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Stadt setzt auf die "Salzstrecke"

09.01.2008 | 17:51 Uhr

Umgehungsstraße soll den Gewerbeverkehr in Hofstede vom Wohnbereich abtrennen. Die Finanzierung ist aber nicht das einzige Problem, das Baurat Dr. Ernst Kratzsch von der Bürgerversammlung mitnahm

Hofstede/Riemke. "Als Stadt wollen wir zukünftig in dem Bereich zwischen der Herner und der Dorstener Straße ein Nebeneinander von Gewerbe und Wohnen erreichen." Das betonte Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch bei einer Bürgerversammlung der SPD-Hofstede zum Thema: "Jetzt und hier in Hofstede - Was uns bewegt."

Bei den rund 60 Besuchern der Versammlung in Haus Röper machte er sich mit dieser Aussage wenig Freunde. Sie hatten schließlich den Wunsch, dass das Wohnen im Stadtteil Vorrang bekommt vor gewerblichen Nutzungen. Dies dokumentierten sie auf später ausgehängten Karteikarten. Die Themen darauf unter anderem: Gewerbe- und Kundenverkehr rund um Hannibal und an der Herzogstraße, die Anbindung der Herzogstraße an die Herner Straße sowie Störungen durch den Gleisausbau für die 306.

Stadträtin und SPD-Ortsvorsitzende Martina Schnell brachte das als Gastgeberin unter dem Beifall der Anwesenden auf den Punkt: "Wir wenden uns dagegen, dass noch mehr Gewerbe hierhin kommt."

Kratzsch konnte das Anliegen zwar nachvollziehen, er betonte jedoch zugleich: "Hofstede war und ist ein Gewerbestandort und kein Wohnstadtteil." Anhand einer selbstgefertigten Skizze machte er das deutlich. Im Süden an der A 40 sei Gewerbe, im Zentralbereich gebe es von der Herner zur Dorstener Straße (von Hannibal bis zum Wedag-Gelände) eine Gewerbezone und im Norden sei das ebenso. Hinzu komme die Eisenbahn, die mehrspurig den Stadtteil von Süd nach Nord durchschneide. Kratzsch: "Die Wohnbebauung liegt jeweils dazwischen."

Für den Baudezernenten, der erst seit etwas über einem halben Jahr in der Stadt tätig ist und der trotzdem gut vorbereitet erschien, hieß das: Auf Dauer ein Verkehrskonzept zu entwickeln, das den Gewerbeverkehr vom Wohnbereich abtrennt. Kratzsch: "Wir brauchen Zugangsstraßen zu den Gewerbegebieten." Die geplante "Salzstrecke" sei deshalb in den Planungen fortgeschritten, so der Dezernent. Er zeichnete sie in seine Skizze ein. Ihre Trasse: von der Ratio über das ehemalige GMU-Gelände mit Anschluss an der Dorstener Straße südlich von Hannibal. Das Problem dabei: einige rechtliche Fragen sind noch zu klären und die Finanzierung lasse sich von der Kommune nur mit privaten oder Landesmitteln stemmen.

Für die Anwohner der Bergmann- und der Herzogstraße bringt diese Strecke jedoch keine Entlastung. Dafür sei im Planungsamt der Durchbruch zur Herner Straße gedacht, so Kratzsch. Damit ließ er die Gefühle vieler Besucher hochkochen. Prompte Antwort aus dem Publikum: "Sie ziehen damit 50 Prozent mehr Verkehr als bisher auf die Straße. Für die Anwohner ist das untragbar." Schnell fragte zudem: "Läßt sich nicht ein überörtliches Verkehrskonzept für Lkw zusammen mit Herne-Eickel entwickeln, um diesen Verkehr aus dem Bereich Bergmannstraße bis Wilbergschule herauszuziehen?" Antwort von Kratzsch: "Im Rahmen der Gespräche um die Reduzierung der Feinstaubbelastung muss das weiter besprochen werden."

Nach gut zweistündiger Diskussion war bei vielen Aspekten keine Lösung in Sicht. Kratzsch nahm jedoch sieben Probleme zur weiteren Bearbeitung in seinem Amt mit. Sein Fazit: "Es gibt eine Reihe von Verkehrsprojekten in Hofstede, die sich nicht so schnell umsetzen lassen."

Von Wicho Herrmann

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