Das aktuelle Wetter Bochum 13°C
Straßenverkehr

Polizei beklagt „Volkssport“ Unfallflucht

21.05.2012 | 06:00 Uhr
Polizei beklagt „Volkssport“ Unfallflucht

Bochum.   In den vergangenen Jahren sind immer Autofahrer nach einem Unfall mit Sachschaden abgehauen, ohne sich zu kümmern. In Bochum betrifft dies jeden fünften Verkehrunfall.

Die Polizei spricht von einem „Volkssport“. In den vergangenen fünf Jahren ist die Anzahl der örtlichen Unfallfluchten kontinuierlich angestiegen. In der Stadt Bochum macht sich jeder fünfte Verursacher eines Unfalls mit Sachschaden aus dem Staub, ohne sich zu kümmern. „Meiner Meinung nach ist das viel“, meint der 1. Polizeihauptkommissar Mario Honsdorf auf Anfrage der WAZ.

Honsdorf ist der ranghöchste Verkehrspolizist im Bochumer Polizeibezirk, zu dem auch Witten und Herne gehören. 13.149 Mal hat es im Vorjahr allein auf Bochumer Straßen gekracht. 2687 Mal gab der Schuldige sofort Gas. Immerhin: In fast 44 Prozent aller Fälle wurden diese Verkehrssünder später erwischt. Auch das ist eine Steigerung. Da habe die Polizei mehr Personalaufwand investiert, „um dem Volkssport entgegenzuwirken“, sagt Honsdorf. Ermittelt wurden auch Autofahrer, die nach nur kleinen Antickern geflüchtet waren. Die meisten behaupten, sie hätten nichts bemerkt. Aber das glaubt Honsdorf nicht: „Man hört es. Alles andere ist eine Mär. Das Geräusch am Pkw ist so klassisch laut, das nimmt man wahr.“

Wichtigste Hilfe bei der Aufklärung sind Augenzeugen

Vor allem auf großen Parkplätzen wie am Ruhrpark und an der Uni wird häufig angeeckt und abgehauen. Das beste Aufklärungsmittel ist der Augenzeuge. Ebenfalls vielversprechend ist ein Autoteil am Unfallort. Dann klappert die Polizei die Werkstätten ab, um das Automodell samt Baujahr herauszufinden. „Da müssen die Kollegen richtig ackern.“ Nur die Farbe als Täterspur zu haben, sei hingegen zu wenig. „Fast chancenlos“ seien dann die Ermittlungen.

Wird jemand erwischt, bekommt er richtig Ärger. Unfallflucht ist eine Straftat. In jedem Fall wird die Staatsanwaltschaft aktiv. Es drohen eine Geldstrafe und der zeitweise Verlust der Fahrerlaubnis.

Oft wirken die Blechschäden läppisch: ein Beulchen in der Tür, ein paar Kratzer an der Stoßstange. Aber Honsdorf sagt, dass die Reparaturkosten „schnell bei 500 Euro“ lägen. Spiegel zum Beispiel stecken heute voller Technik. Da kann auch die Auswechslung eines Ersatzteils locker 250 Euro kosten.

Hinter den steigenden Fallzahlen vermutet Mario Honsdorf „einen Trend in der Gesamtgesellschaft“ - die Einstellung: „Was interessiert mich der andere?“ Hinzu komme die Angst vor einer Höherstufung der ohnehin teuren Versicherung und vor einem Verwarnungsgeld (35 €). Auch wegen Alkohol und Drogen im Blut, glaubt Honsdorf, würden manche einfach das Weite suchen.

Am besten sofort Telefon 110 anrufen

Wer einen Unfall gebaut hat, auch nur einen kleinen mit einem parkenden Fahrzeug, sollte sofort die Polizei rufen. Eines, sagt Mario Honsdorf, sei „immer richtig: 110!“ Nur einen Zettel hinter der Frontscheibe zu hinterlassen, berge die Gefahr, dass er abhanden komme, bevor der Geschädigte zurückkehre.

Gesunken ist in Bochum die Fallzahl der Unfallfluchten mit Personenschaden: von 51 (im Jahr 2010) auf 43 (2011). Die Aufklärungsquote lag dabei zuletzt bei fast 77 %.

Bernd Kiesewetter



Kommentare
23.05.2012
11:58
Polizei beklagt „Volkssport“ Unfallflucht
von mirap | #5

das probelm ist das es heute "stossstangen" nicht mehr gibt....

dort wo früher die "stossstangen" waren ist heute alles in wagenfarbe lackiert so das jeder noch so kleine rempler gleich ein riesenproblem wird....

und wegen so einem minikratzer wird man dann von der versicherung wieder hochgestuft?

DAS ist der grund das viele sich sagen... pff...das ist doch nichts...und wegen so was soll ich mehr zahlen? selber schuld wenn der hier so blöde parkt....und thüss....

nachvollziehbar.....

solange vericherungen diese bagatellschäden wie millionenschäden behandlen wird dieses verhalten in zeiten wie diesen wo niemand geld zum verschenken hat eher zu,- wie abnehmen...

