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Musikzentrum

Schlecht formuliert und obendrein zu teuer

02.07.2012 | 06:02 Uhr
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Noch ein Modell: das geplante Musikzentrum in Bochum.Foto: Karl Gatzmanga

Bochum.  Die Betriebskosten für das Musikzentrum sind im geplanten Budget von 650 000 Euro kaum darzustellen. Das zeigt ein Gutachten. Die Politik muss indes einen Fehler aus 2011 verkraften.

Am Anfang steht ein Irrtum. Ein kapitaler Bock, den Stadtverwaltung und die große Mehrheit des Stadtrates am 9. März 2011 gemeinsam geschossen hatten: Sie legten im Rat fest, dass die „gebäudebezogenen Kosten “ für das geplante Musikzentrum höchstens 650.000 Euro betragen dürfen. Gemeint aber waren wohl die „gebäudebezogenen Betriebskosten“.

Der Unterschied ist immens. Während zu den „Betriebskosten“ u.a. Ausgaben für Strom, Wärme, Wasser, Reinigung, Sicherheitsdienste und Steuern zählen, gehören zu den „Kosten“ außerdem Kapitalkosten, Objektmanagementkosten und Instandsetzungskosten für die Dauer der Nutzung. Geregelt ist dies alles in der DIN 18 960.

Volker Steude vom Bürgerbegehren Musikzentrum spielt diese Karte konsequent aus und kommt daher auf deutlich höhere Ausgaben als die Stadt, der er vorwirft, viele der künftigen Ausgaben erst gar nicht berechnet zu haben. Steude kalkuliert die „gebäudebezogenen Kosten“ auf mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr.

"Wir müssen aus dem Dilemma raus"

„Wir müssen aus diesem Dilemma raus und die Begrifflichkeit klären“, sagt Wolfgang Cordes. Der Grünen-Politiker hat aber auch erkannt, dass das allein nicht reicht. Die Vorlagen der Stadtverwaltung (öffentliche und nicht-öffentliche, die der WAZ vorliegen) für die Ratssitzung am 5. Juli sind laut Cordes keinesfalls der Beweis, dass die Bedingungen, die im März 2011 formuliert wurden, allesamt erfüllt sind.

Denn auch die reinen Betriebskosten des geplanten Musikzentrums dürften 650.000 Euro pro Jahr überschreiten. Das Büro Drees & Sommer (Düsseldorf) hat für das Modell der Architekten Bez und Kock (Stuttgart) zwar nur Betriebskosten in Höhe von rund 500.000 Euro ermittelt, weist aber klipp und klar auf die Schwächen der eigenen Prognose hin.

Erstens waren die zugrunde liegenden Architektenentwürfe wohl nicht sehr aussagekräftig. Zitat: „Es handelt sich um Entwürfe mit einer sehr geringen Detaillierungstiefe.“ Zweitens wurden Kosten außen vor gelassen: „Kosten für das Objektmanagement, Sicherheitsdienste, Abgaben und Beiträge, Entsorgung wurden nicht berücksichtigt.“ Und drittens weisen die Gutachter darauf hin, dass die geplante „extensive Dachbegrünung“ später „zu einem höheren Aufwand in der Grünpflege“ führen wird. Als Fazit schreiben Drees & Sommer, dass bei den ermittelten Betriebskosten eine Schwankungsbreite von plus/minus 25 Prozent zu berücksichtigen sei. „Das Kostenrisiko liegt wesentlich im wenig detaillierten Planungsstand.“

Notfalls die Eintrittspreise erhöhen

Außer Betracht gelassen wurden vom Gutachter zudem die Mietkosten für die Verwaltung der Bochumer Symphoniker, die auch Bestandteil der Betriebskosten sein sollen. Mindestens 35.000 Euro pro Jahr werden diese künftig vermutlich betragen.

Volker Steude kommt noch zu ganz anderen Ergebnissen, da er in der vorgelegten Berechnung der Stadt u.a. Personalkosten ebenso vermisst (2. Hausmeister, Pförtner) wie Heizkosten für die Marienkirche. Steude schätzt die Betriebskosten auf mehr als eine Million Euro.

