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Musikprojekt

Trommelwirbel im Unterricht

12.11.2012 | 17:13 Uhr
Trommelwirbel im Unterricht
Mit fragendem Blick verfolgt Aylin Gerhold (13) aus der 8c, was Tom de Cock und seine Mitstreiter in ihrem Klassenzimmer so treiben.Wie ihre Mitschüler wusste auch Aylin von nichts, als die Männer plötzlich im Raum standen.Fotos:Svenja Hanusch

Gerthe.   Fünf Männer in Schwarz überraschen Gerther Realschüler mit „Musik-Attacke“

Es ist ein ganz normaler Schultag an der Anne-Frank-Realschule in Gerthe. Die Schüler sitzen artig in ihren Klassen und lernen Deutsch, Englisch oder Mathe. Sie ahnen noch nicht, was ihnen gleich blüht. Die Klasse 8c ist um 9.50 Uhr als erste „dran“. Plötzlich geht die Tür auf. Fünf Männer --ganz in Schwarz gekleidet – betreten den Raum und schleichen durch die Tischreihen, ohne ein einziges Wort zu sagen.

Dann legen sie los. Mit allem, was ihnen in die Finger gerät, machen die fremden Männer Musik. Mal laut, mal leise, entlocken sie den gewöhnlichsten Schul-Utensilien die ungewöhnlichsten Töne. Hefte werden rhythmisch geschüttelt, Bleistifte im Takt aufs Lehrerpult geklopft, und auch Stuhlbeine – das wissen die Schüler jetzt – können durchaus ein Klangkörper sein, wenn man mit den Fingern auf ihnen trommelt. Lineale, Scheren, Etui-Reißverschlüsse, Schubladen, Plastikbecher und natürlich auch die Tafeln – kaum ein Gegenstand, den die fünf Männer nicht zweckentfremden können. Die Schüler wissen nicht so recht, wie ihnen geschieht. Mit zum Teil offenen Mündern und ungläubigen Blicken sitzen sie auf ihren Stühlen und bestaunen die Szenerie.

Keine fünf Minuten, da ist der Spuk auch schon wieder vorbei

Es dauert keine fünf Minuten, da ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Unvermittelt verlassen die Männer den Raum – und nehmen sich sogleich den nächsten vor. Erst die 9c, dann die 6c, die 8c, die 10b und so weiter. Nach und nach werden die Klassen „überfallen“ und musikalisch unterhalten. Erst danach – und später am Mittag bei einem Konzert in der Aula – erfahren die Schüler, was ihnen soeben widerfahren ist: Sie wurden Zeuge eines in Deutschland bisher einmaligen Musikprojektes namens „SlagRoom“ (niederländisch für Schlagsahne). Auch die fünf Männer bekommen nun Namen: Björn Denys, Dimitri Dumon, Tom de Cock und Frank van Eycken vom belgischen Ensemble „Triatu“ bilden das „Überfallkommando“, verstärkt durch Nick Bardach von den Bochumer Symphonikern. Durch deren Kulturrucksackprojekt war es gelungen, die belgischen Musiker mit ihrer Trommelaktion nach Gerthe zu locken.

Ziel des Projektes ist es, den Schülern zeitgenössische Musik näher zu bringen. In diesem Falle die im Konzert von „Triatu“ präsentierten Schlagwerkkompositionen auf dem späten 20. Jahrhundert. „Das klingt erstmal fürchterlich nach Konzertsaal“, gibt Heike Henoch, Konzertpädagogin der BoSy, zu. Doch weil die belgische Musiker dabei auf alles hauen, was ihnen in die Quere kommt, „treffen wir hier auf viele offene Ohren“, freut sich Henoch. Trommelwirbel im Unterricht – dafür ist natürlich jeder Schüler zu haben.

Gernot Noelle


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