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Bochumer Wahllokal meldet 71 Prozent ungültige Zweitstimmen

24.09.2013 | 00:19 Uhr
Bochumer Wahllokal meldet 71 Prozent ungültige Zweitstimmen

Bochum.   Weil sich der Wahlvorstand uneinig war, meldete das Wahllokal Kirchschule in Bochum-Langendreer bei der Bundestagswahl am Sonntagabend erst einmal 71,26 Prozent ungültige Zweitstimmen. Zudem zählten in Bochum 600 Briefwahl-Erststimmen nicht, da Wahlkreise vertauscht worden waren.

Zum Zählappell der besonderen Art rief die Stadt Bochum am Tag nach der Bundestagswahl ins Rathaus. Während Politiker noch Wunden leckten oder sich vom Feiern erholten, ging es um Stimmen, die abgegeben, aber nicht gezählt werden durften. Trotz mehrfacher Medienaufrufe blieben rund 600 Briefwahl-Stimmen, genauer die Erststimmen, ohne jede Bedeutung. Die Wähler konnten oder wollten nicht mehr neu wählen, wie die Stadt es angeboten hatte.

Hintergrund: 1100 Bürger hatten sich beim Wahlamt gemeldet, nachdem die Verwaltung Anfang der Woche Fehler beim Verschicken von Briefwahlunterlagen eingeräumt hatte. Eine unbekannte Anzahl von Personen des Wahlkreises Bochum I (140) hatte Wahlzettel des Wahlkreises Herne-Bochum II (141) erhalten.

Rechtsamtsleiterin Ursula Beaupain erläuterte, dass das Vertauschen der Wahlkreise bei Hunderten Wählern zwar ärgerlich aber für den Wahlausgang in den beiden Bundestagswahlkreisen nicht „mandatsrelevant“ sei. Zu weit auseinander lägen die Kandidaten. „Ich hoffe daher nicht, dass es zu Einsprüchen kommt.“ Ob es für die Betroffenen tröstlich ist, dass immerhin die Zweitstimmen zählten, darf ruhig dahingestellt bleiben.

Kein eigener Balken für die CDU

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 „Für Ältere ist das unzumutbar“, sagte beispielsweise Günter Brettschneider. Der 82-Jährige musste in einem Schrebergarten wählen – vier Kilometer von seiner Haustür entfernt.Neue Wahllokale  wurden u.a. erforderlich, weil die Zahl der Stimmbezirke reduziert wurde.

Zu unfreiwilliger Berühmtheit brachte es das Wahllokal an der Kirchschule in Bochum-Langendreer. Als am Sonntagabend kurz vor Meldeschluss (22 Uhr) die Ergebnisse aus dem Stimmbezirk 4401 an das Wahlamt übermittelt wurden, staunten Beobachter. Von den 689 abgegebenen Stimmen waren 491 Zweitstimmen ungültig: satte 71,26 Prozent; was zum ungewöhnlichen Ergebnis führt, dass die Grünen (23,74) Wahlsieger im Stimmbezirk vor der Linken (17,17) und der SPD (16,67) lagen.

Noch kurioser: In der grafischen Darstellung gab es keinen eigenen Balken für die CDU. Die Partei, deren Zweitstimmen bundesweit beinahe zur absoluten Mehrheit gereicht hätten, landete unter der Wählern, die an der Kirchschule ihre Stimme abgeben hatten, nur in der Säule der „Sonstigen“. Leser fragten: Was ist da los?

Mit den beteiligten Wahlhelfern abklären

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So ganz genau vermochte die Stadt Bochum das auch noch nicht zu sagen. Nur so viel: Weil am Wahlabend innerhalb des Wahlvorstands in der Kirchschule Uneinigkeit über einen Großteil der Zweitstimmen herrschte, so Stadt-Sprecher Thomas Sprenger, wurden 491 Stimmen erst einmal für ungültig erklärt. Montag wurde nachgezählt. Das Ergebnis: Nur 13 Zweitstimmen (1,89 Prozent) sind ungültig, die SPD heimst mit 35,80 Prozent die meistens Stimmen ein und für die CDU (22,93) gibt es nun auch eine eigene Säule.

„Die Nachmeldung ist gar kein Problem, das amtliche Wahlergebnis wird erst am Freitag festgestellt“, so Stadtsprecher Sprenger. Über die Ursachen für die große Zahl der erst für ungültig erklärten Stimmen, mochte er noch keine Angaben machen. Woran es gehakt hat, soll nun mit den beteiligten Wahlhelfern geklärt werden.

Thomas Schmitt, Andreas Rorowski und Michael Weeke

Kommentare
25.09.2013
18:28
Bochumer Wahllokal meldet 71 Prozent ungültige Zweitstimmen
von Malonis | #25

Richtig Herby52, nur wer eine Wahlbenachrichtigungs-Karte hatte, durfte ohne Personalausweis wählen, und es sind immer noch keine "Bleistifte" sondern...
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1 Antwort
Bochumer Wahllokal meldet 71 Prozent ungültige Zweitstimmen
von mitLINKSinsVERDERBEN | #25-1

Da widerspreche ich Ihnen:
Die Wahlberechtigungsscheine werden simpel per Post zugestellt - es ist ein leichtes, mehrere Scheine zu erlangen. Erst recht für kriminelle Subjekte oder eben jene, die es darauf anlegen wollen.
Und wem sollte es auffallen, wenn man in einem Wahlkreis zweimal wählt? Das glauben sie doch selbst nicht. Dort fallen ja nicht mal Unregelmäßigkeiten auf, abgesehen davon dass es viele Wahllokale gibt, in denen ich jeweils mindestens einmal wählen könnte. Diese Art der simplen Mainpulation lässt sich problemlos mit der Kontrolle des Personalausweises ausschalten. Doch das wird nicht gemacht, es sei "überflüssig". Ja, genau. Der zugeschickte Wahlschein ist Sicherheit genug. Noch fragen???

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Bochumer Wahllokal meldet 71 Prozent ungültige Zweitstimmen
Bochumer Wahllokal meldet 71 Prozent ungültige Zweitstimmen
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http://www.derwesten.de/staedte/bochum/raetselhafte-stimmauszaehlung-aimp-id8483790.html
2013-09-24 00:19
Bochum,Bundestagswahl,Stimmauszählung,Wahl
Bochum