Prinz Regent Theater zeigt Kafkas „Verwandlung“ als Krimi

„Die Verwandlung“: Szenenfoto mit Helge Salnikau.
„Die Verwandlung“: Szenenfoto mit Helge Salnikau.
Foto: Sandra Schuck
Was wir bereits wissen
Im Bochumer Prinz Regent Theater bringt Romy Schmidt den Klassiker von Franz Kafkaals eine Mischung aus „Akte X“ und düsterem Krimi auf die Bühne.

Bochum..  „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt...“ – so der berühmte erste Satz aus Franz Kafkas berühmter Erzählung „Die Verwandlung“. Nun kommt eine Theaterfassung dieser zu den ungeheuerlichsten der Literaturgeschichte zählenden Geschichte im Prinz Regent Theater auf die Bühne.

Kühle Kommissarin ermittelt

Romy Schmidt, Regisseurin und ab Sommer neue Direktorin des Prinz Regent Theaters, wagt sich mit ihrer Inszenierung an einen großen Stoff. „Über ,Die Verwandlung’ gibt es Unmengen von Sekundärliteratur“, erzählt sie, „die Geschichte ist von allen Seiten beleuchtet und ausgedeutet worden.“ Unentwegt habe die Literaturgeschichte seit der Veröffentlichung der „Verwandlung“ vor 100 Jahren soziologische, religiöse oder allegorische Interpretationen geliefert, um eine höhere Wahrheit zu enthüllen. Also stand Schmidt vor der Herausforderung, wie und was sie „neu“ erzählen könnte. Ihre Lösung: „Wir zeigen den Kafka-Klassiker als Krimi!“

Tatsächlich scheint der Stoff gerade durch seine Rätselhaftigkeit kriminologisch. Wenn man von folgenden Fakten ausgeht: In der Wohnung der Familie Samsa scheint ein unglaubliches Verbrechen geschehen zu sein. Die Bedienerin der Familie wurde verhaftet, als sie dabei ertappt wurde, wie sie einen monströsen Käferkadaver entsorgte. Laut ihrer Aussage handelte es sich dabei um den Sohn des Hauses, Gregor Samsa. Die DNA-Analyse bestätigt ihre wahnwitzige Behauptung. Die kühle Kommissarin Daner und ihr dienstbeflissener Kriminalassistent Mölder versuchen die Ereignisse zu rekonstruieren und Licht in diesen mysteriösen Vorfall zu bringen...

Romy Schmidt und Dramaturg Frank Weiß haben „Die Verwandlung“ so umgeschrieben, dass sie zeitgemäß als eine Mischung aus „Akte X“ und daherkommt. „Wir nehmen die Geschichte der Interpretationen der ,Verwandlung’ in den Blick und lassen den Zuschauer seine Wahrheit selbst kombinieren“, verspricht Romy Schmidt. Das eintönig-geometrische Bühnenbild von Sandra Schuck betont den irritierenden – kafkaesken – Charakter der Aufführung noch.

„Die Verwandlung“ ist eine 1912 entstandene Erzählung von Franz Kafka, die in seinem Gesamtwerk eine herausragende Stellung einnimmt. Sie ist die wohl bekannteste und auch wohl am meisten zitierte Erzählung Kafkas (1883-1924).

„Die Verwandlung“ ist prüfungsrelevanter Lehrstoff im Landesabitur Deutsch 2015/16.