Pro Tag verteilt eine Politesse in Bochum rund 65 Knöllchen

Die Politessen Heidi Augustin (li.) und Tanja Levetzow bei ihrer täglichen Routine: Knöllchen verteilen.
Die Politessen Heidi Augustin (li.) und Tanja Levetzow bei ihrer täglichen Routine: Knöllchen verteilen.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Insgesamt 17 Mitarbeiterinnen sind unterwegs, davon zwölf in der Innenstadt. 110 000 Strafzettel in 2014. Einnahmen von zwei Millionen Euro.

Bochum.. Knöllchen für abgelaufene Parkscheine sind vor allem in der Innenstadt an der Tagesordnung. 12 der 17 städtischen Politessen sind im erweiterten Gleisdreieck zwischen Bergbaumuseum, Ehrenfeld, Wittener und Bessemerstraße unterwegs. „Im Schnitt schreiben wir 50 bis 70, manchmal auch 80 Strafzettel pro Tag“, sagt Heidi Augustin, die seit 13 Jahren ihre Runden durch die Straßen dreht. Dazu gehören auch Verwarnungen oder das Abschleppenlassen von Falschparkern. 110.000 Knöllchen kamen so im vergangenen Jahr in der gesamten Stadt zusammen. Oft zum Ärger der Verwarnten.

„Kann es sein, dass die netten Damen neben dem Auto stehen und darauf warten, dass der Parkschein abläuft?“ macht sich etwa ein junger Bochumer auf Facebook Luft, der nach fünf Minuten Zeitüberschreitung ein Knöllchen erhalten hat. „Mir ist bewusst, dass er abgelaufen ist, aber ist das nicht doch ein wenig übertrieben?“

"Beschimpfungen sind an der Tagesordnung"

„Wir verstecken uns sicher nicht hinter Parkscheinautomaten und warten darauf, dass Parkscheine ablaufen — auch wenn das viele denken“, versichert Augustin. Im Gegenteil: „Wir warten schon oft auch ein paar Minuten“, sagt ihre Kollegin Tanja Levetzow. „Wenn wir einen Strafzettel verteilen und der Halter kommt hinzu, versuchen wir auch, den Sachverhalt zu erklären.“

Dennoch komme es häufig zu Beleidigungen. „Beschimpfungen sind an der Tagesordnung“, so Augustin. „Aber in diesem Beruf ist man ja hartgesotten.“ Zusätzlich werden die Politessen in Deeskalationstrainings geschult. „Ich habe auf der Straße aber mehr erfreuliche Begegnungen als unangenehme“, sagt Levetzow. „Oft kommen auch sehr nette Gespräche zustande.“ So werden die städtischen Mitarbeiterinnen auch gerne mal nach dem Weg gefragt - oder auch nach den Öffnungszeiten von Ämtern.

Zusätzliche gebührenpflichtige Parkplätze

Rund zwei Millionen Euro nahm die Stadt 2014 durch Knöllchen ein. „Aber im Endeffekt zahlen wir bei jedem Strafzettel drauf“, so Andreas Gesche vom Straßenverkehrsamt. Denn durch Personalkosten und Ausgaben für Sachmittel belaufe sich der Gewinn auf Null.

Über Parkgebühren erwirtschaftete die Stadt im vergangenen Jahr rund 500.000 Euro. Im Zuge der Umsetzung des Haushaltssanierungskonzepts müssen Autofahrer ab 1. Juni 1,40 Euro statt wie bisher 1 Euro pro Stunde für das Parken in der Innenstadt zahlen.

Doch nicht nur für die Gebührenhöhe hat die Verwaltung Vorschläge ausgearbeitet. Sie erwägt auch, im erweiterten Innenstadtbereich zusätzliche gebührenpflichtige Parkplätze auszuweisen. In Frage käme dafür etwa der Nordring. Bislang gibt es rund 700 solcher Parkplätze auf Straßen und Plätzen, 5000 in Parkhäusern.