"Ohne Semesterticket ist Studieren nicht denkbar"

Mit Bus und Bahn zur Uni: Viele Studenten nutzen für die Fahrt zur Hochschule das Semesterticket. Ein Großteil will darauf auch trotz der Preiserhöhung durch den VRR nicht verzichten.
Mit Bus und Bahn zur Uni: Viele Studenten nutzen für die Fahrt zur Hochschule das Semesterticket. Ein Großteil will darauf auch trotz der Preiserhöhung durch den VRR nicht verzichten.
Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Viele Asten wollen den neuen VRR-Vertrag nicht unterzeichnen. Doch was halten Studenten von der geplanten Preiserhöhung? Wir haben nachgefragt.

Bochum.. Die Fronten sind verhärtet. Eine Lösung: nicht in Sicht. Die Allgemeinen Studierendenausschüsse (Asten) liegen mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) weiterhin im Clinch. Studentenvertreter wehren sich gegen die Preiserhöhung fürs Semesterticket, der VRR fordert indes eine Unterzeichnung der neuen Verträge. Was halten die Studenten davon? Ist der Preisanstieg gerechtfertigt? Oder unangemessen? Wie sehen sie die Chancen auf eine Einigung in dem Streit? Wir haben uns an der Ruhr-Universität Bochum umgehört.

"Wenn man aus Sicht der Studenten dagegen protestiert und sich komplett gegen den VRR abschottet, ist das der falsche Weg", meint Fabian Papierok. Der 22-Jährige wohnt in Essen, studiert in Bochum Geographie und nutzt überwiegend die öffentlichen Verkehrsmittel, "weil man auf der A40 ja verrückt wird". Die Teuerung sei "für manche Studenten ein harter Schlag. Aber wenn man an den vernünftigen Ecken spart, ist das trotzdem möglich." Er könne es verstehen, dass der VRR die Preise anzieht, denn die Kosten für die Verkehrsverbunde würden ja auch steigen.

Das sieht Esra Zopi (25) aus Gelsenkirchen, die in Bochum Wirtschaftswissenschaften studiert, etwas anders: "Eine Preissteigerung von rund 40 Prozent ist nicht zu rechtfertigen", sagt sie. Zopi findet "das NRW-Ticket in Ordnung". Ihre Begründung: "Es hilft uns allen." Allerdings könnte Lina Hoffmann (20), Mathematik-Studentin aus Essen, auch darauf verzichten. "Ich fahre mit dem Auto, habe das Semesterticket im letzten Jahr nur zweimal benutzt. Für mich persönlich wäre es schöner, wenn es gar nicht in dem Beitrag mit drin wäre." Wenn das Ticket allerdings wegfalle, sagt sie, "würden vermutlich viele Studenten hier Amok laufen".

Viele Studierende sehen keine Alternative zu dem Angebot: "Ohne NRW-Ticket ist Studieren einfach nicht denkbar", meint Florian Evers (23/Wirtschaftswissenschaften). Aus einer Sicht sei die geplante Erhöhung "immer noch günstig". Hingegen zeigt Lukas Feldmann (22) dafür kein Verständnis: "Wir zahlen doch schon genug Semesterbeitrag. Man soll mir mal die Rechnung zeigen, die rechtfertigt, dass der VRR das in einem so krassen Maß anhebt." Er kommt aus Prüm in der Eifel und nutze ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel. "Als Student kann ich mir auch kein Auto leisten", sagt er.

Yannick Reigber (21), der aus Hamburg nach Bochum gezogen ist, um hier Sinologie und Orientalistik zu studieren, drängt auf eine Einigung im Streit: "Wenn die Preiserhöhung rationale Gründe hat, sei es, dass die Instandhaltung teurer wird, dann muss man einen Kompromiss finden." Einerseits müssten sich die Studenten dazu bereit erklären, einen etwas höheren Betrag zu zahlen, "andererseits sollte auch Kulanz auf Seiten des VRR bestehen, mit den Preisen nicht zu weit hoch gehen zu müssen". Er habe kein Auto und "wäre ohne Semesterticket aufgeschmissen". Deshalb sei ihm eine Lösung auch "persönlich wichtig". Semesterticket

VRR setzt Asten unter Druck

Tristan Wünnemann (19/Biologie) vergleicht aus seiner persönlichen Sicht die Kosten: "Ich komme aus Unna, muss immer mit der Bahn hierhin fahren. Das wäre mit dem Auto immer noch teurer." Bei dem geplanten Preisanstieg muss er allerdings schlucken: "Fast das Doppelte noch mal drauf bis 2020, das ist schon hart." Er könne die Position der Studierendenausschüsse "voll und ganz verstehen". Ob sich die Asten dem Druck des VRR beugen werden? "Ich hoffe nicht", sagt er.

Indes sieht Florian Evers die Studentenvertreter unter erheblichem Zugzwang: "Wie ich es mit bekommen habe, müssen wir ja jetzt unterschreiben. Und ich hoffe, dass das geschieht."