Schiri-Obmann der UEFA unter Verdacht
10.12.2010 | 18:05 Uhr 2010-12-10T18:05:00+0100
Bochum.Im Prozess um den europäischen Wettskandal ist jetzt auch ein Schiedsrichter-Obmann der UEFA unter Verdacht geraten.
Im Bochumer Prozess um den Fußball-Wettskandal wurde am Freitag bekannt, dass eventuell auch ein Schiedsrichter-Obmann der UEFA in die Manipulationen verstrickt ist und Schmiergeld kassiert hat. Die Rede ist von 50 000 Euro. Er soll dazu gebracht worden sein, einen angeblich ebenfalls korrupten Schiri innerhalb der UEFA mit höheren Aufgaben zu betrauen.
Die Anklage geht davon aus, dass die vier Angeklagten in die Manipulation von 32 Spielen verstrickt waren und mit Wetten rund 1,5 Millionen Euro erbeutet haben. Außer ihnen sitzen fünf weitere Männer in U-Haft, fast alle schon seit über einem Jahr. Ein Urteil fällt erst 2011.
Es geht um das U21-Länderspiel der Schweiz gegen Georgien im November 2009. Damals hatte ein bosnischer Schiedsrichter gepfiffen. Laut Anklage wurde er von einem Strippenzieher der Wettbande mit 60 000 Euro geschmiert, um für das gewünschte Ergebnis zu sorgen. Vor dem Bochumer Landgericht gab am Freitag einer der vier Angeklagten zu, davon gewusst und deshalb auf diese Partie eine Wette platziert zu haben. „Ich wusste“, sagte er über den mutmaßlichen Strippenzieher, „dass er etwas bezahlt hat - und ich habe dieses Spiel gespielt.“
Der Schiri soll aber außer mit Bargeld auch mit dem Verlockung bestochen worden sein, dass er von einem Schiedsrichter-Obmann gefördert werde, wenn er falsch pfeife. Denn auch dieser Funktionär steht jetzt im Verdacht, korrumpiert worden zu sein.
„Er hat mir gesagt, er hat einen Schiedsrichter. Das war für mich ein Grund, so hoch zu wetten.“
Ähnlich lief es angeblich bei dem Spiel der Europa-League Basel gegen Sofia im November 2009. Auch dabei, so gestand der Angeklagte, sei er von einem Hintermann über Manipulationen informiert worden: „Er hat mir gesagt, er hat einen Schiedsrichter. Das war für mich ein Grund, so hoch zu wetten. Fast 40 000 Euro. Fast alles, was ich hatte.“ Laut Anklage wurden 209 000 Euro Wettgewinn erzielt.
Der Angeklagte, ein Kraftfahrer aus Mönchengladbach, nennt sich „fußballwettenverrückt“ und „Gewohnheitsspieler“. Angefangen habe er mit Würfeln und Karten. Er sei „von Jugend an leidenschaftlich am Glücksspiel beteiligt“ und „in der Welt der Wetten im Ruhrgebiet bekannt“ gewesen.
Spielern 500 Euro gegeben
Er räumte ein, mehrfach auch auf deutsche Spiele gesetzt zu haben - im Wissen, dass Spieler geschmiert gewesen seien. Immer wieder werden im Prozess Spiele von Bayern Alzenau, SC Verl und VfL Osnabrück genannt. Nur in einem Fall will der Angeklagte aber selbst direkt auf Spieler eingewirkt haben. In einem Imbiss in Dortmund habe er einigen Fußballern von Verl jeweils 500 Euro gegeben.
Das Geständnis ist das zweite in dem Prozess. Zuvor hatte ein 35-Jähriger die Vorwürfe großteils zugegeben.

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