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Autoindustrie

Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum

28.06.2012 | 17:46 Uhr
Ein Opelaner aus Bochum demonstriert für den Erhalt des Werkes.Foto: dapd

Essen.   Die Arbeitnehmerseite stimmt im Aufsichtsrat dem Zukunftsplan des Opel-Vorstands zu. Für das Werk in Bochum gibt es keine neue Hoffnung. Denn neue Modelle werden wohl im Ausland gebaut.

Genug der düsteren Schlagzeilen, müssen sich die Manager der Opel-Mutter General Motors in den vergangenen Tagen gedacht haben. Also taten sie alles dafür, dass Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke die künftige Strategie für den Autobauer als den großen Befreiungsschlag verkaufen durfte. Die in Detroit entwickelten Schließungspläne für das Bochumer Werk standen nicht zur Entscheidung in der gestrigen Aufsichtsratssitzung. Stattdessen präsentierte Stracke einen Zukunftsplan, den auch die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat mitbeschlossen hat.

Er enthält im Wesentlichen eine Modelloffensive sowie Einsparungen in Entwicklung und Produktion durch die neue Partnerschaft mit dem französischen Hersteller PSA Peugeot Citroën. Was dies im Einzelnen bedeutet, welche Modelle wo gebaut werden und ob Opel-Modelle künftig in Frankreich entwickelt und gefertigt werden – all dies bleibt offen. GM und PSA wollen darüber noch bis Oktober verhandeln. Bis dahin Zeit gegeben haben sich auch Opel und die IG Metall, um über eine Beschäftigungsgarantie bis 2016 und Lohnverzicht zu verhandeln.

Weiter Ungewissheit in Bochum

So müssen die 3000 Beschäftigten in Bochum weiter mit der Ungewissheit leben, was sie nach 2016 erwartet. Bis dahin hatte GM den Erhalt des Werks zugesagt, allerdings deutlich gemacht, keine neuen Modelle ins Ruhrgebiet vergeben zu wollen. Zugleich wissen sie von ihrem Betriebsratschef Rainer Einenkel, dass Opel bereits die Rechnung für die Werksschließung mit 500 Millionen Euro gemacht hat. Grund für neue Hoffnung hat ihnen gestern in Rüsselsheim niemand geben können und wollen.

Strackes Wachstumsstrategie ist der neue gemeinsame Nenner zwischen Management und Betriebsrat, zumindest dem in Rüsselsheim. Konzernbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug nannte den Geschäftsplan eine „gute Basis“ für die Zukunft von Opel. Stracke sagte, das Konzept werde „Opel wieder nachhaltig profitabel machen“.

Doch wie realistisch ist das Ziel, gegen den allgemeinen Abwärtstrend im mittelpreisigen Massenmarkt Europas anzukommen?

Peugeot plant Werksschließung

Stracke kündigte an, in den kommenden vier Jahren 23 neue Modelle auf den Markt zu bringen, wobei er sämtliche Varianten vom Kombi bis zum Cabrio dazuzählt. Als Modelle genannt werden der Stadtflitzer Adam, der Kompakt-SUV Mokka und ein hochwertiges Cabrio. Für die deutschen Werke relevant ist jedoch nur der Opel Adam, der in Eisenach gebaut werden soll. Der Mokka wird von Daewoo in Korea gebaut, das Cabrio dürfte eine Abwandlung des Astra werden, der künftig in Polen und England montiert werden soll.

Gestern nicht beantwortet wurde auch die Frage, wie viel Opel noch in den künftigen Kleinwagen, Minivans und Geländewagen stecken wird. Sie könnten künftig von Peugeot/Citroën entwickelt und gebaut werden, auch der nächste Zafira. Doch die Verhandlungen der Amerikaner mit den Franzosen stehen erst am Anfang. Klar ist Stand heute nur, dass beide viel Geld durch ihre Kooperation sparen wollen und müssen. Die PSA-Autosparte rutschte 2011 in die Verlustzone und leidet immer stärker unter der Absatzkrise in Südeuropa. Opel verbuchte allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres 256 Millionen Euro Verlust.

Da beide Konzerne eine nahezu identische Produktpalette bauen, liegt es nahe, verschiedene Modelle einer Klasse künftig nur noch von einem Partner entwickeln und produzieren zu lassen. Das spart Entwicklungskosten und Personal, einige Werke könnten ausgelastet – andere geschlossen werden.

Kaum zufällig wurden gestern neue, harte Einschnitte bei PSA in Frankreich verkündet. Das erst im Februar von 200 Millionen auf eine Milliarde Euro hochgeschraubte Sparziel wurde von Konzernchef Philippe Varin erneut kassiert. Er habe die Belegschaft auf weitere Einschnitte eingestimmt, berichteten Gewerkschafter. Zudem werde die Schließung eines PSA-Werks in Paris vorbereitet.

Dazu passen bisher unbestätigte Berichte, das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim könne ab 2016 als Ausgleich für den Verlust des Astra Mittelklassemodelle von Peugeot und Citroën bauen. Im Gegenzug würde der Zafira von Bochum nach Frankreich verlagert.

"Lasst Opel nicht sterben"

Stefan Schulte



Kommentare
29.06.2012
09:59
Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum
von Schwarz-Gelb | #12

Ob die Mitarbeiter des Opelwerkes in Bochum und Umgebung wieder kuzfristig in Arbeit kommen, darf bezweifelt werden. Mich würde interessieren, ob alle Nokianer bereits wieder in gut dotierten Arbeitsverhältnissen stehen. Wer hat aktuelle Zahlen ?

29.06.2012
09:58
Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum
von Visionaer | #11


Schlecker, Opel, Holzmann, Grundig ...

