Schrottplatz: Fronten in Hofstede sind verhärtet

Daumen runter: Lärmgeplagte Anwohner der Konsumstraße wehren sich gegen den Schrottplatz In der Provitze.
Daumen runter: Lärmgeplagte Anwohner der Konsumstraße wehren sich gegen den Schrottplatz In der Provitze.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Anwohner eines Schrottplatzes in Hofstede verstärken ihren Protest. Der Betreiber dementiert, dass die Stadt eine Ersatzfläche angeboten hat.

Bochum.. „Sogar die Vögel haben sich verzogen.“ Johanna Wittke und ihre Nachbarn werden jetzt im Frühling nicht von fröhlichem Gezwitscher, sondern „nervtötendem Lärm“ geweckt. Der Schrottplatz In der Provitze macht den Anwohnern das Leben schwer. Die Fronten in Hofstede sind verhärtet. Eine schnelle Lösung zwischen Stadt und Betreiber ist nicht in Sicht.

Seit Frühjahr 2013 betreibt Tarik El-Hamad den „Rohstoffhandel Bochum“. Anwohner der unmittelbar angrenzenden Konsumstraße beschweren sich seither über den Krach von 7 bis 18 Uhr, „mitunter auch deutlich später“. Ihre schmucken Gärten, klagten sie am Freitag im Gespräch mit der WAZ, „können wir wegen des Lärms nur am Samstagabend und Sonntag nutzen; vom ständigen Dieselgestank und der haarsträubenden und gefährlichen Parksituation durch den Anlieferverkehr auf der öffentlichen Straße ganz abgesehen“.

Die Stadt hatte sich zunächst auf die Seite der Nachbarn geschlagen und dem Schrotthändler 2013 die Betriebserlaubnis entzogen. Tarik El-Hamad legte Widerspruch ein – und siegte in zwei Instanzen. Denn: Für einen Schrottplatz an dieser Stelle herrscht seit 1969 gültiges Planungsrecht. Und ein aktuell erstelltes Lärmgutachten weist 76 Dezibel aus. 90 sind erlaubt.

Unterschriftenliste übergeben

„Es gab und gibt keinen Zweifel, dass wir hier bleiben dürfen“, bekräftigt Tarik El-Hamad. Gleichwohl zeigt er sich mit seinem Anwalt Berthold Witteler „nach wie vor zum Wechsel bereit“ – auch weil der 800-qm-Betrieb erweitert werden soll. Dafür müsse ihm die Stadt aber eine geeignete Ersatzfläche anbieten. „Das“, so Witteler, „ist bis heute nicht passiert.“

Energisch widerspricht er Angaben der Anwohner, SPD-Ratsfrau Martina Schnell und der Wirtschaftsförderung Bochum GmbH, wonach dem Schrotthändler ein Areal an der Oberen Stahlindustrie in Wiemelhausen unweit des Eco-City-Centers in Aussicht gestellt worden sei, das planungsrechtlich für einen Schrottplatz infrage komme. El-Tarek, so heißt es, fordere jedoch, dass die Stadt die Kosten für einen Umzug tragen muss. „Beides ist falsch“, sagt Bertholt Witteler auf WAZ-Anfrage. „Wir kennen kein solches Angebot. Daher können wir auch keine Erstattung der Umzugskosten verlangen – was wir so plump auch nie tun würden.“

Derweil verstärken die Anwohner ihren Protest. In dieser Woche wurde Bezirksbürgermeisterin Gabriele Spork (SPD) eine Liste mit 80 Unterschriften übergeben. Überschrift: „Der Schrottplatz muss noch immer weg!“ „Frau Spork hat uns zugesichert, sich zu kümmern“, hofft Johanna Wittke. „Wir sind hier alle am Ende.“