Schlagerfans zelebrieren ein Stück heile Welt

Die Heile-Welt-Industrie hat Hochkonjunktur. Der oft totgesagte Schlager boomt wie zuletzt in den 70er Jahren. Das beschert Heckschen Hitparaden-Veteranen wie Jürgen Drews oder Michael Holm ebenso gute Geschäfte wie den neuen, jungen Himmelsstürmern. Die atemlose Helene Fischer ist der Konkurrenz weit enteilt. In der Schweiz hat sich eine zweite Blondine aufgemacht, die teutonische Schlagerseele zu becircen: Beatrice Egli.

Zwar muss sich die 26-Jährige live noch mit einem vergleichsweise übersichtlichen Publikum bescheiden. Rund 1500 Besucher füllten den Ruhrcongress am Mittwochabend nur spärlich. Die indes feierten ihren Sonnenschein geradezu frenetisch. Die 100-Minuten-Show gab dazu allen Anlass. Das Bühnenbild und die Videoprojektionen: opulent. Die sechsköpfige Band und die zwei Tänzer: erstklassig. Beatrice: richtig gut drauf. Zwar ist es kaum zwei Jahre her, dass sie die Castingshow DSDS gewonnen hat. Ein alter Hase war sie aber schon damals, mit abgeschlossener Schauspielausbildung und drei Alben. Anders als etliche kurz aufglühende DSDS-Sternschnuppen profitiert sie von ihrer Erfahrung, präsentiert sich als professionelle, zugleich bodenständige Interpretin, auch wenn manche Geste, manche Liebeserklärung an die – klar doch – „besten Fans der Welt“ arg einstudiert wirkt.

Den Schlagerfreunden ist’s egal. Herz reimt sich auf Schmerz, und das ist auch gut so. Beim Bohlen-Hit „Mein Herz“ liegt der Ruhrcongress der Schweizerin zu Füßen. Der Schlager lebt. Es lebe die heile Welt.
WAZ-Wertung: