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Schauspielhaus

Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit

08.10.2011 | 00:00 Uhr
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
Nachdenkliche Mienen: Intendant Anselm Weber (li.) und Kulturdezernent Michael Townsend.

Bochum. Das strukturelle Minus von 750.000 Euro pro Jahr macht dem Schauspielhaus weiterhin erheblich zu schaffen. Das mit ständig steigenden Energie- und Personalkosten konfrontierte Haus hat fast alle Rücklagen aufgebraucht, so dass sich nun „ein Graben, kein Loch mehr“, wie Intendant Anselm Weber sagte, im Theateretat auftun.

Nun hat sich auch das Rechnungsprüfungsamt der Stadt des Themas angenommen, einmal mehr, wie es scheint. Das Amt erhob, offenbar zum wiederholten Mal, Vorwürfe gegen die Kulturverwaltung - man habe mit der Tolerierung des ständig steigenden Theaterdefizits die wirtschaftlichen Belangen der Stadt vernachlässigt.

Wie jetzt bekannt wurde, hat das städtische Rechnungsprüfungsamt bereits vor über zwei Jahren von der Kulturveraltung gefordert, die Bewertungen der Wirtschaftspläne und Jahresabschlüsse des Schauspielhauses auch mit Blick auf den städtischen Haushalt vorzunehmen - um so Risiken in der Finanzierung des Theaterbetriebs zu erkennen. Genau die haben sich inzwischen zu einem veritablen Problem ausgewachsen. In erster Linie wegen ständig gestiegener Energie- und Personalkosten ächzt das Schauspielhaus unter einem strukturellen Defizit von einer Dreiviertelmillion Euro im Jahr.

Damit ist der Spielbetrieb zwar (noch) nicht gefährdet, aber zumindest bedroht. Wie Intendant Weber mehrfach betont hat, fallen pro Jahr allein Betriebskosten von 1,4 Millionen Euro an, „ohne dass jemand überhaupt das Gebäude betreten hätte“. Bliebe alles wie es ist, müsste theoretisch 2017 der Jahreszuschuss von rund 20 Mio komplett für den technischen/personellen Erhalt des Hauses aufgewendet werden. Da Rechnungsprüfungsamt fordert dazu eine stärkere Einbindung der politischen Gremien. Sie müssten nicht nur über die Zuschüsse, sondern auch über die Ausrichtung und Ziele des Theaters entscheiden.

In der Kritik steht damit Kulturdezernent Michael Townsend (SPD) als Vorsitzender des Schauspielhausverwaltungsrats. Das Gremium habe das „Anknabbern“ der Rücklagen selbst angeregt, und das, wie Townsend auf WAZ-Anfrage sagte, mit Recht: „Ehe sich die Stadt neu verschuldet, was wegen der prekären Haushaltssituation nicht geht, schien es geboten, zunächst die eigenen Rücklagen aufzubrauchen.“ Im Übrigen sei die Politik stets über alle Entwicklungen informiert gewesen, schließlich säßen mit ihm im Theaterverwaltungsrat Vertreter aller Ratsparteien.

Es führe nun allerdings kein Weg daran vorbei, zu sparen. So wird das Schauspielhaus den Melanchthonsaal als Spielstätte aufgeben, auch wurde der Werbeetat gekürzt. Bis zum Jahresende soll ein externer Gutachter die Finanzlage prüfen und Sparvorschläge machen. Offenbar ist auch eine Auflösung der erst 2006 geänderten Schauspielhaus-Rechtsform vom städtischen Eigenbetrieb zur Anstalt öffentlichen Rechts kein Tabu mehr. Als Soforthilfe hat die Stadt dazu Theaterverbindlichkeiten aus den Vorjahren von rund 900.000 Euro übernommen. Dies sei, so Townsend, kein „frisches Geld“, sondern lediglich ein Bilanzposten, der zwischen Tochter (Theater) und Mutter (Stadt) umgebucht worden sei.

