Rat schafft verkaufsoffene Sonntage 2012 in Bochum ab
02.02.2012 | 18:59 Uhr 2012-02-02T18:59:00+0100
Bochum.Der Rat lehnte am Donnerstag verkaufsoffene Sonntage in Bochum ab. „Das ist schon eine Sensation“: Rechtsdezernentin Diane Jägers war ebenso überrascht wie die Ratsmitglieder selbst.
Von 75 stimmberechtigten Stadtverordneten votierten 37 gegen den Antrag des Einzelhandelsverband , zwei enthielten sich, so dass den Befürwortern eine Stimme fehlte. Die Fraktionen hatten das Votum freigestellt. Somit wird Bochum die einzige Stadt im Ruhrgebiet sein, die 2012 an keinem Sonntag den Einkaufsbummel – jeweils verknüpft mit einem Stadtteilfest – zulässt. Seit den 80er Jahren gab’s verkaufsoffene Sonntage in Bochum.
Mit diesem Ergebnis hatten selbst die Gegner der Sonntagsöffnung im Rat nicht gerechnet. Oberbürgermeisterin Scholz ließ bei der Abstimmung über den Antrag des Einzelhandelsverbandes auch zweimal abstimmen.
Parteien zeigen, wo sie stehen
Der Antrag lautete auf drei Termine pro Stadtteil, 13 insgesamt fürs Stadtgebiet , zwischen März und der Zeit der Weihnachtsmärkte. Weil er keine Mehrheit fand, sind somit alle Ladenöffnungen sonntags in diesem Jahr untersagt.
Mit flammenden Reden hatten sich zuvor die Linksfraktion und die Grünen gegen Sonntagsöffnungen ausgesprochen. Ernst Lange (Linke): „Es ist fraglich, dass die Freigabe auch mittleren und kleinen Betrieben nützt. Den Beschäftigten schadet sie.“
SPD-Fraktionschef Dieter Fleskes gab zu bedenken: „Wenn die Ablehnung als Schutz für Arbeitnehmer postuliert wird, darf kein Busfahrer oder Krankenhausarzt vergessen werden.“
Die FDP war geschlossen für den Antrag; Felix Haltt: „Die Regelung ist kein Zwang, sondern eine Möglichkeit. Wir sollten dem Handel die wenige Freiheit lassen.“ Ähnlich sah es Roland Mitschke (CDU): „Wir schulden es dem Handel, die gleiche Chance wie die Nachbarn zu bekommen. Die Akzeptanz zeigt sich auch in den Massen, die den Sonntagsverkauf annehmen.“ Wie unterschiedlich die Prioritäten liegen, zeigte sich, als gleich anschließend sein Fraktionskollege Lothar Gräfingholt als Katholikenratsvorsitzender ans Mikrofon trat: „Nicht jeder bei der CDU sieht das so.“
Ein Schlag ins Gesicht
„Es war denkbar knapp, nur eine Stimme fehlte an der Zustimmung. Ich akzeptiere natürlich, dass auch in unserer Fraktion unterschiedlich votiert wurde, doch es ist in jedem Fall ein nachhaltiger Imageverlust für die Stadt“, so kommentierte Fleskes später das Ergebnis.
Stefan Lenk, Vorstand im Einzelhandelsverband: „Wir sind total erschüttert, so etwas habe ich noch nie erlebt. Besonders für die Stadtteilzentren ist es ein Schlag ins Gesicht, denn gerade die sind darauf angewiesen.“ In allen Nachbarstädten dürfte sonntags verkauft werden. „Ich bekam soeben zwei Anrufe von Essener Kollegen, die sich bedankten, dass Bochum ihnen die Kunden zutreibt.“ Ob der Verband einen neuen Antrag stellen wird, müsse noch abgestimmt werden. Die IHK Bochum sehe in dem Ratsvotum einen Abschied für Gesamt-Bochum aus dem Wettbewerb mit anderen Städten, so erklärte Jörg A. Linden auf WAZ-Anfrage.

16:53
Latschen durch die Innenstadt...toll....aber alle Geschäfte sind zu.Schade eigentlich....nur haben Pommesbuden und Eisläden dann offen...auch die Hoch- Gastronomie wartet auf Kundschaft...ebenfalls Tankstellen.
Von Ärzten,Krankenhäusern,Pflegediensten,ÖNV,Polizei und Feuerwehr ist nie die Rede.
Schade....wird ja alles vergessen.
21:20
Wenn Opel bald dicht ist, kann der Einzelhandel 80% der Öffnungszeiten einsparen. Dafür werden dann noch einige Sozialkaufhäuser aus dem Boden sprießen müssen...
