Pilotstudie erforscht Volkskrankheiten von Kindern wie ADHS

Konzentration? Fehlanzeige. Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) gehören inzwischen zu den Volkskrankheiten im Kindesalter. Eine Studie soll sie näher erforschen.
Konzentration? Fehlanzeige. Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) gehören inzwischen zu den Volkskrankheiten im Kindesalter. Eine Studie soll sie näher erforschen.
Foto: dpa (Symbolfoto)
Was wir bereits wissen
Weil ADHS, Übergewicht und Allergien bei Kindern deutlich zunehmen, startet ein neues Pilotprojekt zur Verbesserung von Diagnosen.

Bochum.. Mit einer völlig neuartigen Studie wollen Mediziner verschiedener Institute drei Krankheiten auf den Grund gehen, unter denen immer mehr Kinder und Jugendliche leiden. Das Projekt nennt sich „NIKI“: „Neue Volkskrankheiten im Kinder- und Jugendalter“. Dabei geht es um starkes Übergewicht (Adipositas), Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) sowie Allergien (Neurodermitis und Asthma). Nicht nur die jeweiligen Erkrankungen haben in den vergangenen Jahren bei Kindern und Jugendlichen sprunghaft zugenommen, sondern auch ihr kombiniertes Erscheinen. Mittlerweile leidet jedes vierte Kind unter mindestens einer dieser Krankheiten.

In den kommenden anderthalb Jahren soll an 600 erkrankten Kindern (sechs bis zwölf Jahre) aus dem Ruhrgebiet wissenschaftlich untersucht werden, wie diese Erkrankungen entstehen und wie es sich mit ihren Wechselwirkungen verhält. Eng damit verbunden werden auch Schlafstörungen, Ernährung und Stressverarbeitung der Kinder untersucht.

Breite Beteiligung an der Studie

Die Forscher versprechen sich von NIKI wertvolle Informationen über diese chronischen Krankheiten und ihre Kombination, eine bessere Diagnostik und dadurch einen direkten Nutzen durch effektive Vorsorge und Behandlung.

Beteiligt an diesem Pilotstudie sind die Klinik für Kinder - und Jugendmedizin im Bochumer St. Josef-Hospital, die LVR-Klinik Essen, die Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln sowie die LWL-Uniklinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie Hamm der Ruhr-Universität Bochum.

„Sehr gut angelegtes Geld“

Das NRW-Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Forschung finanziert die Studie mit insgesamt 1,5 Millionen Euro. Das sei „sehr gut angelegtes Geld“, sagte Ministerin Svenja Schulze am Mittwoch in der Bochumer Kinderklinik bei der öffentlichen Vorstellung des Projekts. „,Kein Kind zurücklassen’ - dieses Motto sei „ein zentraler Schwerpunkt dieser Regierung“. Die Kindheit habe einen „enormen Einfluss“ für die Gesundheit im späteren Leben. Deshalb müsse man über diese Krankheiten „einfach noch mehr wissen“.

Dr. Uwe Kremer, Geschäftsführer der „MedEcon Ruhr“ GmbH, bei der die zentrale Projektsteuerung der Studie liegt, ergänzt: „Entscheidend ist, dass sich Gesundheitsrisiken und -chancen im weiteren Lebenslauf bereits maßgeblich im Kindes- und Jugendalter entscheiden.“

Eltern der Kinder werden beteiligt

Bisher sei noch nicht einmal klar, ob die häufige Gleichzeitigkeit dieser Erkrankungen überhaupt einen ursächlichen Zusammenhang habe oder nur zufällig sei, erklärte Prof. Dr. Tanja Legenbauer von der Uni-Klinik Hamm. Deshalb werde auch untersucht, ob es womöglich biochemische, genetische, psychosoziale, sozioökonomische oder andere Faktoren untereinander gebe.

Rund ein Jahr lang werden nun die 600 Kinder, die für diese wegweisende Pilotstudie in Betracht kommen, ausgesucht und befragt, unter anderem mit Fragebögen. Die Eltern, sollten sie einer Teilnahme zustimmen, werden in die Untersuchung ebenfalls eingebunden.

Ein weiteres halbes Jahr lang sollen die Daten der jungen Patienten ausgeweitet werden. Die Ergebnisse würden anonymisiert verwertet werden, heißt es.