Podiumsdiskussion im besetzten Audimax
20.11.2009 | 18:22 Uhr 2009-11-20T18:22:00+0100Im Audimax der Ruhr-Uni braucht man/frau im Moment nicht anzurufen – besetzt. Die Bildungsstreik-Aktivisten, die den Hörsaal am 19. November nach einer Vollversammlung in Beschlag genommen hatten, harrten nicht nur während der Nacht, sondern auch den ganzen Freitag 20. November dort aus.
Ein Kernproblem der rund 100 Besetzer/innen des „harten Kerns” liegt dabei ausnahmsweise mal nicht im strategischen Zugriff auf die Bildungspolitik, sondern in der taktischen Unmittelbarkeit: Was tun, wenn der Rektor räumen lässt? Diese Frage, die bei allen Diskussionen stets mitschwingt, blieb bis Freitagabend in der Schwebe.
Keine Stellungnahmen
Die Ruhr-Uni hielt sich mit konkreten Stellungnahmen zurück. „Es wird nichts unternommen, wenn die Studierenden sich bereit erklären, das Audimax zu verlassen”, gab sich Kanzler Möller vage. In Köln und Bonn hatte die Hochschulleitung nach Tagen der Duldung Fakten schafffen lassen, und die Polizei zur Räumung gerufen.
Rückendeckung für ihr Anliegen
Gestern Mittag hatten bei einer halbwegs besuchten Podiumsdiskussion im Audimax die Protestierenden Rückendeckung für ihr Anliegen, wenn auch nicht für ihr Vorgehen erhalten. Vertreter/innen von SPD, Grünen und Linken diskutierten mit, auch die Prorektorin der Ruhr-Uni, Prof. Uta Wilkens war erschienen.
Politiker und Prorektorin eingeladen
Vor und mit vielleicht 600 Anwesenden diskutierten Sevim Dagdelen (MdB, Die Linke), Kai Gehring (MdB, Grüne), Thomas Eiskirch (MdL, SPD) und Prof. Wilkens über die Zukunft des Bildungssystems. Einig waren sich die Politiker, dass Bildung kostenfrei sein sollte und die Studienreformen (BA/MA) schlecht umgesetzt wurden. „Das Bildungssystem darf nicht dazu beitragen, die soziale Ungleichheit noch zu verschärfen”, befand Kai Gehring. „Es geht nicht nur um die Hochschule, die gesamte Gesellschaft ist ungerecht”, meinte die eher fundamental-kritisch eingestellte Dagdelen. Eiskirch distanzierte sich von Studiengebühren und stellte eine Abschaffung der umstrittenen Beiträge bis 2013 Aussicht – wenn, ja wenn die SPD bei den Landtagswahrlen im Mai 2010 die Landesregierung stellen sollte.
Grundsätzliches Einverständnis
Deutlich wurde, dass zwischen politischen Statements und den Sorgen/Wünschen/Protesten der Studierernden zwar grundsätzlich Einverständnis bestand. Trotzdem war man sich ganz und gar nicht einig, nämlich darüber, wie schnell und wie spürbar sich an den Unis etwas ändern kann.
"Bachelor-System ist erfolgreich"
Da war die Prorektorin vielleicht die beste Ansprechpartnerin, weil die Weiterentwicklung/Umsetzung des auch bei den „Bildungsgebern” nicht unumstrittenen Systems von Bachelor- und Masterabschlüssen an den Hochschulen erfolgen muss. Wilkens erklärte sich kompromissbereit, rückte aber grundlegend nicht vom offiziellen Kurs des Rektorats ab. „Die Erfolge des Bachelor/Master-Systems sind enorm”, sagte sie (unter dem höhnischen Gelächter des Auditoriums). Früher hätten 75 % der Studierenden ihr Studium abgebrochen, heute schlössen 75 % der RUB-Absolventen ihr Studium ab. Darüber hinaus sei es empirisch belegbar, dass Studiengebüren nicht unsozial seien. Wilkens:„Im Gegenteil: der Anteil der Studierenden aus sozial schwachen Familien ist seit Einführung der Geabühren sogar von 16 auf 20 % sogar gestiegen.”

09:33
Im Gegensatz zu Dir, Jörn, werde ich nicht persönlich beleidigend sondern bleibe sachlich.
Du regst Dich über die Art des Demonstrierens auf ohne mal wirklich darüber nachzudenken, weshalb eigentlich demonstriert wird, denn wenn Du den Sinn des Bildungsstreiks verstehen würdest, dann wärst Du nicht auf die Idee gekommen, von Krawallmachertum zu schreiben.
Im Gegensatz zu Deinen Beiträgen, die voll sind mit Vorurteilen gegen 3000 Leute, von denen Du wahrscheinlich niemanden persönlich kennst, bzw. gegen die 500 auf der Strasse, sind gespickt mit Beleidigungen und sinnfreien Unterstellungen: Schlicht und einfach unüberegt.
Und zu Dir Erstdenkendannhandeln: Die Sprühfarbe sit abwaschbar. Und genauso denke ich auch bei Dir, dass Du keineswegs alle Protestierenden kennst um Dir ernsthaft ein solches beleidigendes Urteil bilden zu können, dass diese Studierenden unerfolgreich waren, sind und bleiben werden. Und nenne mir doch bitte mal eine vernünftige Quelle, in der eine Umfrage zeigt, ob der Großteil der Studierenden GEGEN oder FÜR den Protest ist! Dann zieht Dein Argument aus Deinem letzten Absatz, sonst nicht!
Im Gegensatz zu meinen beiden Vorschreibern beleidige ich niemanden sondern versuche es verständlich zu machen, dass es bei dem Bildungsstreik um viel mehr als die Abschaffung der Gebühren geht. Es geht um freie und kostenlose Bildung für alle, oder wenigstens um gerechte Kostenverteilung! Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt, und gleichzeitig bestimmt das Vermögen der Eltern extrem über die Bildungschancen ihres Nachwuchses! Das ist ungerecht und sonst gar nichts!
21:14
Ach, Marylou! Ich hoffe ja mal nicht, dass du dich zu den gut ausgebildeten Menschen zählst - andernfalls kann ich nur sagen: Gute Nacht, schönes Deutschland.
Du bist ja noch nicht mal dazu in der Lage, einfache Beiträge richtig zu lesen und deren Kernaussage nachzuvollziehen. Anders kann ich dein Geseiere in Form irgendwelcher zusammenhangloser Suggestivfragen nicht verstehen.
Wo rege ich mich denn darüber auf, dass Studenten von der Regierung fordern, andere Prioritäten zu setzen? Zeig mir das mal in meinem Beitrag.
Ich rege mich lediglich über die Art und Weise auf, wie hier konkret demonstriert wurde!
Wenn es dein Verständnis von Recht und Demokratie ist, unbeteiligte Bürger mit Hilfe von unrechtmäßigen und nicht angemeldeten Demonstrationen auf Hauptverkehrsstraßen im Feiarbendverkehr davon abzuhalten nach Hause zu kommen, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass du NICHT der Garant für eine funktionierende Wirtschaft bist. Diese Meinung weite ich mit Wonne auf den ganzen Mob aus, der fröhlich lachend an dieser Aktion teilgenommen hat.
Das sind sicherlich andere, rational denkende Studenten, die in der Lage sind zu erkennen, dass sie mit blindem Krawall-Aktionismus genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich bezwecken wollen.
18:44
Wie sich auch in dem absurden, von unzähligen Verstrickungen, Unwahrheiten und Widersprüchen gespickten Kommentar von Marylou erkennen lässt:
Im Audimax sitzen soeben genau jene, die eben NICHT als erfolgreiche Absolventen nach dem Studium ihre Steuern zahlen und damit das Land nach vorne bringen. Dort sitzen jene, die sich auf Kosten anderer jahrelang ein nettes Leben gemacht haben, jeden Cent an Studentenrabatten nutzen und damit auch bis zur Einführung der Studiengebühren wunderbar gefahren sind.
Nun wird von Ihnen Leistung verlangt - ein Wort, dass den derzeitigen Audimax-Besetzern wohl Angstperlen auf die Stirn zu treiben lässt. Doch wie hemmungslos und schamlos hier die Möglichkeiten, wirklich was zu bewirken, mal wieder von den unfähigen Autonomen und vom Asta verspielt werden, sieht man mal wieder an der unvorstellbaren Provokation, das Audimax weiter zu besetzen und zu verschandeln:
HIer werden Wände und Vorplätze mit sinnfreien Sprüchen per Spraydosen besprüht - sogar Tafelflächen im HZO mit Spraydose zerstört. Unfassbar, wie dumm und dämlich ein erwachsener Mensch sein muss - und sich dann noch erlaubt zu beteuern, für eine sinnvolle Sache - für Bildung - einzustehen. Wer in diesem Stadium des Lebens nicht in der Lage ist, ohne Sachbeschädigung auszukommen, hat die Aufnahmereife einer Universität nicht erfüllt.
Jene Gruppierungen sollten die Konsequenzen tragen müssen - finanziell und auch disziplinarisch. Es ist untragbar, das derartige Personen das wahre Studierendentum vertreten dürfen. Noch untragbarer ist es, das genau jene aufgrund ihrer Mitarbeit im Asta keine Studiengebühren zahlen müssen.
