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Rabbiner vorerst in Bochum geduldet

04.08.2010 | 12:11 Uhr
Rabbiner vorerst in Bochum geduldet
Rabbiner Dr. Moshe Navon Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Bochum.Entspannung im Fall Dr. Moshe Navon. Die von der Ausweisung bedrohte Familie des Rabbiners bekommt ihre Pässe zurück. Die Stadt duldet den Geistlichen für die Dauer des Eilverfahrens.

Die Stadt Bochum verfügte am Dienstag eine Duldung für die Dauer des Eilverfahrens, wie die Anwältin der Familie, Anette Kärger-Steinhoff, bestätigte. Konkret bedeutet das, dass die Familie zunächst einmal durchatmen kann und ein unmittelbarer Vollzug nicht mehr im Raume steht. Daneben ist es nun wieder möglich, dass Frau Navon demnächst eine berufliche Tätigkeit mit Unterstützung der Caritas aufnehmen kann, die die finanzielle Situation der Familie, die derzeit Hartz 4 bezieht, ebenfalls entspannen könnte. Auch der Rabbiner selbst kann sich nun auf die Vorbereitung seiner vier Lehraufträge an drei Universitäten konzentrieren und seiner Seelsorgertätigkeit bei drei liberalen jüdischen Gemeinden nachgehen.

Er sollte das Land verlassen

Der israelische Staatsbürger Moshe Navon war aufgefordert worden, dass Land zu verlassen, da die Stadt Bochum es nicht gegeben sah, dass er für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen könne.

Über diesen in der bundesrepublikanischen Geschichte einmaligen Fall eines von der Ausweisung bedrohten jüdischen Geistlichen hatten zuvor das WDR-Fernsehen, der Hörfunk und viele weitere Medien aus dem In- und Ausland berichtet. Nachdem das Datum, zu dem der Geistliche mit seiner 6-köpfigen Familie, darunter vier Kinder, die in Bochum Schulen besuchen, ausreisen sollte, zunächst um 10 Tage nach hinten auf den 25. August verschoben worden war, ist nunmehr etwas mehr Zeit gegeben zur Klärung seines Status. Das Verfahren läuft am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Navon könnte zum juristischen Präzedenzfall werden, da nicht nur über den ökonomischen Status, sondern über die gesellschaftaspolitische Relevanz seiner Arbeit befunden werden muss.

Seelsorger, kein Politiker

„Ich bin Seelsorger, kein Politiker, ich freue mich, das wieder so etwas wie Normalität wiederkehrt“, erklärte der Rabbiner erleichtert, „Es herrscht wieder eine andere Atmosphäre.“ Mittelfristig hoffe er, dass die politischen Gespräche in Hinsicht auf das Verhältnis von liberalen jüdischen Gemeinden zu den Einheitsgemeinden zügig erfolgreich verlaufen würden, damit diese schnell in die Lage versetzt würden, hauptberufliche Geistliche bezahlen zu können. Zurzeit arbeitet Navon als Seelsorger bei der liberalen jüdischen Gemeinde Ruhrgebiet „Perusch“ in Oberhausen und bei der jüdischen Gemeinde „haKochaw“ e.V. in Unna.

Tom Thelen

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