Schauspieltraining überwindet alle Grenzen

Die Masken wurden selbst gebastelt.
Die Masken wurden selbst gebastelt.
Foto: JobAct
Im Bahnhof Langendreer inszeniert Romy Schmidt Aristophanes’ „Die Vögel“ mit 20 Arbeitslosen ais zwölf Nationen.

Bochum.. Im Herbst übernimmt Romy Schmidt als neue Leiterin das Prinz-Regent-Theater. Zurzeit ist die Regisseurin allerdings auf einer ganz anderen Bochumer Bühne aktiv: Für das Projekt „JobAct Sprachkultur“ entwickelt die 35-Jährige im Bahnhof Langendreer zusammen mit 20 Arbeitssuchenden aus zwölf Nationen eine besondere Fassung von Aristophanes’ „Die Vögel“.

Das Spiel und das persönliche Ausprobieren stehen im Vordergrund, letztlich geht es aber um mehr: Ziel des Projektes ist es, dass alle Teilnehmer ihre Deutschkenntnisse verbessern, Sprachprüfungen ablegen, Teamgeist entwickeln und ausbauen – um mit diesem Rüstzeug scheinbar unüberwindbare Herausforderungen im (Arbeits-)Leben annehmen und meistern zu können.

Mit Händen und Füßen

Das Theatertraining führt die Teilnehmer seit Projektbeginn im August Zug um Zug an die Grundlagen des Schauspielens, und allem was dazu gehört heran, von Atemübungen über Text lernen bis zum Körpertraining. „Aus einer Gruppe verschiedenster Nationen soll ein Team werden, das sich auf deutsch (und mit Händen und Füßen) verständigt, auf dass sich später jeder auf seinen Gegenüber verlassen kann“, bekräftigt Schmidt. Denn am Ende steht eine Bühnenaufführung des einstudierten Stoffes.

Das Ganze ist für alle Beteiligten eine Herausforderung; vor allem ist es harte Arbeit, die immer auch ein gewisses Sich-Fallenlassen erfordert: „Vertrauen schaffen, geben, lernen – das ist der Grundstein, der geschaffen werden muss, und auf dem ich dann aufbaue“, sagt die Regisseurin. Zum Theatertraining gehört für sie als Künstlerin aber auch, dass sich die Teilnehmer selbst einen Begriff von Theater machen, ihren Begriff von Kunst erweitern. „Dazu gehen wir viel Theater schauen, nehmen Kunstausstellungen wahr, diskutieren, blättern im Duden, und versuchen nach den richtigen Wörtern für jede und jeden zu suchen“, sagt Romy Schmidt. Tatsächlich hat sie jedem Teilnehmer einen eigenen Duden in die Hand gedrückt, um stets das wirklich passende Wort parat zu haben.

Klassische Komödie

Die Wahl des Stoffes fiel auf die klassische Komödie „Die Vögel“ von Aristophanes. „Jeder konnte sich selbst den Vogel aussuchen, den er darstellen möchte“, so Romy Schmidt. „Es ist faszinierend und erstaunlich zu sehen, welcher Charakter, welche Persönlichkeit sich am Ende für welche Vogelart entscheidet. Alle haben ja verschiedene Hintergründe, und oft auch traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.“