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Juwelier-Überfälle

Richter bot sieben Jahre Haft an - Angeklagter nahm an

06.01.2010 | 14:17 Uhr

In einem besonders gesicherten Prozess gegen das mutmaßliche Mitglied (28) einer profimäßigen Räuberbande, die sich auf Juweliere und Uhren spezialisiert hatte, hat es am Mittwoch ein Geständnis gegeben.

Vorsitzender Richter Josef Große Feldhaus hat dem 28-jährigen Angeklagten am Mittwoch ein Angebot gemacht: Sieben Jahre Haft - aber nur, wenn er eine Beteiligung an zwei Juwelier-Überfällen zugibt. Sonst könnten es noch mehr Jahre geben. Der Angeklagte, der bisher nichts zugegeben hatte, kam schwer ins Grübeln. In der Sitzungspause dürfte sein Anwalt ganze Arbeit geleistet haben. Denn danach nahm der Mandant das Angebot an.

Jahrelang untergetaucht

Es geht um zwei profimäßige Raubzüge auf Juweliere. Die passierten zwar bereits 2003, aber weil der Angeklagte, ein Pole, jahrelang untergetaucht war, zuletzt in seiner Heimat, wird ihm erst jetzt in Bochum der Prozess gemacht. Im Sommer 2009 wurde er in Polen verhaftet - und ausgeliefert. Seitdem schmort er in der Krümmede.

Profibande war "straff strukturiert"

Laut Anklage war er Mitglied einer neunköpfigen polnischen Profi-Bande, die in Deutschland sehr viele Juweliergeschäfte ausgeraubt hatte. Mit Sturmhauben, geladener Schreckschusswaffe und Fäustel. Mit diesem schlug einer der Verbrecher eine Vitrine ein - und raffte Luxusuhren bekannter Marken zusammen. Die Bande war laut Anklage „straff strukturiert”, mit „Gruppenführern, Arbeiter und Soldaten”.

Am 29. April 2003 hatten zwei Bandenmitglieder einen Juwelier in der Bochumer Innenstadt heimgesucht. Die erbeuteten Uhren waren 32 000 € wert. Zwei Wochen später raubten weitere zwei Verbrecher einen Juwelier in Wesel aus. Beute: 117 000 €. Fünf Minuten danach wurden sie geschnappt. In Bochum indes hatten die Täter mit Beute fliehen können. Der jetzt Angeklagte soll in Wesel die Waffen besorgt und in Bochum die Beute abtransportiert haben. Im Laden selbst war er nicht gewesen, hieß es.

Mittäter sitzen schon längst hinter Gitter

Alle vier Räuber sind längst zu Gefängnis verurteilt worden. Zwei von ihnen hatten den Angeklagten als Mittäter schwer belastet. Der Richter hielt ihm das jetzt vor. Und auch weitere Indizien, etwa einen DNA-Treffer. An einer Sturmmütze, die man bei einem dritten Juwelier-Überfall in Freiburg gefunden habe (194 000 € Beute), habe man sein Erbgut gefunden.

Derart mit der Beweislage konfrontiert, nahm der Angeklagte das Sieben-Jahre-Angebot ("Das ist günstig", so der Richter) an. Das Urteil folgt in Kürze.

Zeugenschutzprogramm: Prozess wird stark gesichert

Der Prozess wird von Wachkräften besonders gesichert. Die Polizei hat Hinweise, dass der Hauptzeuge der Anklage hochgradig gefährdet ist. Er ist im „Zeugenschutzprogramm” mit der höchsten Stufe.

Jener Überfall in Freiburg (9.4.03) ist jetzt übrigens nicht mit angeklagt. Grund: Als Polen den Mann auslieferte, war nur von den Verbrechen in Bochum und Wesel die Rede. Also darf man ihn jetzt in Deutschland auch nur deswegen verfolgen.

Bernd Kiesewetter

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Kommentare
06.01.2010
22:53
Blockierter Kommentar.
von Beatrix.Gutmann | #1

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