Opel: Der ganz große Abriss beginnt im August

Geschichte wird bald das Werk I sein. Stehen wird im Herbst 2016 nur noch die größte Halle D3/I auf der linken Seite des Bildes sowie das markante Verwaltungsgebäude im Vordergrund.
Geschichte wird bald das Werk I sein. Stehen wird im Herbst 2016 nur noch die größte Halle D3/I auf der linken Seite des Bildes sowie das markante Verwaltungsgebäude im Vordergrund.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Opel und „Bochum Perspektive“ haben vertraglich besiegelt, das vom 1. Juli an das Werk I in Laer der städtischen Tochtergesellschaft gehört.

Bochum..  Die Tinte unter dem Kaufvertrag ist trocken. Vom 1. Juli an gehört die 65 Hektar große Fläche des Opel-Werks I in Laer der städtischen Entwicklungsgesellschaft „Bochum Perspektive 2022“ – inklusive einiger Grundstücke außerhalb des Werksgeländes wie der Parkplätze für Neufahrzeuge an der Wittener Straße. Die Gesellschaft zahlt dafür den symbolischen Preis von 1 Euro.

Nur acht Monate nach dem Ende der Autoproduktion beginnt im August bereits der Abriss eines Großteils der Anfang der 1960er Jahre erstellten Werkshallen, die Opel besenrein übergibt. Noch bis Ende September wird auf Geheiß der Bezirksregierung die Ende der 80er Jahre gebaute Lackiererei abgerissen. Dieser Termin hat sich um drei Monate verschoben, weil zuvor Arbeiten erledigt werden sollen, die den zeitnahen Abriss anderer Hallen durch die Bochum Perspektive und damit die Vorbereitung des ersten Bauabschnitts möglich machen sollen. Nach Auskunft von Perspektive-Geschäftsführer Prof. Dr. Rolf Heyer läuft die Ausschreibung für den „Rückbau von Fertigungshallen in Stahlskelettbauweise“.

Wer den Millionen-Auftrag erhält, muss 3 700 000 Kubikmeter umbauten Raum mit einer Geschosshöhe bis zu 31 Meter und 70 000 m³ Keller abreißen, 600 000 m² Bodenaushub bewältigen, 60 000 m² asbesthaltigen Estrichbodenbelag, 24 000 m² asbesthaltigen Welleternit, 45 000 Meter asbesthaltige Dichtungsbänder und etliches mehr entsorgen. „Bevor die großen Maschinen kommen, werden alle Schadstoffe entfernt“, so Heyer. Ein Gutachter habe dafür ein Schadstoffkataster erstellt. Bis zum September 2016 soll der erste Bauabschnitt vorbereitet sein. Er umfasst die unmittelbar hinter dem markanten Verwaltungsgebäude, das vorerst stehen bleibt, stehenden großen Hallen D3/II, D4, D5.

Etwa 150 000 m² (drei Fünftel des 25 Hektar großen ersten Bauabschnitts) möchte das Logistikunternehmen DHL kaufen. Im Sommer soll der Vertrag unterzeichnet werden. Einigkeit herrsche über den Marktpreis, der den Gewerbeflächenpreisen im Mittleren Ruhrgebiet entspreche, so Heyer. Damit stünde ein Preis von 65 Euro pro Quadratmeter im Raum, das ist der im Vorjahr in Bochum erzielte Durchschnittspreis. Liegt er zugrunde, müsste DHL 9,75 Millionen Euro für die avisierte Fläche auf dem Gelände bezahlen.

Aber nicht nur die Entwicklungsgesellschaft reißt ab. Auch Opel, das bei den Rückbauarbeiten an der Lackiererei bereits 20 000 Tonnen Stahl und 2000 Tonnen weitere Materialien bewegt hat, macht nahtlos weiter. Im August soll der Abbruch etwa der Hälfte des Getriebewerks in Langendreer (Werk II) erfolgen. Nur ein Jahr später soll dort der Aus- und Neubau des Warenverteilzentrums stehen.

Denkmalschutz zunächst für drei Jahre

Während ein Großteil des Opel-Werks in Laer dem Erdboden gleichgemacht wird (nebenstehende Grafik), gibt es für das Verwaltungsgebäude DI mit der markanten Glasrotunde zumindest vorerst eine Zwischenlösung. Stadt, Bochum Perspektive und Landschaftsverband haben sich darauf geeinigt, „dem gutachterlichen Ergebnis zum generellen Denkmalwert der Opel-Anlagen zu folgen“, wie es in einer Verwaltungsvorlage heißt. DI wird ebenso wie die Acetylen-Erzeugung (DII), ein kleines Gebäude im Süden des Geländes, in die Denkmalliste der Stadt eingetragen.

Zumindest für die nächsten drei Jahre wird der Verwaltungstrakt mit seinen 12 000 m² Bürofläche und 2000 m² Keller geschützt sein. In dieser Zeit wird die Perspektive prüfen, ob eine dauerhafte Erhaltung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich sei. „Wir werden einen Prozess organisieren, wie wir es aktiv auf dem Markt platzieren“, sagt Perspektive-Geschäftsführer Prof. Dr. Rolf Heyer. Entscheidend werde sein, ob es eine Nachfrage für das Gebäude gibt. Bei der Denkmalfinanzierung biete ein Programm der NRW-Bank „ausgesprochen attraktive Konditionen“. Auch die durch den Abbruch der dahinter stehenden Gebäude geschaffene „freie Lage“ könnte sich positiv auf eine Vermarktung auswirken. Sollte das Konzept indes nicht aufgehen, werde die Gesellschaft einen Auftrag auf Abbruch stellen. Für einen Abbau und eine sichere Lagerung des Opel-Schriftzugs sowie des Blitz-Logos haben Landschaftsverband und Stadt „ihre Zustimmung in Aussicht gestellt“.

Konkret werden derweil allmählich Überlegungen dazu, welchen Namen der Industrie- und Gewerbepark künftig haben soll. „Wir brauchen einen Namen, der nach vorne gerichtet sein und international verstanden werden muss“, so Heyer. Seine Gesellschaft bereitet nach Auskunft von Jürgen Schauer, Marketing-Leiter der Bochum Perspektive, eine Namensentwicklung vor. Orientieren soll sich diese an der vor einigen Monaten entwickelten Stadtmarke mit dem Slogan „Von hier aus“.

Bei Opel laufen derweil die Planungen für den Bau eines hochmodernen Warenverteilzentrums, das sogenannte „Warehouse“. Dass dieses nur etwa ein Jahr nach Beginn der Abrissarbeiten in Werk II bereits fertig gestellt sein soll, liegt nach Auskunft eines Opel-Sprechers an den günstigen Rahmenbedingungen. Die Halle in Langendreer sei bereits komplett leergeräumt, dort endete der Betrieb bereits Mitte 2013. Außerdem bleibt das Fundament bestehen, Opel wird darauf seine neue Halle errichten.