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Kleingartenverein

Räumungsklage gegen Kneipenwirtin

12.02.2012 | 17:16 Uhr
Räumungsklage gegen Kneipenwirtin
Gut besucht: das Restaurant La Flora in Bochum Werne.Foto: Barbara Zabka

Bochum.   Weil die Pächterin der Gaststätte „La Flora“ in Bochum Werne nicht immer die monatliche Pacht pünktlich zahlte, bekam sie die Räumungsklage vom Vorstand der Kleingartenanlage Flora. Dabei hatte die frühere Vereinsvorsitzende nur großes Lob für die Wirtin übrig, die unbedingt die Gaststätte weiter führen will.

Verhärtet sind die Fronten im Kleingartenverein Flora in Werne – und das seit nunmehr einem halben Jahr. Der Kleinkrieg zwischen dem Vereinsvorstand und der Pächterin des Restaurants „La Flora“ eskalierte bereits am 19. September 2011.

An diesem Herbsttag flatterte eine Räumungsklage ins Haus von Pächterin Jennifer Landers-Enter. Das Lokal sollte sie verlassen -- bis zum 21. September 2011, 18 Uhr. Der Grund: Sowohl für die Monate August als auch September 2011 habe sie ihre Pacht nicht gezahlt. Das gibt die 41-Jährige auch zu.

Finanziell sah es nie rosig aus bei der Mutter eines Sohnes, doch gezahlt hat die 41-Jährige in all den acht Jahren die monatliche Summe von rund 500 Euro immer, wenn auch nie pünktlich. Von 2003 bis 2008 gab es sogar ein schriftliches Abkommen zwischen ihr und dem ehemaligen Vorstand des Kleingartenvereins Flora .

Vorwürfe zum Bierausschank

Demnach durfte Jennifer Landers-Enter so zahlen, wie sie gerade konnte. „Hauptsache am Ende war das Geld da“, sagt Frau Landers-Enter. Das bestätigt auch Ellen Kindor, die von 2004 bis 2009 die Vorsitzende des Kleingartenvereins war. Auf WAZ-Anfrage sagt sie: „Frau Landers ist dem Verein nie etwas schuldig geblieben. Der Gaststätte kann nichts Besseres passieren, als diese fleißige Wirtin. Eine junge Frau, die sich mit viel Fleiß eine Existenz aufgebaut hat.“

Das sieht der heutige Vorstandsvorsitzende Jochen Giersbach gänzlich anders. Er könne schließlich nichts dafür, wenn „die gute Frau ihre Pacht nicht zahlt.“ Überhaupt sei ihm die Diskussion „zu müßig“. „Die Sachen liegen bei Gericht und bei den Anwälten. Ich habe für alles Fakten – und die Fakten sprechen für sich“, sagt der 56-Jährige.

Vorwürfe erhebt er auch noch beim Thema Bierausschank. Sie habe sich nicht ausschließlich, wie vertraglich gefordert, an den Verkauf einer alleinigen Biersorte gehalten. „Doch“, sagt Jennifer Landers-Enter. In punkto Fassbiere habe es nie Abweichungen gegeben. „Da habe ich mir nichts Vertragswidriges zu Schulden kommen lassen.“

Fakt ist, dass Jennifer Landers-Enter ihre Pacht nie pünktlich gezahlte hat, dass auch der neue Vorstand bis zu jenem Septembertag 2011 offensichtlich keine Probleme damit hatte. Man verstand sich wohl gut, warum sich das Blatt plötzlich wendete, darauf kann sich niemand einen Reim machen, auch die Pächterin nicht. Ein Kleingartenmitglied, das lieber anonym bleiben möchte, sagt: „Ich kann den Zirkus, den der Vorstand da macht, einfach nicht verstehen.“

"Das Lokal ist mein Baby"

Es gibt sogar ein schriftliches Dokument, auch mit dem heutigen Vorstand, nach dem sich beide Parteien geeinigt hatten, den „Pachtzins so zu belassen.“ Ab dem 1. März 2012 müsse das Geld dann immer „jeden Monat pünktlich“ überwiesen werden. Nun aber soll sie das Lokal komplett verlassen, eine neue Kündigung räumt ihr eine Frist bis bis zum 31. März 2012 ein. Ihre Schulden hat sie längst beglichen, direkt nach Eingang der Klage.

