Schwarzfahren kann auch im Knast enden

Foto: dpa

„Entgegen anderslautender Berichte kann Schwarzfahren in Bus oder Bahn bereits für Ersttäter zur Anzeige und sogar zu einer Gefängnisstrafe führen.“ Darauf weist der Bochumer Anwalt- und Notarverein hin.

Fahrgästen, die ohne gültigen Fahrschein in der U- oder S-Bahn, der Tram oder im Bus erwischt werden, droht meistens „nur“ das erhöhte Beförderungsentgelt von derzeit 40 Euro. Ab 1. August, so könnte es der Verwaltungsrat des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) am 19. Juni beschließen, sollen es 60 Euro sein. „Grundsätzlich kann jede Schwarzfahrt aber auch angezeigt werden“, erklärt Jürgen Widder, Vorsitzender des Anwaltvereins. Hier gebe es Unterschiede von Stadt zu Stadt. Während einige Verkehrsunternehmen eine „Null-Toleranz-Politik“ verfolgen, würden andere dagegen Strafanzeige erst bei Wiederholungstätern stellen.

Theoretisch könnten Ersttäter sogar im Gefängnis landen, erklärt Widder. „In einigen Fällen wird die Geldstrafe nicht gezahlt, so dass dann Ersatzhaft angeordnet wird.“ Normalerweise käme eine Gefängnisstrafe aber nur dann in Betracht, wenn neben der sogenannten „Leistungserschleichung“, dem vorsätzlichen Schwarzfahren, auch andere Straftaten begangen worden seien.

Die Leistungserschleichung ist eine Straftat, die im Strafgesetzbuch geregelt ist. Wer allerdings nachweisen kann, dass er den Kauf des Fahrscheins vergessen hat, kommt unter Umständen um eine Anzeige herum. Die 40 bzw. bald 60 Euro müssen wohl dennoch gezahlt werden – denn hier ist man auf das Wohlwollen der Kontrolleure angewiesen.

Wer beweisen will, dass er nicht vorsätzlich schwarzgefahren ist, muss das Gericht davon überzeugen. „Das ist schwierig, kann aber gelingen. Hier ist es besonders wichtig, sich anwaltlich vor seiner Aussage beraten und im Verfahren vertreten zu lassen“, sagt Widder. Inhaber von Monatskarten, die diese vergessen haben, sollten an die Kulanz appellieren.