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Richter beklagt "Sabotage"

15.05.2008 | 12:33 Uhr

Der Ex-Chef eines Autohauses, dem Haft droht, sowie sein Anwalt haben die Geduld des Gerichts mit sehr vielen Beweisanträgen wohl überstrapaziert. Jetzt soll Schluss sein

Nach 61 Prozesstagen seit Herbst 2006 haute gestern Bochums erfahrenster Strafrichter, Hermann Pamp, auf den Tisch. Bildlich gesprochen. Eine "Sabotage" des Gerichtsbetriebes sei es, sagte er, was der Angeklagte (49), ein ehemaliger Autohaus-Chef und mutmaßlicher Betrüger mit Wohnsitz in Bochum, und sein Anwalt da seit Monaten machten. Er meinte ihre bereits über 20 Beweisanträge, durch die der Prozess verschleppt würde. "Die Absicht einer sachlichen Förderung des Verfahrens", meinte Pamp, sei "nicht mehr erkennbar". Der Prozess werde ja nur noch "fast allein von Ihnen betrieben". Immerhin sind noch zwei weitere Männer (29, 31) angeklagt.

Der Anwalt des Autohändlers, Dr. Wilhelm Krekeler, seinerseits ein gestandener Strafjurist ("Ich bin gewohnt einzustecken, weil ich auch austeile"), ließ das nicht auf sich sitzen: "Das ist das erste Mal, dass man mir seit 40 Jahren Prozessverschleppung vorwirft." Er fügte hinzu: "Das wird sicherlich für meine Memoiren von Bedeutung sein."

Es herrscht also, wie ein früherer Richter in Bochum stets sagte, wenn es Ärger im Saal gab, "Strom in der Tapete". Es geht ja auch um sehr viel: Dem Angeklagten, der im Anklagezeitraum (Ende 2004 bis Ende 2005) Geschäftsführer eines Wittener Autohauses war und stets tipptopp gekleidet mit Anzug und Krawatte vor Gericht erscheint, droht Gefängnis. Laut Anklage soll er Mitglied einer Bande gewesen sein, die insgesamt einen Millionenschaden angerichtet haben soll. Sie soll sich durch das Vorlegen falscher Personalien und künstlich hochgejubelter Verdienstbescheinigungen Finanzierungen bei Autobanken erschlichen haben, um sich hochwertige Gebrauchtwagen zu ergaunern. Laut Anklage ging es um etwa 60 Autos. Die fälligen Raten sollen dann aber nur einmal oder gar nicht gezahlt worden sein. Einige Autos sollen in den Irak verschoben worden sein. Der damalige Autohaus-Chef soll bei der Bewilligung einiger Verträge trickreich geholfen haben. Profitiert haben soll er davon, dass er damit endlich seine eigenen teuren Gebrauchtwagen vom Hof bekommen habe.

Seit Prozessbeginn, als er vom Anwalt seine Unschuld beteuern ließ, schweigt er. Die 13. Strafkammer ist es jetzt aber wohl leid mit seinen Beweisanträgen, die großteils abgeschmettert worden sind. Am 4. Juni soll die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer halten. Der Ex-Autohaus-Chef ist gewarnt: Das Gericht hat schon zwei ehemalige Mitangeklagte zu Haft bis zu drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Von Bernd Kiesewetter

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