Jennifer Landers-Enter will mit alle Mitteln bleiben. Ihr Pachtvertrag läuft bis 2014, mit Option auf weitere fünf Jahre. „Ich habe das Lokal aus dem Nichts aufgebaut, jeden Cent habe ich hier reingesteckt.“ Aus einem altbackenen Vereinsheim mit Linoleumboden machte die 41-Jährige in den letzten Jahren eine gemütliche Gaststätte.

So steht sie immer noch am Tresen, bewirtet ihre Gäste von dienstags bis sonntags mit Getränken sowie spanisch-portugiesischen Speisen. „Das Lokal ist mein Baby“, sagt die 41-Jährige. Ein Baby, um das sie mit allen Mitteln kämpfen wird.

Am 9. März ist der Gütetermin am Amtsgericht Bochum.

Jimena Salloch

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Kommentare
14.02.2012
10:08
Räumungsklage gegen Kneipenwirtin
von heins168 | #5

Also ich bin der Meinung das der Vorstand richtig handelt. Ich kann meine Miete auch nicht meinem Vermieter zahlen wann ich will! Der würde mich auch aus meiner Wohnung schmeissen! Ausserdem denke ich das so eine Räumungsklage nicht einfach so gemacht wird. Da liegen mit sicherheit einige Verstösse vor. Und besteht ein "Vorstand" nicht aus mehreren Personen? Die müssen ja dann auch gemeinsam für den Rauswurf der Wirtin gestimmt haben! Und wenn diese Wirtin sich an die Presse wendet, sieht es ja so aus als wenn ihr die Fälle davon schwimmen. UND ich finde das diese öffentliche Schlammschlacht den Gartenverein ganz schön ins schlechte Licht zieht. Kein toller Zug von der Wirtin!! Würd mich ja brennend interessieren wie es vor Gericht ausgeht! Hoffe die WAZ berichtet dann auch darüber!

13.02.2012
19:29
Räumungsklage gegen Kneipenwirtin
von Destruvius | #4

ja da wird von jemanden etwas aufgebaut und nett gemacht, und dann kommt der Vorsitzende und kündigt den Vertrag?!
Frage mal Verschmitzt, wer denn da Nachfolger der Wirtin werden soll? Herr Vorstand?
Da haben Sie doch schon jemanden !

13.02.2012
19:13
... typisch deutsche Vereinsmeierei ...
von loool | #3

... da will ein Vereinsvorstand beweisen wo der Hammer hängt und kapiert nicht, dass er seinem Verein das Wasser abgräbt. Denn niemand wird diese Kneipe weiter führen wollen oder können, weil sie nicht wirklich etwas abwirft.
Heute gibt es eine Wirtin die dahinter steht und dafür lebt, bald verrottet die Hütte dann nur noch.
Schade ist, dass die Rechtsprechung dem Vorstand recht geben wird. Nach der nächsten Wahl ist der Mann nur noch Geschichte, aber er macht vorher noch mächtig viel Wirbel und alles kaputt was das Kleingärtnertum noch aus macht.

13.02.2012
16:52
da passen wohl zwei Welten nicht zusammen
von Schorsch_MCMLX | #2

Mir scheint, die Welten der halb auf das Geschäftsgebaren amerikanischer Kleinselbständger sozialisierte Pächterin und die eines Kruppianers als Vereinsvorsitzendem passen nicht zusammen.
Alle, die den völlig verregneten Sommer 2011 in D miterlebt haben, konnten an einem Finger abzählen, dass ein im Sommer auf den Biergarten angewiesenes Lokal im Frühherbst heftigste Probleme bekommen würde. Aber vielleicht hat ja auch einer dem Vorstand einen Floh ins Ohr gesetzt.Hoffen wir mal, dass die Sache nicht so ausgeht wie bei Fort Fun.
Die Pächterin sollte sich schleunigst nach neuen Räumlichkeiten umsehen, sie wird dort nicht mehr froh werden. Meine Hoffnung in die Gentechnik ist, dass sie bitte bitte bald blauen Rasen erfindet. Die daraufhin in deutschen Kleingartenvereinen losbrechenden Kleinkriege werden der Presse auf Jahrzehnte jedes Sommerloch füllen

13.02.2012
14:03
Räumungsklage gegen Kneipenwirtin
von maltator | #1

Ich bin der Meinung, die geräumte Mieterin oder Inhaberin hat der Location das erste Mal in etwa 40 Jahren ein modernes und ansprechendes Flair verbreitet.
Vermutlich lässt sich mit dieser Art von Gastronomie am Wallbaumweg in Bochum nicht ausreichend Geld einnehmen, um die Pacht zu zahlen - schade.

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