Jürgen Boebers-SüßmannFortsetzung von Seite 1

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Kommentare
11.10.2011
09:59
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von sekooriginal | #16

Soweit ich weiß, ist mindestens die UWG-Rats-
fraktion nicht im Verwaltungsrat des Schauspiel-
hauses vertreten. Schade.
Was die von Herrn Townsend - am Rat vorbei -
beschriebene Umbuchung von 900 Tsd.€
Verbindlichkeiten angeht zulasten der Kernver-
waltung angeht, kann ich von steude nur zu-
stimmen.

09.10.2011
16:05
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von fogfog | #15

mir wird ANGST und bange davor was er noch alles versucht und nicht kann!!

09.10.2011
13:22
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von Stolperstein | #14

So ist das halt, wenn ein gelernter Sozialarbeiter Kulturdezernent wird.
Der hat von Wirtschaft keine Ahnung!
Kann aber ANGSTkampagnen anzetteln!

09.10.2011
11:45
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von steude | #13

Als Soforthilfe hat die Stadt dazu Theaterverbindlichkeiten aus den Vorjahren von rund 900.000 Euro übernommen. Dies sei, so Townsend, kein „frisches Geld“, sondern lediglich ein Bilanzposten, der zwischen Tochter (Theater) und Mutter (Stadt) umgebucht worden sei.

So hört sich das an, wenn einer die Bürger für doof verkauft, wenn die dabei stehen.

Wer zahlt denn jetzt die Zinsen? Wer zahlt das Darlehen zurück?

Eigentlich sollte das das Schauspielhaus als Eigenbetrieb machen, dafür erhält es ja von der Stadt ohnehin bereits jedes Jahr 16 Mio. Zuschuss! Aufgrund des Townsend-Tricks trägt jetzt die Stadt auch noch diese Kosten und zahlt de facto 900.000 EUR Zuschuss mehr!

Kann ich auch meine Kredite an die Stadt umbuchen lassen, damit diese Zinsen und Tilgung zahlt? Ist doch lediglich ein Bilanzposten, der aus meiner Bilanz in die städtische umgebucht wird...

09.10.2011
11:38
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von Hannibal_68 | #12

Wir haben das größte Bergbaumuseum der Welt in unserer Stadt!
Wir haben eines der erfolgreichste Musicals in unserer Stadt!
Wir haben ein Planetarium in unserer Stadt!

Was wollen wir noch mehr?

09.10.2011
11:09
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von joschbo | #11

Wann kapieren die im Rathaus endlich dass wir für Kultur in Bochum kein Geld mehr haben. Endweder eine solche Spielstätte finanziert sich selber oder sie gehört geschlossen. Basta!

08.10.2011
23:47
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von fogfog | #10

passt lieber besser auf und haltet still sonst kritisiert der konzertbudenbauer eure angstkampagne. das kann er am besten!!
gute arbeit sieht anders aus

08.10.2011
19:44
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von steude | #9

Herr Townsend verwechselt wirtschaften mit wurschteln und ist grandios gescheitert. Jeder Mensch mit Verantwortung tritt, in dieser Situation zurück, ehe er zurück getreten wird. Aber von Seiten seiner Genossen hat er da ja wohl nichts zu befürchten.

Aber es dauert nur noch ein paar Jahre, dann ist das Defizit so groß, dann macht Arnsberg endgültig den Deckel drauf. Dann kann sich jeder bei Townsend bedanken, dass er es versäumt hat rechtzeitig zu handeln.

Dann aber will aber wieder keiner gewusst haben, was heute schon absehbar ist. Wetten dass???

08.10.2011
16:08
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von Marlenchen | #8

Dann macht den Laden zu. Unternehmen die wirtschaftlich keine Gewinne machen müssen geschlossen werden. Ein Cinemax muss auch Konkurs anmelden wenn es pleite geht.

08.10.2011
15:46
Prüfungsamt kritisiert Theater-Defizit
von Staufenberg | #7

Eben eine Blondine. Ein Witz!

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