Wolfgang Cordes hat für die offensichtlich höher als 650.000 Euro zu kalkulierenden Betriebskosten bereits eine Lösung parat. „Wir benötigen einen Beschluss, dass Mehrkosten aus dem Etat der Bochumer Symphoniker und der im Haushalt veranschlagten Mittel für die Marienkirche bestritten werden müssen.“ Notfalls müssten die Bosy ihre Eintrittspreise erhöhen. Nicht zur Kasse gebeten werden sollen Cordes zufolge die Musikschule, die den Multifunktionssaal nutzen will, und andere Kulturschaffende. „Wir werden das Geld nicht aus anderen Kulturetats zur Verfügung stellen.“

Pragmatisch gibt sich unterdessen die Stadtverwaltung. In der Vorlage für den 5. Juli ist unabhängig von der gültigen Beschlusslage aus dem März 2011 nunmehr die Rede von „gebäudebezogenen Betriebskosten“. Und aus 500.000 Euro, die „konsumtiv“ für die Marienkirche veranschlagt waren, wurden kurzerhand 300.000 Euro.

Wie es um die anderen Bedingungen steht:

Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, soll der Rat am Donnerstag feststellen, dass alle Bedingungen zum Bau des 33 Mio Euro teuren Musikzentrums erfüllt sind. Dabei geht es längst nicht nur um die umstrittenen Betriebskosten (siehe oben). Hier ein Überblick, wie es um einige andere Auflagen steht:

Voraussetzung für den städtischen Eigenanteil (2,4 Mio Euro) ist ein genehmigter Haushalt. Diese Bedingung ist erfüllt.

Neues Musikzentrum

Die Stiftung Bochumer Symphonie soll 14,3 Mio Euro geben. Diese Bedingung scheint erfüllt. 300 000 Euro sind bereits für den Architektenwettbewerb geflossen. Dem Rat liegt eine Erklärung der GLS-Bank vor, dass das Bankguthaben der Stiftung 8,375 Mio Euro beträgt. Für 4,125 Mio Euro übernimmt die Bank eine selbstschuldnerische Bürgschaft. 1,5 Mio Euro gibt es von der Sparkasse – das ist allerdings noch nicht vertraglich fixiert.

Für Landesmittel in Höhe von 16,528 Mio Euro sollten dem Rat rechtssichere Förderbescheide vorliegen. Das wird Donnerstag laut Vorlage nicht der Fall sein. Immerhin, ein Förderbescheid in Höhe von 7 Mio Euro ist „avisiert“, das sind EU-Ziel-2-Mittel (6,5 Mio) und Mittel aus dem Kulturetat des Landes. Das Geld zum Umbau der Marienkirche (9,528 Mio) soll indes im Stadterneuerungsprogramm 2012 eingestellt werden – mit Priorität A. Hinzu kommt eine schriftliche Erklärung des Ministers.

Thomas Schmitt

Kommentare
10.07.2012
23:13
Dieser Artikel ging heute an einige Printmedien in nah und fern
von noeppi | #30


Sollte in Ihrer Redaktion mal das Sommer-Loch-Ungeheuer auftauchen, so habe ich für Sie eine kleine
Geschichte, wie Stadtväter zum wiederholten Male das Geld des kleinen Mannes verbrennen.
Stadtväter verbrennen zum wiederholtem Mal das Geld des kleinen Mannes
Stadtrat von Bochum beschließt, ein Musikzentrum zu bauen.
Die Stadt Bochum hat beschlossen, in einmütiger Absprache mit dem größten Teil der Opposition ( CDU ), und obwohl ein Nothaushallt besteht, und der Bund der Steuerzahler gesagt hat, die Stadt Braunkann sich das Musikzentrum nicht leisten.
Um die Stadt Bochum herum gibt es mehrere Musikzentren ( Dortmund, Gelsenkirchen, Essen ) mit mäßiger Auslastung. Trotzdem ist die Stadt Bochum der Meinung, die Bochumer Symphoniker brauchen eine eigene Spielstätte. Dieses soll zusammen mit Spendengeldern ca. 33 Millionen betragen.
Obwohl noch nicht klar ist. Wie hoch zu guter letz die Kosten des Unterhalts sind, obwohl einige Spendenzusagen auf tönernen Füßen stehen, und die M

09.07.2012
15:03
Schlecht formuliert und obendrein zu teuer
von noeppi | #29



Heute wollte ich den Vorschlag machen,
das Geld für das Musikzentrum dafür zu benutzen, das man z.b. den Ümminger See
ausbaggert, die Wege passierbar macht und damit einer großen Bevölkerungsschicht
ein klein wenig Naherholung schenkt.
Meinetwegen können die Bo-Sys. nach der Restaurierung der Anlage das Lied spielen ,,Die Wanne ist voll "

