Stadtteil zeigt seine kulturelle Vielfalt

Tanzen wie die Derwische: Dabke hat in arabischen Ländern Tradition und wurde beim Hammer Kulturfest mit viel Verve aufgeführt.
Tanzen wie die Derwische: Dabke hat in arabischen Ländern Tradition und wurde beim Hammer Kulturfest mit viel Verve aufgeführt.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Kulturfest in Hamme bringt Bewohner verschiedener Nationalitäten zusammen. Orientalischer Dabke-Tanz, afrikanische Trommeln und Buchprojekt.

Hamme. Bochum isst Currywurst – in Hamme kommen dazu noch Köfte und Falafel. Und auch auf der Amtsstraße finden keine Modenschauen statt, dafür aber: libanesischer Dabke-Tanz, afrikanische Trommelshows und orientalischer Bauchtanz. Zumindest beim Familienfest der Kulturen, mit dem die Stadtteilpartner „HaRiHo“ rund 150 Besucher in den Garten des Bürgerhauses lockten.

Die Lautsprecher beschallen den Garten des Bürgerhauses mit arabischen Gesängen, und auf der Bühne tanzen Männer in orientalischen Gewändern, stampfen auf, wirbeln wie Derwische zu der Musik. Sie tanzen Dabke, einen Tanzstil, der in arabischen Ländern wie dem Libanon eine lange Tradition hat.

Auf den Bänken und Tischen vor den Tänzern tummeln sich Hammer Familien unterschiedlichster Herkunft, man begrüßt sich mit „guten Tag“ oder „Salam Aleykum“. Und etwas weiter hinten im Garten säumen afrikanische Holzschnitzereien den Stand vom Trommlerverein Bosangani. Nach den Dabke-Tänzern betreten sie die Bühne, mit Trommeln, Rasseln und Sprechgesang sorgen sie für den passenden Soundtrack zum Multi-Kulti Sommerfest.

„Es ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber vielfältig“, findet Michaela Zuba. „Auf jeden Fall passt es aber zum Stadtteil.“ Sie ist hauptsächlich für ihre Tochter hier, die beim HaRoHo-Projekt „Hammer Vielfalt“ mitgemacht hat – der Abschluss des Projektes, das von Januar bis Juni lief, sollte mit dem Familienfest gefeiert werden.

In diesem Projekt konnten Kinder und Jugendliche an Foto- und Kochkursen teilnehmen, an einem Graffitiworkshop oder zum Beispiel auch einer Schreibwerkstatt. So wird auch aus dem Buchprojekt „Flussgeister“, ein Fantasy-Roman, der in Hamme spielt, vorgelesen. Die neun jungen Teilnehmer schrieben gemeinsam rund 90 Seiten. „Ich schreibe sowieso schon gerne und wollte hier mal auf die Probe stellen, ob ich’s wirklich kann“, sagt Dustin Heye.

Der Eintritt, Trinken und das hausgemachte Essen sind umsonst, es werden aber Spenden gesammelt. Damit sollen weitere Projekte von HaRiHo finanziert werden. „Wir fragen in den Stadtteilen nach: An was ist Bedarf?“, erklärt Sozialpädagogin Beatrice Röglin. Besonders wichtig sei ihnen die Kinder- und Jugendarbeit, sagt sie. Zum Beispiel bietet das Projekt, einen Selbstbehauptungskurs für Mädchen an.

„Es geht uns darum, in den weggerutschten Stadtteilen die Bildungspotenziale zu wecken“, sagt Klaus Amoneit, der auch beim Projekt mithilft. Hamme ist so ein Stadtteil: viele Arbeitslose, eine hohe Rate alleinerziehender Mütter, eher einkommensschwach. Hier möchten HaRiHo was tun. „Denn es ist trotzdem ein Stadtteil mit Herz“, sagt Amoneit.