1 Antwort
Polizei beklagt „Volkssport“ Unfallflucht
von putti | #5-1

Das Problem sind nicht fehlende Stossstangen oder teure Versicherungen sondern asoziales Verhalten der Schadenverursacher

21.05.2012
20:49
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

21.05.2012
15:35
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

21.05.2012
15:32
Strafen sind viel zu gering
von FreieMeinung79 | #2

Nicht nur ich selbst wurde schon ein Opfer mit 5.000 Euro Schaden, sondern auch aus meiner Familie und im Bekanntenkreis traf es welche, einmal sogar Totalschaden. Mitten im Wohngebiet, mit auf großen Plätzen, angeblich keine Zeugen. Nach meiner Meinung interessiert es aber einfach niemanden, immer nach dem Motto: Ist ja nicht mein Auto.

Die Strafe für Fahrerflucht sollte einfach lebenslanges Fahrverbot heißen mit einer Möglichkeit sich nach 2 Jahren zu rehabilitieren. Anders lernen die das nicht. Dazu 10.000 Euro Strafe, unabhängig vom Gehalt.

Die einzigen Gewinner sind die Versicherungen. Dabei kann man für einen kleinen Aufpreis sogar einen Rabattschutz vereinbaren.

21.05.2012
10:35
Polizei beklagt „Volkssport“ Unfallflucht
von boxa57 | #1

Und warum? keiner hat mehr Respekt vor dem Eigentum anderer Menschen! Auch ist der Neidfaktor zu einen enormen Problem geworden. Jeder muss mehr oder weniger für sein Hab und Gut arbeiten, ob der oder die mehr haben oder verdienen.. und ? gönnt es Ihnen doch. Das beschmieren von Hauswänden etc., wenn diese Idioten dann doch erwischt werden gibt es noch nicht einmal eine Bestrafung und Geld besitzen diese Schmierfinken auch nicht aber der Eigentümer bleibt auf den Kosten sitzen!

1 Antwort
Da ist was dran.
von FreieMeinung79 | #1-1

Und die Bestrafung ist de facto viel zu niedrig.

Wenn ich eine Sparkasse ausräume und 5.000 Euro aus der KAsse mitnehme (oft ist es nicht mehr) kann man gut und gerne 7-10 Jahre im Knast landen.

Wenn ich aber ein Auto in der Höhe beschädige, dann gibts eine lächerliche Strafe.

Aus dem Ressort
Fußgänger in Bochum von Auto erfasst - Krankenhaus
Unfall
Ein 49-jähriger Fußgänger ist im Bochumer Stadtteil Weitmar von einem Auto erfasst und zu Boden geschleudert worden. Der Mann wurde dabei schwer verletzt und kam mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus. Der 49-Jährige war vor dem Unfall an wartenden Autos vorbei gelaufen.
Bochumer Künstler Zarko Radic zu Gast in Berlin
Kunst
Kofferpacken ist für den Maler Zarko Radic angesagt. Aber es gehen nicht nur Jackett, Hosen & Schuhe auf die Reise, sondern – das vor allem – seine Bilder. Denn am Samstag 4. Oktober steht bereits die Ausstellungseröffnung an: in der Berliner „Galerie Kunst am Gendarmenmarkt“.
Bochumer Motorradfahrer bei Unfall auf A 40 schwer verletzt
Stauende
Ein 64-jähriger Bochumer hat auf seinem Motorrad auf der A 40 in Höhe Dortmund ein Stauende zu spät gesehen. Beim Bremsversuch stürzte er, rutschte rund 100 Meter über die Fahrbahn, prallte in einen BMW und wurde über die Böschung geschleudert. Das Kennzeichen an seiner Maschine war gefälscht.
Aufklärungsquote bei Taschendiebstahl verschwindend gering
Aktionswoche
Die Fallzahlen für Taschendiebstähle liegen in Bochum wie im Land NRW auf einem hohen Niveau. Etwa 1000 Taten gibt es jährlich in der Stadt. Umso geringer ist seit Jahren die Aufklärungsquote. Die Polizei reagiert mit einer Aktionswoche: „Augen auf und Tasche zu! Langfinger sind immer unterwegs.“
Richter dreht in Bochum „Grabowski - alles für die Familie“
Crowdfunding
Bochum wird Haupt-Drehort für „Grabowski - alles für die Familie“, das neue Leinwand-Projekt von Ruhrpott-Ikone Ralf Richter. Der Film steht in der Tradition des Kult-Klassikers „Bang Boom Bang“. Richter verspricht den Fans einen „Knaller“. Finanziert werden soll das Projekt auch über Crowdfunding.
Umfrage
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) begrüßt grundsätzlich den Radschnellweg, der ab 2020 von Essen aus durch Bochum nach Dortmund führen soll, kritisiert aber die Streckenführung. Was halten Sie davon?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) begrüßt grundsätzlich den Radschnellweg, der ab 2020 von Essen aus durch Bochum nach Dortmund führen soll, kritisiert aber die Streckenführung. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos