Paartherapeutin rät: Liebe braucht viel mehr als Rosen

Paar- und Sexualtherapeutin Bettina Schimanski (Mitte) arbeitet mit Paaren an deren Beziehungen.
Paar- und Sexualtherapeutin Bettina Schimanski (Mitte) arbeitet mit Paaren an deren Beziehungen.
Foto: Simone Kessler
Was wir bereits wissen
Der Valentinstag wird nicht ausbügeln, was Paare in der Beziehung versäumen. „Liebe passiert nicht von alleine“, sagt Paartherapeutin Bettina Schimanski.

Bochum.. „Eine Rose ist eine Rose, ist eine Rose ...“ So dichtete einst Gertrude Stein und inspirierte damit später Helge Schneider. Bei Schneider kauft „der Mann“ nach der Nachtschicht für „die Frau“ eine Rose. Doch was bedeutet das wirklich, wo führt das hin?

Am Valentinstag kaufen manche Männer ihren Frauen eine oder viele Rosen, aber letztendlich bleibt eine Blume eben eine Blume und kann nur ein Symbol für die Liebe sein. Das findet auch Paar- und Sexualtherapeutin Bettina Schimanski. „Für mich ist der Valentinstag wie eine Erinnerung daran, dass es in einer Beziehung dazu gehört, etwas füreinander zu tun“, sagt sie. In langen Beziehungen entwickele sich oft ein großer Anspruch auf den anderen Menschen. Der Partner und was er tut, würde als zu selbstverständlich hingenommen. Es sei für Beziehungen nicht gut, zu glauben – nur weil man ein paar Jahre zusammen ist – exklusive Rechte auf die Qualitäten des Partners zu genießen, dass er sich zum Beispiel um den Haushalt und die Kinder kümmert oder Zärtlichkeit schenkt.

Die Welt des Partners verstehen

„Wer seinem Partner wirklich eine Freude machen möchte, sollte versuchen, sich in seine Welt hineinzuversetzen“, sagt die Therapeutin. Paare, die in ihre Praxis kommen, sagten häufig: „Wir haben ein Kommunikationsproblem.“ „Dabei haben Sie nur verlernt, zu sehen, dass der Partner aus einer anderen Welt kommt und die Andersartigkeit zu respektieren“, erläutert Schimanski. In der Therapie sei es für sie oft „wie ein kleines Wunder“, wenn es den Paaren dann wie Schuppen von den Augen fällt und sie die Sicht des Anderen wieder verstehen. Wie sagen man und frau so schön: Man kann den Leuten nur vor den Kopf gucken – auch dem eigenen Partner. Darum nie vergessen: Sprechen kann helfen. „Ich schlage Paaren Achtsamkeitsgespräche vor. Dabei verabreden sich die Partner für Gespräche miteinander. Bei einem Termin darf der eine erzählen, was im wesentlich ist, zwei, drei Tage später der andere. Das kann die Beziehung sehr vertiefen“, schildert Schimanski.

Es ist kein Geheimnis: Nach zehn oder mehr Jahren Beziehung wird es im Bett nicht unbedingt wilder. Wer nicht auf aufregende Erotik verzichten will, dem rät Bettina Schimanski auch eine gewisse Distanz zu pflegen. „Das Fremde ist aufregend“, sagt sie. Hilfreich seien auch Sex-Verabredungen mit dem eigenen Partner ohne Zwang. „Viele sagen, das sei unromantisch. Aber mal ehrlich: Am Anfang verabreden sich Paare doch auch immer zum Sex.“