Protest: Leichensäcke auf dem Dr.-Ruer-Platz

30 Leichensäcke pflastern die Mitte des Dr.-Ruer-Platzes.
30 Leichensäcke pflastern die Mitte des Dr.-Ruer-Platzes.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Gemeinsam für Afrika“ initiiert die bundesweite Protestaktion „Jedes Leben zählt“. In der Innenstadt inszeniert das Bündnis den Tod von Flüchtlingen.

Bochum.. Ein Gang über den Dr.-Ruer-Platz zur gestrigen Mittagszeit mag dem einen oder anderen Passanten übel aufgestoßen sein. Der erste Blick sagte: Da hat die Müllabfuhr ihren Dienst nicht verrichtet.

Die Mitte des Platzes war mit Dutzenden schwarzen Plastiksäcken gepflastert. Der zweite Blick zeigte jedoch, dass der erste Blick oft trügt. Dass, was dort lag, waren keine Säcke für Müll, sondern für Menschen. Flankiert von Informationstafeln, auf der Überlebende von ihrer Flucht und den Gründen, warum sie ihre Heimat verlassen mussten, berichten. Schwer verdaulich, doch umso stärker ins Gedächtnis einbrennend.

Mit der inszenierten Protestaktion „Jedes Leben zählt“ wollen das Bündnis „Gemeinsam für Afrika“, „Aktion Canchanabury“ und die „Duisburger Kindernothilfe“ die Tragödien der Flüchtlinge, die sich tagtäglich im Mittelmeer abspielen, zurück ins kollektive Gedächtnis rufen.

23.700 Tote im Mittelmeer

Es soll bewusst werden, dass dort kein Müll im Meer untergeht, sondern Menschen. Menschen, die auf eine Zukunft in Europa hoffen und dafür ihre Heimat opfern – oft genug auch das eigene Leben.

Angeprangert wird mit dem „Feld der Leichensäcke“ auch das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik, verbunden mit dem Appell, die Ursachen von Flucht ernsthaft zu bekämpfen. 23.700 Menschen starben seit dem Jahr 2000 bei ihrer Flucht über das Mittelmeer. „Angesichts des tausendfachen Todes wollen wir aufrütteln, den Flüchtlingen ein Gesicht geben und Fluchtgründe verständlich machen“, sagt Susanne Anger, Sprecherin des Bündnisses.

Nachrichten über die Flüchtlingskatastrophen der vergangenen Wochen werden in Dauerschleife von einem Audioplayer – der neben der mit weiß-rotem Flatterband abgesperrten „Todeszone“ positioniert ist – abgespielt und bezeugen ihre Worte. Diese Nachrichten mögen zwar mit jedem Schritt weg vom Gerät irgendwann verstummen, eins bleibt die Botschaft jedoch ganz bestimmt nicht: ungehört.