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"Sascha" hält Oper Leipzig zusammen

20.06.2007 | 09:03 Uhr

Nach Wirbel um den Intendanten übernimmt Alexander von Maravic? die Leitung

Seit Alexander von Maravic? mit der Kiste Fiege-Pils auf den Knien in der "Messer"-Inszenierung von Jürgen Kruse auf der Bühne der Kammerspiele saß, sind etliche Jahre ins Land gegangen.

Von Maravic, den alle nur "Sascha" nennen, war nach seiner Bochumer Zeit bei Claus Peymann am Berliner Ensemble tätig, ging dann als neuer Geschäftsführender Direktor an die Oper Leipzig. Das war 2005, unlängst ist sein Vertrag bis 2012 verlängert worden.

Nun ist Alexander von Maravic? die Aufgabe zugewachsen, die Leipziger Oper durch schwieriges Gewässer zu steuern. Die Stadt Leipzig will sich offenbar vom Intendanten der Oper, Henri Maier, trennen. Von Maravic? bildet mit Mayer die Doppelspitze des Hauses. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Alexander von Maravic? die Leitung der Leipziger Oper übernehmen. Grund für das mögliche "Aus" von Henri Maier: konträre Ansichten über die künftige Ausrichtung des Hauses, die zwischen dem Intendanten und der Stadt Leipzig entbrannt ist.

Nun sind die Darstellenden Künste ganz generell kein Bereich, in dem man in den Tag träumen kann. Täglich können persönliche und inhaltliche Unbilden den normalen Ablauf konterkarieren.

Somit wird Alexander von Maravic? die Turbulenzen an der Leipziger Oper sicherlich in der ihm eigenen besonnen-ruhigen Art bewältigen. Wobei ihm nicht zuletzt seine Bochumer Jahre dafür hinreichend Erfahrungen vermittelt haben.

"Sascha" von Maravic? war an die Königsallee gekommen, als dort Intendant Frank-Patrick Steckel wirkte. Damals noch eher im Hintergrund tätig, trat von Maravic? stärker in den Blickpunkt, als er mit Leander Haußmann die Doppelspitze am Schauspielhaus bildete (ab 1995).

Bekanntlich floss das Leben im Schauspielhaus unter Intendant Haußmann nicht gerade wie ein ruhiger, breiter Fluss daher. Da waren etliche Unwägbarkeiten zu stemmen: Jeder Morgen konnte neue Überraschungen bereit halten - auch im internen Betrieb.

Leander Haußmanns nächtliche Schlägerei mit seinem Hausregisseur Jürgen Kruse bildete dabei nur den publicityträchtigen Höhepunkt eines Theatertreibens, das mit einem städtischen Amt gar nichts, mit einem "Hühnerhaus" gelegentlich sehr viel zu tun hatte.

In dieser unkonventionellen Bohème behielt Sascha von Maravic? stets den Überblick; besonders in jener Phase, da Leander Haußmann den Filmregisseur in sich entdeckt hatte und oft aushäusig tätig war. Gelegentlich meinte "Sascha" damals schmunzelnd, dass es ihm manchmal schwer falle, in einem solchen Kindergarten wie bei Haußmann der einzige Erwachsene sein zu müssen. Doch ist Sascha von Maravic? viel zu innig mit dem Theater verschworen, als dass er auch nur im Entferntesten daran gedacht hätte, aufzugeben. Es waren wilde Zeiten, damals, unter Leander Haußmann, der lieber Popstar denn Institutsleiter gewesen wäre.

Zum letzten Mal hat der Chronist den ehemaligen Bochumer Verwaltungsdirektor zu Tanas 80. Geburtstag im Schauspielhaus gesehen. Damals hatte er schon einige Jahre mit Claus Peymann am Berliner Ensemble hinter sich und bereitete sich gerade darauf vor, an die Leipziger Oper zu wechseln.

Von Werner Streletz

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