09.07.2012
15:01
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Name von Moderation entfernt | #28

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07.07.2012
09:26
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Name von Moderation entfernt | #27

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

04.07.2012
16:41
Musikzentrum auf der Verschwendungsliste des Bundes der Steuerzahler
von steude | #26

Das Vorhaben Musikzentrum hat es bereits auf die Verschwendungsliste des Bundes der Steuerzahler geschafft: http://www.steuerzahler-nrw.de/Ein-Konzerthaus-fuer-Bochums-Klagelieder/35199c42691i1p131/index.html

Die Vorgabe, dass die Stadt, um die Fördergelder zu bekommen, die Jahrhunderthalle kaufen muss, brandmarkt der Bund der Steuerzahler als "Milchmädchenrechnung": http://www.steuerzahler-nrw.de/Teurer-Tausch-Musikzentrum-gegen-Jahrhunderthalle/44969c53432i1p131/index.html

Wie laut müssen die Alarmglocken noch schrillen.

04.07.2012
16:35
zu Tomatenkiller #22
von derLINDENER | #25

jaja, dass ist die sogennante "Umwegrentabilität" ! Besonders unsere Hauptstadt profitiert bereits davon: Durch die Ballung von Hochkultur in Berlin, gibt es in dieser Metropole durch kulturell florierende Stadtteile wie Kreuzberg 100derte von Arbeitsplätze für Polizisten, Sozialarbeiter und Bewährungshelfer !! Die Berliner haben erkannt wie man durch Kultur reich wird !

04.07.2012
16:24
an Jubo
von derLINDENER | #24

"gut durchdacht" ... aber genau das ist doch das Problem!!! Die Gegnerschaft des Musikzentrums bemängelt doch nicht das MZ an sich! Die (finanzielle) Planung ist zu undurchsichtig und mittlerweile nicht mehr glaubwürdig! Und darum melden Bochumer Bürger Zweifel an !
Das bei der neuen Landesmittelverschwendungsregierung die Vörderbescheide (uups falsch apgeschrieben) / jaja Musik 1 , Rechtschreibung 6 ) kommen, war zu erwarten.

Dann wird Bochum also doch ein neues /altes Image bekommen: "dreckig, grau und zugebaut, aber bitte mit Hochkultur" !!!

04.07.2012
15:29
Schlecht geschrieben und obendrein zu einseitig diskutiert
von Jubo | #23

Ich als junger Bürger dieser Stadt bin, nach langer Abwesenheit, fassungslos wie das Thema Musikzentrum diskutiert wird.
Vor meiner Abwesenheit waren alle, über die Stadtgrenzen hinaus, begeistert, wie sich die Bürger dieser Stadt, sogar finanziell, für ein Thema einsetzen, was die Politiker schon Jahre nicht geschaft haben.
Wenn ich mit anderen jungen Menschen über meine Heimat gerdet habe, konnten diese sich garnicht vorstellen wie gut das Ruhrgebiet aufgestellt ist. Das alte Image von, dreckig, unkultiviert, grau und zugebaut war das einzige was diese mit dieser Region verbinden. Dass es hier Landschaftsgärten, unfassbar viel Hochkultur und einen starken Strukturwandel gibt verwundert die meisten. Mit dem alten Image hat Bochum keine Chancen!

Die Diskusion hier ist mir zu einseitig. Zu viel Meinung zu wenig Objektivität und Fakten von beiden Seiten. Schade, gut durchdacht wäre es eine große Chance für unsere Heimat!

PS. Die Landesvördermittelbescheide sind seit eben da

04.07.2012
13:12
Schlecht formuliert und obendrein zu teuer
von tomatenkiller_neo | #22

War da nicht was mit Betrug, Steuerhinterziehung, Phantasierechnungen usw in den
90-er Jahren (man möge mal Spiegel googeln ...).

#20-1 : Laut Auffassung einiger Konzerthausbefürworter werden durch das neue
Konzerthaus stadtfremde Unternehmer Millionen € in Bochum investieren ...
Sie können zwar nichts belegen, werfen aber mal so locker die Zahlen in den Raum.

04.07.2012
12:19
Schlecht formuliert und obendrein zu teuer
von derLINDENER | #21

Wieweit ist wohl im Hintergrund die Fa Thürmer wieder in dieser Angelegenheit involviert ? Ende 2010 gab es da ein sehr intensives (geschäftliches) Interesse an dem Neubau !
Zur Erinnerung: Thürmersaal und einige unschöne Geschichten (Steuern und so....)

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