23:10
Habe 37 Jahre im Einzelhandel gearbeitet, daher kenne ich das gejammere der Händler. Aus mehreren Abteilungsleitersitzungen weiß ich, dass der Sonntag keine zusätzlichen Umsatz bringt, sonder nur eine Umsatzverlagerung. Der Kunde sollte einmal überlegen, wer die zusätzlichen längeren Öffnungszeiten bezahlt. Er nämlich, denn die zusätzlichen Kosten werden von den Händlern voll in ihre Kalkulation übernommen und auf die Preise aufgeschlagen. Solange die Händler jammern geht es ihnen gut, sagt ein altes Sprichrwort. Daher kann ich nur sagen, ein Bravo dem Rat der Stadt Bochum. Hoffentlich fallen sie nicht nach den massiven Drängen der Händler nicht um.
09:46
Wenn Opel jetzt auch zu macht, stellt sich die Frage,
ob man nur noch Sonntag aufmacht.
12:21
Die Entscheidung der Stadt ist absolut weltfremd. So eine Entscheidung kann nur von Personen getroffen werden, deren Bezüge unabhängig von der wirtschaftlichen Situation des Arbeitgebers eintreffen.
Wer sich bewusst macht, dass Existenzen und Einkünfte abhängig sind von verkaufsoffenen Sonntagen, kann bei dieser Entscheidung nur den Kopf schütteln.
Darüber hinaus schwächt man die ohnehin schon im Abschwung befindlichen Vororte wie Linden, Langendreer oder Wattenscheid. Mit dem verkaufsoffenen Sonntag bestand für die Vororte die einmalige Chance, Kunden anzulocken, die sonst lieber in Stadtzentrum gehen.
Die unten angeführten Gründe der Nutzer sind m.E. nicht tragfähig. Dass die "Betroffenen" an 4 Sonntagen im Jahr arbeiten müssen, ist zumutbar. Und als Käufer kann ich selber entscheiden, ob ich Sonntags die Familie besuche oder in die Stadt gehe.
Völlig abwegig ist es, Öffnungszeiten von der Kaufkraftentwicklung abhängig zu machen. Vielleicht sollte man gerade deswegen den Kaufkräftigen die Möglichkeit geben, an einem Tag zu shoppen, an dem Sie mal Zeit haben - und Ihr Geld in Bochum auszugeben.
16:48
jetzt spinnen die total,
die Stadt ist eh schon eine Totgeburt Zufahrtsstrassen Dorstener und Herner Str.
eine Staumeile, ein Boulevard mit dem keiner was anfangen kann, Kortumhaus ruiniert,
Brückstr./ Kuhhirte eine Fehlplanung nach der anderen, mit tut nur Andor Baltz leid
der einzigste Lichtblick in Bochum jetzt mit geplanter Erweiterung, er sollte lieber in die Nachbarstädte ausweichen dann könnte man aus Baltz noch einer Fixerbude, Säufertreff oder eine Moschee bauen als Alternative damit ab und zu was los ist.
Mit Nullarbeitszeit kann man gut Sonntagsarbeit für andere fordern.
13:09
Hallo Leute, es geht hier darum da einige wenige Verkäufer an 4 Sonntagen 5 Stunden arbeiten. Es geht hier nicht darum das an 52 Sonntagen alle Geschäfte von 7 - 24 Uhr geöffnet sind. In der Regel ist das von 13-18 Uhr. Ganz wenig Geschäfte. Lebensmittelhändler beteiligen sich so gut wie gar nicht daran.
18:43
Nach der Entscheidung zur Absage der Love Parade wieder einmal ein gutes Signal aus Bochum. Wer wie manche Kommentatoren hier seine Lebensqualität in dieser Stadt an der Anzahl verkaufsoffener Sonntage festmacht, der gehört in die Klapsmühle.
18:32
ja ist doch ok so, dann haben die verkäufer und verkäuferinnen wieder freie sonntage, das sollte im interesse eines guten gewerkschafters doch so sein oder etwa nicht? der sonntag ist da zum entspannen,spazieren gehen oder in die kirche gehen (freut den pfarrer oder pastor der nämlich macht das ja seit jahren sonntags). denn wer ins geschäft geth kann nciht zur kirche gehen!! (da ich nicht mitglied einer der kirche bin,darf ich dann auf der couch liegen und ruhen damit ich montags für meinen chef wieder ausgeruht bin!)
15:30
Zu FreieMeinung79 mit Kommentar #11
Schön wie man hier noch so nebenbei den Glauben anderer Religionen diskriminiert. Top!
Und darüber hinaus: Ähnlich wie Altenpfleger und Busfahrer haben auch Verkäufer mal frei! Wie Realitätsfremd das doch ist!
Zu SirManni mit Kommentar #12
Wenn man Bürgern wie Ihnen den sonntäglichen Spaziergang verbietet stehe ich neben Ihnen und klatsche laut Beifall! Gut, dass wir in unserem Leben nichts selbst entscheiden dürfen!
Zu rotwang mit Kommentar #14
Dem kann ich zu 100% zustimmen!
Zu gruenderhell mit Kommentar #18
Ihr Kommentar tut richtig gut und spiegelt auch meine Meinung wieder! Dachte schon ich bin mit meinen Gedanken allein auf weiter Flur! Hoffe für Sie, dass Sie Ihre Entscheidung in Bochum gebaut zu haben irgendwann nicht mehr bereuen!