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Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an

29.08.2012 | 18:41 Uhr
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
Andrea Büttner soll eine verbindliche Erklärung zu den Vorgängen abgeben. Danach werde die Rechtsabteilung „abschließend entscheiden“.

Bochum.   Das einzige Elektrogerät ist der Backofen - ein Radio gibt es in der Bäckerei nicht. Dennoch soll Bäckereiverkäuferin Andrea Büttner knapp 300 Euro GEZ-Gebühren bezahlen. Dabei gehört ihr der Laden nicht einmal. Ein psychisch kranker Kunde hatte ein GEZ-Anmeldeformular auf ihren Namen ausgestellt.

„Absurd“ nennt Andrea Büttner den Zwist mit der Gebühreneinzugszentrale. Bizarr ist schon der Anfang. Im Frühjahr 2009 füllt ein psychisch kranker Kunde der Hammer Bäckerei bei der Sparkasse ein GEZ-Anmeldeformular für Gewerbetreibende aus: mit dem Namen und der gefälschten Unterschrift von Andrea Büttner, mit der Adresse der Bäckerei-Filiale an der Dorstener Straße. Warum? „Er wollte einen Spaß machen.“ Übel nehmen könne man es ihm nicht: „Er ist verwirrt und glaubt, mit Marianne Rosenberg verheiratet zu sein“, schildert Andrea Büttner.

Aus Spaß wird Ernst. Bald steht der Postbote erst mit einer Rechnung, später mit einer Mahnung der GEZ vor der Verkaufstheke. Rückwirkend ab Januar 2009 soll die Verkäuferin 121,23 Euro zahlen: 34,56 Euro pro Quartal für ein Radio in der Bäckerei und im Auto, 15 Euro Mahngebühren und 2,55 Euro Auslagen. Zusatz: „Die Geräte werden gewerblich genutzt.“

GEZ-Gebühren
Bochumer Buchhändler liegt im Clinch mit der GEZ

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Andrea Büttner telefoniert mit der GEZ , schreibt nach Köln. Nein, in der Bäckerei stehe kein Radio. Nein, sie habe keinen Firmenwagen. Und überhaupt: Ihr gehört der Laden nicht!

Monatelang hört sie nichts – bis im August ein Vollziehungsbeamter der Stadt in der Bäckerei steht, um die 121,23 Euro für die GEZ einzutreiben. „Herr Sommer war sehr nett. Als er die Geschichte hörte, hat er sich kaputtgelacht und noch im Laden bei der GEZ angerufen. Und was hört er dort? Er solle eine Kassenpfändung vornehmen. Als wenn das mein Geld wäre!“, staunt Andrea Büttner.

Nochmals dokumentiert sie den gesamten Verlauf schriftlich. Diesmal fügt sie eine Eidesstattliche Versicherung bei, „dass in der Betriebsstätte keine Rundfunkgeräte vorhanden sind. Ich hoffe, dass der Vorgang hiermit erledigt ist.“

Nachforderung beläuft sich aktuell auf 279,47 Euro

Von wegen. Andrea Büttner kann nicht fassen, was sie in dem Antwortschreiben liest. Ihre Kündigung (?) sei „angenommen“. Man bitte aber um eine Nachzahlung von 279,47 Euro. Die Vermehrung wird exakt aufgeschlüsselt: Über die 121,23 Euro hinaus stellt die GEZ nun vier weitere Radio-Quartale bis September 2010 und 35 Euro Mahngebühren in Rechnung.

Wieder denkt die Verkäuferin nicht daran, auf „diesen Irrsinn“ einzugehen. Wieder steht der nette Herr Sommer auf der Matte. Wieder gibt’s regen Schriftwechsel mit der GEZ. Ein Jahr hört Andrea Büttner nichts – bis vor zwei Wochen. „Sie haben die Forderung von 279,47 Euro nicht beglichen“, wird eine Zwangsvollstreckung angedroht. Andrea Büttner ist ratlos. „Wenn ich zum Anwalt marschiere, kann ich das Geld gleich an die GEZ überweisen.“ Dieser Tage hat sie erneut mit den Gebühreneinziehern telefoniert. Resultat: „Die wollen nochmal alles schriftlich...“

GEZ will gütliche Einigung

Die GEZ erkennt im Fall Andrea Büttner keinen Fehler. Entsprechend der Anmeldung 2009 seien die Gebühren korrekt berechnet worden, ohne dass die Angestellte formal Widerspruch eingelegt habe. Daher die regelmäßigen Rechnungen. Dass das Anmeldeformular offenbar manipuliert war (die Bochumerin hat Anzeige wegen Urkundenfälschung erstattet), sei erst 2011 bekannt geworden.

Die GEZ sei „an einer gütlichen Einigung interessiert“. Andrea Büttner soll eine verbindliche Erklärung zu den Vorgängen abgeben. Danach werde die Rechtsabteilung „abschließend entscheiden“.

Jürgen Stahl



Kommentare
04.09.2012
09:11
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von parsick32 | #50

kann niemand diesen leuten der gez einhalt gebieten? es ist, gelinde gesagt, eine bodenlose unverschämtheit der gez nach der WAZ-recherche mutzuteilen "wir sind an einer gütlichen einigung interessiert". eine entschuldigung und eine entschädigung für die ganze belästigung (mahnungen, beauftragung von vollzugsbeamten usw) wäre die einzig richtige reaktion. was sind das für mitarbeiter die trotz telefonaten und schriftverkehr so verfahren. es wäre gut wenn in solchen fällen ross und reiter mit namen genannt würden

01.09.2012
12:11
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von boehmann | #49

Ich vertrage diesen Elektrosmog von Radio und Fernsehn nicht und habe mich davon ärztlich befreien klassen. Folglich vertrage ich auch das Wort GEZ nicht und bekomme Allergie davon.

