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Kanzlerkandidatin

Opel-Rentner: Kraft als Kanzlerin

04.09.2012 | 16:55 Uhr
Opel-Rentner: Kraft als Kanzlerin
Norbert Spittka und Werner Günther sind die Initiatoren einer Aktion für Hannelore Kraft, die gegen Angela Merkel antreten soll.Foto: Ingo Otto

Bochum. Als die drei Opel-Rentner Norbert Spittka, Werner Günther und Horst Müller kundtaten, sie wollten Opel retten, hielt das mancher für eine Schnapsidee aus dem Reich der Ruheständler. Aber es gab viel Medienrummel um die drei Möchtegern-Retter und Opel Bochum gibt es immer noch. Jetzt haben Spittka und Günther eine neue Mission: Per Internet wollen sie 100.000 Unterschriften dafür sammeln, dass Hannelore Kraft 2013 als Kanzlerkandidatin der SPD antritt und Angela Merkel ablöst.

Aktion bis Jahresende

Der Anfang ist gemacht, bis Montag wurde auf der Unterstützer-Website www.Kraft-volle-bundeskanzlerin.de schon die ersten 15 Unterschriften gezählt. Die Aktion soll bis Jahresende laufen, man wird also sehen.

Was sind das für Senioren, die so fröhlich ins Räderwerk der Politik eingreifen wollen? - Nun, Werner Günther aus Gelsenkirchen ist noch gar nicht so alt. 56 erst. Nach dem Oktoberstreik 2004 bei Opel Bochum schied er Monate später per Sozialplan aus, nach dreißig Jahren als Lagerarbeiter in diesem Werk. Mit Politik hatte er früher nie viel am Hut, als Vater von drei Kindern war er eher familiär orientiert. „Doch als ich meinen Arbeitsplatz los war, bin ich aktiv geworden“, erzählt er.

Die Sache mit Hannelore Kraft sei ihr voller Ernst, beteuert er der WAZ gegenüber. „Jahrelang habe ich mit der SPD gehadert, aber mit Hannelore Kraft ist wieder eine menschenwürdige Politik da, aber volle Pulle. In der Sauna hört man ja viele Leute schimpfen. Aber ich bin keiner, der im Dunkeln redet und im Hellen schweigt.“

Kraft hat tiefen Eindruck hinterlassen

Norbert Spittka schweigt auch nicht gern. Der Bochumer, 63, verheiratet, ein Sohn, wohnt mit der Familie in Gerthe. Bei Opel Bochum war er Controller in der Finanzabteilung. Auch er hatte den Sozialplan nach dem Oktoberstreik 2004 genutzt, um seinen Job an den Nagel zu hängen. Zwischenzeitlich mit den Linken verbandelt, hat nun Hannelore Kraft einen tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen: „Sie ist offen, ehrlich und hat eine herzliche Art.“

Er lobt ihre politischen Anstrengungen in NRW. Sie habe Kommunen und Stadtwerke gestärkt, sich um mehr Kitas gekümmert und nicht zuletzt ihr Versprechen gehalten, die Studiengebühren an den Hochschulen wieder abzuschaffen . Dass sie vor der Wahl gesagt habe, was sie tun werde und nach der Wahl dann Wort gehalten habe, rechnen Günther und Spittka ihr hoch an.

Erfolg nach Schneeballsystem gewünscht

Und so haben die beiden die Petition „Bürger der Bundesrepublik Deutschland: Frau Kraft auffordern für die Bundestagswahl 2013 zu kandidieren“ ins Leben gerufen. Und wünschen sich dabei einen Erfolg nach dem Schneeballsystem: „Sobald Sie/ihr unterschrieben haben/habt, wäre es super, wenn Sie/ihr Freunde und Bekannte bitten/bittet, ebenfalls zu unterschreiben.

Dass laut „Spiegel“ Hannelore Kraft sich gerade für Steinmeier als Kanzlerkandidaten stark macht, kann die Opel-Rentner nicht erschüttern. Dazu haben sie wohl zu viel Spaß an der Sache.

Werner Günther, dem Ex-Lagerarbeiter, hat sein spätes Interesse an aktiver Politik schon interessante Einsätze beschert. Als „Wahlchecker“ durfte er für den WDR bekannten Politikern Fragen stellen, auch mal für RTL. Und erinnert sich gut: „Da durfte ich mal 35 Minuten lang Angelika Merkel in die Mangel nehmen. Aber da war sie noch nicht Kanzlerin.“

Rolf Hartmann

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