Politik will Hammes Abwärtsspirale aufhalten

Stadtteil-Tristesse: Der Amtsplatz im Hamme bedarf dringend einer optischen Aufwertung.
Stadtteil-Tristesse: Der Amtsplatz im Hamme bedarf dringend einer optischen Aufwertung.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bezirksvertretung Mitte drängt auf neue Priorisierung bei der Stadtebauförderung. Bürger haben enorme Vorarbeit in ihrem Stadtteil geleistet.

Bochum.. In Hamme ist das Engagement der Bürger, aber auch von Vereinen und Organisationen für ihren Stadtteil besonders groß. Besonders rührig sind etwa die Stadtteilpartner von HaRiHo (Hamme, Riemke, Hofstede) oder die Hammer Runde. Ohne deren Ideen und Angebote wäre der Stadtteil strukturell um einiges ärmer.

Die Politik drängt darauf, für Hamme eine Städtebauförderung durchzusetzen. Doch Vorrang haben Wattenscheid, Langendreer und Werne, so dass Hamme vor 2017 keine Chance hat. Die Bezirksvertretung Mitte will das nicht so hinnehmen und drängt auf eine neue Priorisierung künftiger Fördergebiete. Martin Oldengott, SPD-Fraktionschef in dem Gremium: „Die Ausgangslage in Hamme ist schlimmer als in Langendreer. Es besteht akuter Handlungsbedarf.“

Resolution der Amtskirchen

Die Koalition hat beantragt, Hamme in eine besondere Förderung zu bringen, auf der Grundlage der schlechten Sozialdaten. Tatsächlich findet sich Hamme laut einer aktuellen Erhebung der Stadt für alle Stadtteile am unteren Ende wieder, gemeinsam mit dem Gleisdreieck und Querenburg. Der Anteil der Menschen mit Hartz IV liegt über dem Bochum-Durchschnitt, es leben dort mehr Migranten. Indes ist der Anteil der Senioren (über 60 Jahre) geringer als im Rest der Stadt.

Von einer sozialen und städtebaulichen Problemlage Hammes spricht auch Burkhard Huhn vom Stadtplanungsamt. Eine sogenannte laufende Stadtbeobachtung soll die Grundlage bilden für Stadtentwicklungsmaßnahmen, gleichsam als Berechtigung der nächsten Städtebauförderung für Bochum; Zuschüsse müssten beantragt werden. Dabei sollen Daten aus allen Stellen der Verwaltung gebündelt werden, die später in Erkenntnisse einfließen – nützlich für Bebauungspläne, aber auch für Konzepte von Masterplänen. „In jedem Fall aber sollte Hamme der nächste Stadtteil sein, der in den Fördergenuss kommt.“

Neue Priorisierung benötigt

Als Basis, so regt die Politik an, könnten auch die Daten dienen, die die Studierenden der TU Dortmund erhoben haben,die sich zwei Jahre lang mit dem Stadtteil befasst haben. Martin Oldengott: „Die Bürger haben Vorarbeit geleistet, und die Hammer sind dankbar für jedes Angebot, das ihnen gemacht wird; dies könnte in das Konzept münden.“

Er erinnert an die Resolution der vier Hammer Amtskirchen (Herz Jesu Kirche, Gethsemane-Kirchengemeinde, Epiphanias- und Kreuz-Kirche). Es geht um die Erarbeitung und Einbringung eines „Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes für das Quartier Hamme“: Nur so könne es gelingen, dass der Stadtteil Hamme, der auf der untersten Stufe der Sozialleiter in Bochum stehe, in der Abwärtsspirale aufgefangen werde. „Wenn wir in Hamme vier Jahre warten mit der Stadtteilerneuerung, setzt ein Erosionsprozess ein, den wir nicht mehr aufhalten können. Bis dahin werden die Sozialkosten steigen, der Ortsteil rutscht weiter ab.“

Die künftigen Fördergebiete müssten neu priorisiert werden. Der Bezirk hat aus der Beschlussvorlage bewusst die Jahreszahl 2017 herausgenommen.

Neuer Standort für Nahversorger gesucht

Die SPD in Hamme befasste sich schon mehrfach mit den Missständen im Stadtteil. Ihr Fazit: Zentrales Thema in Hamme und in der Bürgerschaft ist die fehlende Nahversorgung im Kernbereich von Hamme.

„Dauernd und von verschiedensten Seiten, vor allem von älteren Menschen, werden wir angesprochen und gefragt, ob wir keinen Einfluss auf eine verbesserte Versorgung des Stadtteils mit Grundnahrungsmitteln erreichen können“, so Rudolf Malzahn, 1. Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Hamme.

Kipa-Markt wurde wieder geschlossen

Nach Schließung des für den Stadtteil Hamme wichtigen und ausreichenden Kaufpark an der Dorstener Straße/Lohstraße begann das Rätselraten um die Nachfolge. Anschließend eröffnete in der ehemaligen Kaufpark-Filiale das türkische Unternehmen Kipa-Markt. Schon nach kurzer Zeit war ersichtlich, dass dieses Angebot auch von den Migranten in Hamme nicht angenommen wurde. So wurde der Kipa-Markt wieder geschlossen. Und weiterhin fehlt besonders älteren Bürger eine Möglichkeit der wohnungsnahen Versorgung.

„Gerade die älteren Leute waren gezwungen, für einfachste Nahrungsmittel mit Bus und Bahn zum Einkaufen Richtung Hannibal-Center oder in die Innenstadt zu fahren“, schildert Rudolf Malzahn die Situation.

Der SPD-Ortsverein hat daher über verschiedene Kontakte Gespräche aufgenommen und ist auf Investoren zugegangen. „Zur Zeit laufen gute Gespräche mit zwei Investoren, die großes Interesse an einer neuen Nahversorgung in Hamme haben.“ Augenscheinlich zeichne sich laut Malzahn eine Lösung an anderer Stelle im Stadtteil ab. Die Fläche des alten Kaufparks sei zu klein und gelte somit als nicht wirtschaftlich, so dass gemäß Masterplan Einzelhandel ein neuer Standort gesucht wird. „Die IHK Bochum war zu Gast in Hamme und unterstützt unser Anliegen ebenfalls nach Kräften. Stefan Postert (IHK) ist daher in die Gespräche stark eingebunden“, ergänzt Rudolf Malzahn.