31.08.2012
14:45
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von neindankeichsehmichnurum | #48

@ dirk7603 #46

1. Es hat den Anschein, als wäre es für eine rechtliche Auseinandersetzung zu spät.
2. Ein Rechtsanwalt darf nicht kostenlos arbeiten.
3. Wer ein geringes Einkommen hat, der zahlt lediglich 10,00 €. Das nennt man Beratungshilfe.

Sehen Sie mal bei #10-3 nach.



31.08.2012
12:54
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von harrass | #47

Ich denke der "psychisch Kranke" ist mitarbeiter der GEZ...

31.08.2012
11:43
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von dirk7603 | #46

Es wird sich doch wohl ein Anwalt finden, der diesen Fall kostenfrei übernimmt. Dieser "Behörde" muss endlich mal das Handwerk gelegt werden.

31.08.2012
08:27
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von pitchi | #45

@sarahOB
Genau so ist es. Unsere Vermieterin hat auch die Unterschrift meiner Ehefrau gefälscht, ein Paket angenommen und dies auf offener Strasse zum bedienen stehen lassen. Lustigerweise hat die Vermieterin noch nichmals mitbekommen, das wir geheiratet hatten und meine Frau zu diesem Zeitpunkt bereits meinen Namen angenommen hatte. Anzeige wegen Urkundenfälschung. Ergebnis: Einstellung da kein öffentliches Interesse.

1 Antwort
@pitchi
von SarahOB | #45-1

Ich habe mir sogar von den Versandhäusern die Bestellkarten in Kopie kommen lassen wegen der Unterschrift. Mein Anwalt sagte aber, dass das kein Beweis ist und wenn das vor Gericht geht, da wohl ein Schriftengutachten erstellt werden müsste. Auf MEINE Kosten natürlich!
Manchmal habe ich das Gefühl, dass jeder Depp machen kann was er will und die, die den Schaden haben müssen dafür blechen.

31.08.2012
08:09
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von SarahOB | #44

@moersmaus: Das stellst du dir ein bisschen zu einfach vor mit dem Verklagen.
Ich habe jemanden in der Familie der meinte, meine Unterschrift auf irgendwelchen Bestellkarten drunter zu setzen. Zum Glück konnte ich das meiste stoppen oder zurückschicken. War deswegen bei der Polizei und beim Anwalt. Die Anzeige läuft heute noch (ist schon Wochen her) und ich weiß auch, was demnächst im Briefkasten ist: Ein Brief der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wurde. Oder weil kein öffentliches Interesse besteht.
Ich hatte dadurch nur Ärger, Rennereien und finanzielle Verluste.

Das Leben ist eben nicht so wie bei RTL oder SAT1 in ihren "Dokus" :-)

31.08.2012
07:58
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von moersmaus | #43

Wo ist das Problem - GEZ zahlen und dann den Vollpfosten, der die Anmeldung vorgenommen hat nach Strich und Faden verklagen ... mit Schadensersatzforderung!

30.08.2012
20:08
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von DerRheinberger | #42

Kam ein "Schnüffler" der GEZ und klingelte an meiner Haustür.

Hier wären zwei Wohnungen, es würde aber nur einmal bezahlt. Ich sagte, dass ich beide Wohnungen selbst bewohnen würde. Er wollte dann an der zweiten Wohnungstür nochmal klingeln, und ich sagte ihm, er könne sich das sparen, da würde kein anderer wohnen. Also schritt ich mit ihm zur anderen Tür, dann standen wir wieder an gleicher Stelle. Ich innen und er aussen. Es klingelte abermals, als ich Tür öffnete, bekam ich einen Gesichtsausdruck zu sehen, bescheuert wäre noch untertrieben. Seitdem bekomme ich nur noch alle 3 Monate Post von der GEZ!

30.08.2012
19:11
Verbraucherberatung
von pixi25 | #41

An die Verkäuferin:
Bei der Verbraucherberatung/Verbraucherzentrale gibt es normalerweise auch Rechtsanwälte, die gegen eine geringe Gebühr (geringer als ein "normaler" Rechtsanwalt) bei bestimmten Problemen sich mit der entsprechenden Firma oder Institution auseinandersetzen.
Ob in diesem Fall (GEZ) auch, weiß ich nicht, aber das lässt sich ja erfragen.

Oft ist es nämlich so, dass z.B. Firmen auf "stur" schalten wenn jemand ohne rechtlichen Beistand sich mit ihnen "herumschlägt". Aber sobald ein Rechtsanwalt eingeschaltet ist (auch der von der Verbraucherzentrale) lassen sich die Ding dann manchmal plötzlich ganz schnell klären.

1 Antwort
Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an
von neindankeichsehmichnurum | #41-1

Wer ein geringes Einkommen hat, zahlt auch beim "normalen" Anwalt lediglich 10,00 EUR und die kann der Anwalt in Härtefällen sogar erlassen. Das nennt man Beratungshilfe.







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