Oi-Punk-Legende zu Gast
15.11.2009 | 16:20 Uhr 2009-11-15T16:20:00+0100The Last Resort im Zwischenfall Langendreer begeisterte das Publikum
Sabine Vogt
An Trotz, Zorn und rotziger Systemkritik haben sie nichts eingebüßt. „The Last Resort”, die Band, die Anfang der 80er Jahre rasch zur Ikone der englischen Oi-Punk-Szene aufstieg, gastierte in Bochum. Zwei Jahre reichten für die Legendenbildung, denn The Last Resort trennten sich bereits 1982 wieder. Damals ging's oft gewalttätig zu, die Oi-Skins wurden mit den rechtsradikalen Skinheads in einen Topf geworden, obwohl sie das genaue Gegenteil verkörpern.
27 Jahre danach, neun Jahre nach der Reunion, veröffentlichte die Combo aus London ein neues Album: „You'll never take us”, von dem natürlich einige Stücke präsentiert wurden. Passende Kulisse: der Langendreer Club Zwischenfall.
Die nur etwa 150 Gäste erlebten ein kleines, mitreißendes Konzert, für das sich das gut zweieinhalbstündige Warten gelohnt hatte: Volldampf vom ersten Akkord an, Musik zum Mitgröhlen und Abpogen – genau das Richtige, um sich nach einer langen Arbeitswoche den Kopf erfolgreich freipusten zu lassen.
„The Last Resort” um die beiden ehemaligen Anti-Nowhere-League-Mitglieder JJ Kaos und Beef sowie Roi als späterer „4-Skins”-Sänger haben auch auf der Neuveröffentlichung das Credo wütender Working-Class-People beibehalten, genau wie während ihrer Anfänge. Keine Überraschung, aber von den Fans erwartet und goutiert.
Von angestaubtem Anachronismus konnte also keine Rede sein – im Gegenteil: Die Streetpunks zeigten, dass Energie und Überzeugung zusammengehören können.
Glatzen dominierten den Abend, reckten die Fäuste in die Luft und tanzten den Pogo. Irgendwann war die Luft in dem kleinen Club dick wie Mehlschwitze; das Publikum, aber auch Sänger Roi Pearce verausgabten sich bis zum letzten Schweißtropfen. Oi-Punk, das ist keine Frage des Alters, sondern der Einstellung.
Die Gäste kamen auf ihre Kosten, erlebten einen lauten, lebhaften und auch lakonischen Abend mit einer Legende, die alle Sehnsüchte ihrer Fans zu erfüllen wusste. Man wusste, worauf man sich einließ, und hatte seine helle Freude an dem Gig. Punk mit melodischer Oi-Einfärbung und Mitgröhl-Hymnen – diese Rezeptmischung führt auch heute noch zu einem schmackhaften Nachtsnack.

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