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Ruhr-Uni plant nach Tumult um Neonazi Kampagne gegen Rechts

09.12.2013 | 18:08 Uhr
Ruhr-Uni plant nach Tumult um Neonazi Kampagne gegen Rechts
Tumult im Hörsaal: Antifa-Aktivisten haben am 2. Dezember eine Jura-Vorlesung unterbrochen, um einen Studierenden zu outen, der hoher Kader in der Dortmunder Neonazi-Szene ist.Foto: Ingo Otto/ WAZ FotoPool

Bochum.   Die Aktionen gegen einen Jura-Studenten der Bochumer Ruhr-Universität, der hoher Kader der Dortmunder Neonazi-Szene ist, haben bei der Ruhr-Uni einen Denkanstoß bewirkt. Die Uni will den Protest aufnehmen und eine Kampagne gegen Rechts starten. Doch auch eine Strafanzeige ist geplant.

Nach den Tumulten in einem Hörsaal der Bochumer Ruhr-Universität machen Antifa-Aktivisten mit ihrer Kampagne gegen einen polizeibekannten Neonazi, der an der Ruhr-Uni (RUB) Jura studiert, weiter. In einer Mail, die jetzt laut RUB "eine größere Anzahl Studierender" erhalten hat, erklären die Aktivisten, "es ist nicht hinnehmbar, dass ein aktiver Neonazi an der RUB für das Vorantreiben der Ideologie des Nationalsozialismus ausgebildet wird." Unterzeichnet ist die Mail mit "Antifaschistischer Infodienst der RUB". Ihr Ziel ist das Outing des Dortmunder Neonazis Michael Brück.

Wieso die Mail über den offiziellen Uni-Mailaccount ihre Adressaten erreichen konnte, werde nun im Rechenzentrum geprüft, teilt RUB-Sprecher Jens Wylkop am Montag auf Anfrage mit. Nach derzeitigem Stand sei "sicher, dass das zentrale Identiy-Management-System der Uni nicht gehackt wurde". Dennoch kündigte die Hochschule an: "Wir werden Anzeige gegen Unbekannt erstatten".

Lokales
Jura-Professor gibt Erklärung in der Vorlesung ab

Der Alltag ist in der Erstsemester-Vorlesung „Grundlehren des Bürgerlichen Rechts“ wieder eingekehrt. In der ersten Sitzung nach dem Zwischenfall mit den kostümierten Störern, die auf einen studierenden Neonazi aufmerksam machen wollten und in ein Handgemenge mit dem Dozenten gerieten (die WAZ berichtete) gab Prof. Dr. Georg Borges aber eine persönliche Erklärung ab. Der Jurist gratulierte zunächst seinen Studierenden dazu, ihre allererste Klausur absolviert zu haben. Dann sprach er ein Viertelstunde - teils sehr persönlich - über die inzwischen viel diskutierten Vorgänge, deren juristische Beurteilung naturgemäß noch aussteht.

Borges erklärte, dass er sich der dunklen Seiten deutscher Geschichte sehr bewusst sei. „Ich habe in Auschwitz gestanden“, so der Jurist. Das dürfe nicht vergessen werden, so Borges weiter, und das tue „diese Universität auch nicht“. Er forderte sein Studenten auf, sich möglichst international zu bilden.

Im Video nicht alles zu sehen

„Braunes Gedankengut“ verabscheue er zutiefst. Zu seinem kritisierten Verhalten sagte er, dass auf dem einschlägigen Video eben nicht alles zu sehen sei. Auch wenn einer nicht schlage, sei es doch ein Angriff. Bei der Antifa-Aktion habe es sich ferner um einen „klaren Fall von Persönlichkeitsrechtsverletzung“ gehandelt. Das habe er nicht akzeptieren können. Ausdrücklich stimmte Borges der Presseerklärung des Rektors Prof. Dr. Elmar Weiler zu. Insbesondere das darin gelobte Verhalten der Studierendenschaft sah der Dozent genauso. Wörtlich schloss er seine Einlassung mit dem Worten: „Ich bin stolz auf meine Studierenden“. Von diesen kam durchweg zustimmendes Klopfen.

Antifa bewirkt Denkanstoß - Ruhr-Uni plant Kampagne gegen Rechts

Die Antifa-Aktionen haben allerdings auch einen Denkanstoß in der RUB-Leitung bewirkt, erklärte Wylkop. "Das Rektorat und der Asta der RUB werden zum nächsten Sommersemester eine gemeinsame Kampagne ins Leben rufen, um die Studierenden für das Thema Rechtsradikalismus zu sensibilisieren". Genauere Informationen dazu will die Uni am Dienstag geben.

Eine auch vom Wortlaut her fast gleiche Kampagne hatte die Antifa im März vergangenen Jahres in Dortmund gestartet. Ziel war damals die Schule, an der Brück sein Abitur machte. Die dortige Schulleitung ist auf Brück gar nicht gut zu sprechen, obwohl sich der damals 21-Jährige "im Unterricht hyperkorrekt verhalten hatte" und in der Schule nichts von seiner Gesinnung zu spüren gewesen sei. Als die Identität Brücks, damals hoher Kader der im August 2012 durch NRW-Innenminister Ralf Jäger verbotenen Neonazi-Gruppe "Nationaler Widerstand Dortmund", der Schulleitung klar geworden sei, habe man überlegt, ihn der Schule zu verweisen. Rechtlich sei dies aber nicht möglich gewesen.

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Ruhr-Uni plant nach Tumult um Neonazi Kampagne gegen Rechts
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2013-12-09 18:08
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