgernisse in den Blickpunkt einer Themenwoche.