Schauspiel Bochum - Knalleffekt durch Rücktritt von Weber

Anselm Weber bei der Programmvorstellung für die Spielzeit 2015/2016.
Anselm Weber bei der Programmvorstellung für die Spielzeit 2015/2016.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die WAZ blickt in einer fünfteiligen Serie auf die Spielzeit 2014/15 im Schauspielhaus Bochum zurück. 4. Folge: Der Intendant Anselm Weber.

Bochum.. Über die Premieren der Saison 2014/15 wurde viel und gern gesprochen – am meisten Gesprächsstoff verursachte der Intendant allerdings selbst. Ende Juni ließ Anselm Weber die Bombe platzen, verblüffte die Theater-Gemeinde mit seiner Ankündigung, 2017 in Bochum hinzuwerfen. Und das, obschon es noch keine zwei Jahre her ist, dass er seinen Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängert hatte.

Über die Gründe des Wechsels ans Theater Frankfurt muss man nicht spekulieren; Weber räumt offen ein, dass bei seiner Entscheidung die Finanzlage ausschlaggebend war. Denn es ist absehbar, dass ab 2017 Bochums Theater in schweres Fahrwasser geraten wird, Stichwort: Personalbudget/Tariferhöhungen. „Ich habe in fünf Jahren dreimal den Ausputzer gespielt, ich will nicht derjenige sein, der die politischen Folgen für das Schauspielhaus am Ende ausbaden muss“, so Weber.

Gegen überkommene Regeln

Tatsächlich war der Münchener bereits während der ersten drei Spielzeiten seiner 2010 angetretenen Intendanz eher als Buchhalter denn als Künstler gefragt, als es galt, die hausgemachten Finanzprobleme des Schauspielhauses in den Griff zu kriegen. Was auch gelang. Nun aber war das Ende der Fahnenstange erreicht. Im solventen Frankfurt, wo er im Frühjahr als Opern-Gastregisseur von Weinbergs „Die Passagierin“ gefeiert worden war, ist die Ausstattung der städtischen Bühne entschieden solider als im armen Bochum.

Textnahe Inszenierung

Zwei Inszenierungen legte der Schauspieldirektor 2014/15 vor, einmal konnte er punkten, einmal gab’s einen Verriss. Allgemein gelobt wurde „Kabale und Liebe“. Den Schiller-Klassiker setzte Anselm Weber in den Kammerspielen auf karger Bühne zu Cello-Musik in Szene, „die textnahe Inszenierung rüttelt nicht am ständischen Grundkonflikt, sondern erzählt kurzweilig vom tödlichen Aufbegehren zweier Liebender gegen überkommene Regel“, notierte Theater Heute wohlwollend.

„Alte Dame“ mit Mechthild Großmann

Von der Kritik verhalten aufgenommen wurde „Der Besuch der alten Dame“, für die Weber die populäre TV-Darstellerin Mechthild Großmann („Tatort Münster“) in der Titelrolle gewonnen hatte. Die Dürrenmatt-Aneignung schien leicht aus der Zeit gefallen, war wenig zugespitzt und bot so gesehen „nur“ Theater zum Zugucken, ohne Verstörung oder Schrecken zu verbreiten, was angesichts eines aus niederen Beweggründen – persönliche Enttäuschung – in Auftrag gegebene Mordes eigentlich angesagt gewesen wäre. „Was für eine langweilige, gedankenarme Aufführung. Obwohl Weber skrupellos auf Pointe setzt, lacht das Bochumer Publikum so selten, als wohnte es tatsächlich einer Tragödie und nicht einer ,tragischen Komödie’ bei. Nichts an dem Abend zündet“, urteilte die SZ.

Mag sein jedoch, dass die Schlussproben der „Dame“ und das Ausfeilen auch der letzten Inszenierungs-Details nicht mehr mit voller Konzentration möglich gewesen waren. Denn die Premiere fiel exakt in jene Wochen und Tage, in denen Anselm Weber seinen Abgang aus Bochum vor und seinen Auftritt in der Mainmetropole vorbereitete.