Firmen gehen fast immer pleite, weil sie über Jahre hinweg eigenverschuldete, gravierende management-Fehler gemacht haben. Die politischen Rahmenbedingungen für Pleiten in der freien Wirtschaft verantwortlich zumachen, zeugt nur von fehlendem Verständnis von Volkswirtschaft.

Opel z.B. hat sich mit seinen Modellen und der uralten Technik einen "Image und Faszinations-Faktor" von - 0,5 erarbeitet, Schlecker hat mit seinen "Mini-Filialen" ohne Flair, Umsatz und Personal die grundlegensten Regeln der BWL verletzt.

Warum soll dafür jetzt in irgendeiner Weise der Steuerzahler gerade stehen ?

1 Antwort
Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum
von wilbec | #11-1

Grundig ist gerade nicht an einem schlechten Managment gescheitert. Grundig hatte Spitzenprodukte wurde aber durch Billigimporte aus Fernost fertig gemacht.

29.06.2012
08:34
Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum
von randori20 | #10

Opel, nein danke.

29.06.2012
03:05
Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum
von hutterp | #9

Dank Mutti wird sich bald" keiner"
in Europa mehr ein Auto leisten können.
Nur noch die Reichen.
Man kauft dann nur noch Autos von keinem-

HA ha ha,
ihr wisst alle nicht, was euch blüht, dank Mutti.

1 Antwort
ohne Mutti kein neues Auto
von Visionaer | #9-1


Mutti kämpft gerade darum, die dämlichen EURO-bonds zu verhindern damit sich auch die Angehörigen unterer Einkommensstufen, so wie Sie, weiterhin ein (kleines) Auto leisten können.

Sollte rot/grün im Bund kommen und alsdann UNSERE Wettbewerbsfähigkeit auf dem Altar der ***********-Solidarität gegenüber Volldynamikern wie Griechenland, Zypern, Spanien opfern, können Sie garantiert eines nicht mehr:

Sich ein Auto leisten ...

29.06.2012
01:53
Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum
von akktec | #8

Somit wie bei NOKIA!

An alle Bochumer: Wendet Euch von der Firma ab und kauft nur noch Autos die nicht von GM gebaut werden!

29.06.2012
00:15
Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum
von Biker72 | #7

OPEL in Bochum ist ab besagtem Jahr tot! Macht den Leuten keine Hoffnung, GM hat Pläne und die stehen ohne Bochum. Alles andere ist Augenwischerei. Zumindest hat jeder genug Zeit um etwas anders zu finden.

28.06.2012
22:53
Endlich mal eine klare Ansage!
von radfahrer.ruhr | #6

Zumachen und gut ist!

Lieber ein Ende mit Schrecken mit Ende als ein Schrecken ohne Ende!

Weil es keiner hören will, hier noch mal paar ein Gründe, warum Opel in Bochum schließen wird:

- es gibt eine Überkapazität in der Automobilindustrie in ganz Europa
- andere Produktionsstandorte (auch bei GM) sind deutlich billiger
- die Opelfahrzeuge sind im Vergleich zu Mitbewerbern zu teuer
- die Anzahl der verkauften Neufahrzeuge sinkt kontinuierlich
- das Markenimage von Opel schreckt eher ab

Und dann war da noch:
Als in den 1990er Jahren die Stahlindustrie in Dortmund um das Überleben kämpfte, tönte es von Opel-Seite in Bochum: Wir brauchen den Stahl und Stahlprodukte aus Dortmund nicht, es gibt ja genügend Alternativen auf dem Markt. So sah also die heute geforderte Solidarität damals aus.

Pech solche Aussagen, wenn man nun selber Solidarität braucht ...

28.06.2012
22:51
Opel plant Neustart ohne das Werk Bochum
von anmeldezwang | #5

Wir bleiben Bochum - wir werden arbeitslos. Statt zu streiken und rumzuheulen hättet ihr euch besser mal neue Arbeitsplätze gesucht.

28.06.2012
20:58
"Opel erhält neuen Aufpasser aus den USA"
von DerRheinberger | #4

So titelte das Handelblatt vom 6.2.2012

und weiter

"...Der neue Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte bei seinem Start im Januar angekündigt, dass die Belegschaftsvertreter sich künftig stärker mit der UAW abstimmen wollten. Erstmals seit fünf Jahren rückt mit King wieder ein Vertreter der einflussreichen US-Autogewerkschaft in ein Kontrollgremium eines großen deutschen Autokonzerns ein..."

28.06.2012
20:29
Danke IG-Metall für Eure tatkräftige Mitarbeit im OPEL Aufsichtsrat!
von DerRheinberger | #3

"....Stattdessen präsentierte Stracke einen Zukunftsplan, den auch die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat mitbeschlossen hat..."

Außer den Betriebsratsvorsitzenden der aller Opel Standorte in Deutschland sitzt dort noch der amerikanische Gewerkschaftsboss Bob King, der von der IG-Metall als Arbeitnehmervertreter im OPEL-Aufsichtrat benannt (nicht gewählt!!) wurde.

Bob King hat sich in den USA dadurch qualifiziert, in dem er dort Werksschliessungen von GM mit etlichen 10.000-tausenden Mitarbeitern durchgezogen hat und dafür sorgte, dass Neueingestellte nur noch den halben Lohn der anderen Belegschaft bekommen!

Diese "Qualifikation" ist für Herrn Huber von der IGM Grund genug, dass Bob King auch hier die "Drecksarbeit" für die IGM bei Opel erledigt.

Danke Herr Huber, leider kann ich nicht mehr aus der IGM austreten, weil ich das schon vor 13 Jahren getan habe, als Sie für die SPD mit Gerhard Schröder und Wolfgang Clement den Wahlkampf aus der Gewerkschaftskasse bezahlt haben!

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