„Wünsch Dir was“ beim Wendenfest in Goldhamme

Die „Zirkuskinder“ des kath. Kindergarten St. Anna begeistern mit Seiltanz und Jonglage.
Die „Zirkuskinder“ des kath. Kindergarten St. Anna begeistern mit Seiltanz und Jonglage.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Goldhammer verbringen gemeinsam einen bunt-fröhlichen Tag. Für das Westend-Projekt „Erzähl doch mal“ sollen Anwohner über ihr Leben plaudern.

Goldhamme..  „Achtung freilaufende Einheimische“: Diesen Slogan gab sich die im vergangenen Herbst gegründete Bürgerinitiative Goldhamme. Die Initiative will mitreden bei der Frage, wie und wo die acht Millionen Euro, die durch den Stadtumbau West in den Stadtteil fließen sollen, investiert werden. „Wir wollen gemeinsam unseren Stadtteil verschönern. Goldhamme soll seinen goldigen Namen wieder zu Recht tragen.“ Zu den Mitbegründern gehören die 25 Jahre alte Juristin Laura Herold und ihre Schwester Deborah. Auf dem Wendenfest zeigen sie mit Goldhamme-Shirts und Sonnenbrillen Präsenz.

Peter Kaufung vom Verein Maarbrücke wirbt für die im letzten Jahr gestartete Newcomer-Reihe „neugeDACHt“, bei der Künstler eine kostenlose Bühne bekommen. Das Thealozzi-Theater sucht für das Westend-Projekt „Erzähl doch mal!“ Menschen, die vor der Kamera aus ihrem Leben erzählen. Dianna Mertins und Andreas Möller haben dafür eine begehbare Wunschbox gebaut. „Einige haben sich schon hinein getraut“, so Mertins. „Aber es sollen mehr werden!“

„Ich mag Goldhamme, ich kenne ganz viele Leute hier!“, sagt Derya Kurt. Die 13-Jährige sitzt mit ihrer gleichaltrigen Freundin Sila Kilicaslan am Bühnenrand. „Am liebsten würde ich hier singen“, sagt sie spontan. „Aber ich müsste natürlich vorher üben.“

Lange geübt haben die Kinder des kath. Familienzentrums St. Anna, um an diesem Tag Kunststücke und Tanzschritte auf der Bühne zu zeigen. „Das ist unser Zirkusprojekt“, erklären die Erzieherinnen von St. Anna. Einstudiert wurde das Programm mit einem echten Zirkus, der in die Kita kam. „Einige Kinder wussten gar nicht, was das ist. Jetzt sind wir natürlich mächtig stolz auf sie.“

Das Wendenfest findet in diesem Jahr am Tag der Städtebauförderung statt. „Goldhamme ist ein spannender Stadtteil“, so Bezirksbürgermeisterin Gaby Spork. Sie freut sich, so viele Kulturen und Nationalitäten zusammen zu sehen. „Gerade in Zeiten, wo Fremdenhass wieder hervortritt, ist es wichtig, dass wir miteinander reden, streiten und Kompromisse finden. Wir müssen auf unsere Gesellschaft aufpassen, dass sie nicht kippt.“

Vielfalt ist inzwischen Normalität

„Das Miteinander ist selbstverständlicher geworden“, sagt Brigitte Küch vom Stadtplanungs- und Bauordnungsamt rückblickend auf die vergangenen Jahre. „Anfangs beäugten sich die unterschiedlichen Kulturen vielleicht noch skeptisch.“ Inzwischen sei die Vielfalt Normalität.

Organisiert wird das Fest von der Wendenfest AG, federführend war in diesem Jahr der Förderverein der Grundschule an der Maarbrücke. Diese Schule besuchte auch der Bochumer Künstler Marcus Kiel als Kind. Unbeschwert sei das Leben in Goldhamme für ihn gewesen, schwärmt er. Künstlerisch beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit der Geschichte Bochums, der Stahl- und Bergarbeit. Von ihm stammt die Installation „Fortschritt“ an der Zeche Hannover, bestehend aus 350 Paaren ausrangierter Bergarbeiterschuhe. Und ein Kunstwerk am neuen Radwegetunnel Ecke Alleestraße / Wattenscheider Straße zur deutsch-türkischen Arbeitergeschichte. Auf dem Wendenfest zeigt er historische Bilder aus dem Stadtteil. „Ich suche Menschen, die mir ihre Erinnerungen oder Dokumente zum Bochumer Verein und aus dem historischen Goldhamme zur Verfügung stellen wollen.“ An seinem Stand verweilen vor allem die Älteren. Und erzählen. „Dieser Mann hier wohnt seit 80 Jahren in Goldhamme“, freut sich Kiel. „Dort drüben in dem gelben Haus!“