Praxisplatz für Frickler
11.05.2009 | 20:02 Uhr 2009-05-11T20:02:00+0200Sponsoren richteten der Claudius-Gesamtschule eine „Opel-Werkstatt” ein, wo der Technik-Nachwuchs schrauben kann.
Die Halle steht bereit. Sie ist eingerichtet - sogar mit Hebebühne. An vernünftigem Werkzeug mangelt es nicht. Schon gar nicht an talentierten „Schraubern”. Eigentlich ist es nur der weibliche Nachwuchs, der eine Lücke lässt. Was Physik- und Technik-Lehrer Stefan Wentzel irgendwie gut verstehen kann: „Autos sind nicht unbedingt ein Thema für Mädchen.” Naja, zur Zeit jedenfalls nicht.
Für die „MCS-Juniorakademie” ist die neu eingeweihte „Opel-Werkstatt” allerdings so etwas wie ein Lotteriegewinn. Das außerschulische Kursangebot - inzwischen wahrgenommen von etwa 100 Schülern - verfügt nun über einen neuen festen Ort, an dem sich Praktisches erleben und erlernen lässt und der bei gutem Verlauf eine Brücke in die Berufswelt baut. Denn auch auf eine integrierte Gesamtschule wie die „Matthias Claudius” meldet man sich nicht zwingend an, um auf alle Fälle das Abi zu bauen.
„Wenn man 'was Schickes machen will, muss man schon mehrere Leute zusammenbringen”, ist Wentzels Devise. Und so trafen sich der Autobauer Opel, die RAG Bildung Opel GmbH und die Stiftung Mercator, um die jetzt eingeweihte „Opel-Halle” zu ermöglichen. Die Schüler können hier unter realen Praxisbedingungen technisches Können und professionelles Arbeiten lernen. Opel wiederum bekommt besten Kontakt zu interessierten „Auszubildenden von morgen”.
Ihre Visitenkarte haben die Claudius-Junioren in der Vergangenheit bereits gut bestückt: „Die Jungs nehmen Rasenmäher-Motoren auseinander und setzen sie zusammen, dasselbe mit den Aggregaten von Modellautos - das sind alles Schrauber, Bastler, Frickler”, lobt Stefan Wentzel. Nebenbei bauen sie Seifenkisten und haben beim Formel-Eins-Technikwettbewerb soeben den Landessieger gestellt.
Im Gegensatz zum Eröffnungstag, als ein Astra als Anschauungsobjekt parat stand, soll demnächst an einem geeigneten Gebrauchtwagen herumgeschraubt werden. Den - natürlich möglichst ein Opel - suchen die Jung-Techniker derzeit noch. Aber angesichts der vielen gegen Prämie abgewrackten Altautos sei es aktuell sehr schwierig, an ein vernünftiges Auto zum fairen Preis zu kommen, klagt der Projektleiter.
An einer andere Auto-Story schreibt gerade die schuleigene „Junior Car-Company”: Die will, finanziert von elterlichen Aktionären, einen kaputten Sportwagen erwerben, ihn reparieren, aufmöbeln und mit Gewinn wieder verkaufen. Kling, als sei da schon die nächste Stufe im Visier: die der „Geschäftsleute von morgen”.

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