HIer kann ich nur sagen:
Der überwiegende Großteil der Studierenden unterstützt die aktuellen Sachbeschädigungen NICHT! Hört endlich auf mit den sinnlosen Provokationen und bringt euch konstrutkiv ein. Andernfalls belegt ihr nur eure niederen Beweggründe, sich mit einer derartigen Contra-Haltung der Euch aufgetragenen Verantwortung zu entziehen.
14:10
Es ist eine Frechheit, von Krawallmachertum zu sprechen. Ich kann Menschen wie Dich, Jörn, nicht verstehen. Willst Du, dass die Wirtschaft hier weiter wächst und nicht zusammenbricht? Willst Du, dass Deine Rente zukünftig bezahlt wird? Dann ist es für mich unverständlich wie Du Dich darüber aufregen kannst, dass von den Protestlern gefordert wird, dass die Regierung ihre Prioritäten überdenken soll und Bildung wieder kostenfrei machen soll. Denn gut ausgebildete Menschen sind DER GARANT für eine wachsende gut funktionierende Wirtschaft. Übrigens: Die Steuern hinterher von den Menschen, die studiert haben, bringen das Geld doch wider zurück in den Staat. Wie kann es sein, dass die Regierung ein Bankenrettungspaket von über 400 MILLIARDEN Euro ziemlich schnell in Aussicht stellt, natürlich bei sonst drohendem Kollaps des Finanzssystems, aber sich aufregt wegen, im Vergleich zu dem Bankenrettungspaket, Peanuts im Bildungssystem? Mal davon ab das es sich bei Investitionen im Bildungssystem auch um ein Darlehen handelt!
19:52
Prinzipiell habe ich nichts gegen Demonstrationen und auch die Forderungen der Studenten kann ich relativ gut nachvollziehen. Worüber sich die Damen und Herren aber mal Gedanken machen sollten ist, ob die Wahl ihrer Mittel nicht doch eher dafür sorgt, dass sie ihre Unterstützung in der breiten Bevölkerung verlieren.
Als ich Donnerstag Abend über die Unistr. nach Hause Richtung Witten wollte, durfte ich erst mal ne halbe Stunde im Stau stehen, weil sich die Deppen zu Fuß über die Straße bewegten und die Autos nicht hindurchließen.
Verstehe nicht ganz, warum man unbeteiligte Leute mit einbeziehen und ärgern muss, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Oder was war das für eine Aktion?
Ja, ja - ich bin kleinkariert, stell mich wegen ner halben Stunde ziemlich an und habe nicht erkannt, dass es hier offensichtlich um höhere Ziele geht, blabla!
Fakt ist: Solche Aktionen zeigen, dass viele Studenten dann doch leider nicht übers Krawallmachertum hinauskommen.
00:45
Zum Glück ist heute endlich Ende...
00:14
O.k. - schlecht ausgedrückt: meine Frage war, ob auch die Betroffenen (also der /die sog. Otto/Ottilie Normalstudent/in) zu Wort gekommen sind, oder ob wieder mal nur die Profis diskutiert haben. Normal - unnormal finde ich ansonsten normalerweise und erst recht in diesem Zusammenhang sinnlos...
20:34
Was heisst denn gleich fundamentalkritisch? Die Vertreterin der Linken hat doch den meisten Beifall bekommen. Die WAZ sollte endlich damit aufhören die Linken zu denunzieren. Zurecht wird die Verwirtschaftlichung der Bildung kritisiert. Und es ist richtig, wenn dies auch mal angesprochen wird von Politikern.
20:20
@Bia Sabitscha: Das Audimax war gut besucht und es waren sehr viele normale Studieren da. Was sind denn bitte für dich unnormale Studierende?
19:58
Warum waren CDU und FDP nicht mit von der Partie? Wo waren die Andersdenkenden mit ihren Meinungen? Haben sich auch normale Studierende an der Diskussion beteiligt oder wurden sie mal wieder von den üblichen Selbstdarstellern mit allgemeinen Sympathiebekundungen plattgeredet? Die gestern noch erlebte Basisdemokratie, ist sie schon wieder verpufft (worden)?
Im übrigen - Studiengebühren s i n d unsozial, wie auch immer man es dreht und wendet. Wer aus einem wohlhabenden Elternhaus kommt, hat halt bessere Chancen auf eine bessere Ausbildung. Das fängt schon mit Nachhilfstunden in der Grundschule an. So soll es ja anscheinend auch nach dem Willen vieler bleiben...
Wer was ändern will, muss deutlich seine Meinung sagen um gehört zu werden. Was anderes bleibt den Studenten als der Protest um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen???