Schluss mit Pauschalisierung und Vorurteilen

Mit abstimmen am Sonntag dürften auch die in Bochum lebenden Griechen, sofern sie einen griechischen Pass besitzen. Allerdings müssten sie sich dazu an jenem Ort aufhalten, in dem sie gemeldet sind.

Wie immer die Entscheidung ausfällt, eines ist aus Sicht von Stavros Liakeas zwingend notwendig: „Es muss eine Strukturreform und eine funktionierende Verwaltung her.“ Und der Fakelaki, der in vielen Bereichen, auch im Gesundheitssystem, übliche „kleine Umschlag“, müsse verschwinden. Zumal viele Familien, die schon in der Vergangenheit Defizite im Sozialsystem aufgefangen haben, diese angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Krise kaum noch bewältigen könnten. Es werde immer schwieriger, den arbeitslosen Bruder, den kranken Vater oder andere Bedürftige mit zu versorgen.

Schluss sein müsse aber auch mit „ätzenden Pauschalisierungen“ und Vorurteilen gegenüber den Griechen. Deren Renten etwa seien meistens weniger üppig als hier kolportiert. Vor allem eines sei notwendig: gegenseitiger Respekt. „Ich möchte, dass es Verständnis gibt für beide Seiten.“ Dabei setzt Liakeas auch auf eine andere Konstellation bei den politischen Verhandlungen. Ministerpräsident Alexis Tsipras und Finanzminister Yanis Varoufakis, die einen „fetten Auftrag von ihren Wählern bekommen haben“, so Liakeas, und auf den anderen Seite Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble oder die Troika hätten alles andere als eine gemeinsame Wellenlänge gefunden. Arroganz und Ablehnung hätten das Klima in den Gesprächen zwischen Gläubigern und Schuldnern erschwert.

Auch deshalb sei ein Wechsel, ein Neuanfang nötig, der allerdings, davon ist der Yamas-Betreiber überzeugt, auch nicht ohne einen Schuldenschnitt möglich sein wird. Aber so vertrackt die Lage auch zu sein scheint, echte Griechen sind offenbar beseelt von einem unerschütterlichen Optimismus. „Die Griechen können, wenn sie wollen“, sagt Liakeas. Damit steht er nicht allein. Christos Orkas jedenfalls ist überzeugt: „Alles wird gut.“