Spielleute marschieren beim Maiabendfest mit

Die Jüngsten im Spielmanszug bei der Probe in der Hildegardis-Schule  (v.l.) Finja, Sophie, und Nele, alle elf Jahre alt, an der Querflöte.
Die Jüngsten im Spielmanszug bei der Probe in der Hildegardis-Schule (v.l.) Finja, Sophie, und Nele, alle elf Jahre alt, an der Querflöte.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Spielmannszug der Maiabendgesellschaft ist untrennbar mit dem Maiabendfest verbunden. Geprobt wird mittwochs in der Hildegardis-Schule.

Mitte. Vorne wird schon die Aula gewischt, während rechts aus dem Klassenzimmer das Bochumer Jungenlied ertönt. Die Spielleute Bochum 1912 – der Spielmannszug der Maiabendgesellschaft – proben jeden Mittwochabend in der Hildegardis-Schule. Weil sie untrennbar mit dem bevorstehenden Mai abendfest verbunden sind, wird jedes Stück noch einmal akribisch wiederholt, der Zapfenstreich geübt.

Alle Musiker verteilen sich auf die kleinen Schulbänke; Querflötenspielerinnen, Lyra-, Pauken- und Beckenspieler. Nur die Trommler, die dreschen nicht auf ihr Instrument, sondern auf die Bänke ein. „Das ist massives Holz, da kann nichts passieren“, erklärt Vorsitzender Manfred Krämer.

Seine Familie ist besonders eng mit den Spielleuten verbunden. „1958 marschierte ich mit meinem Vater Heinrich als Sechsjähriger mit nach Harpen.“ Großvater Hennes war ebenfalls aktiv, und Krämers Onkel August Bornemann hat den Verein mit gegründet. Heute ist sein eigener Sohn Meiko (20) als Trommler mit von der Partie.

Doch genau hier liegt das Problem, das der Spielmannszug mit den meisten Traditionsvereinen teilt: Der Nachwuchs kommt allein aus den eigenen Reihen. Junge Leute zieht’s es nicht gerade an die Pauke, und selbst wenn ein Kind noch Spaß am Musizieren hat, „spätestens mit der Pubertät verlagern sich die Interessen, und sie sind weg“, bedauert Manfred Krämer.

Wer mal ‘reinschnuppern möchte, braucht keine Vorkenntnisse, muss keine Noten lesen können. Die Instrumente stellt der Verein, gelernt werden die Stücke nach Grifftabelle. Manfred Krämer: „Von den Beiträgen allein können wir kein Instrument kaufen; eine Trommel kostet 480, eine Querflöte 250 Euro.“ Finanziert werden die Anschaffungen durch die Gastauftritte, etwa bei Schützenfesten wie Riemke und Gerthe, bei Martinszügen und im Karneval. In ihrer Hochzeit hatten die Spielleute bis zu 116 Verpflichtungen pro Jahr, heute sind es gut ein Dutzend. Im Repertoire beherrschen die Spielleute 42 Stücke.

Dabei ist Spielmannszug weit mehr als trommeln und flöten: „Wir pflegen wirklich eine Bomben-Kameradschaft, machen Ausflüge und unternehmen viel gemeinsam. Außerdem dürfen auch wir ‘mal schießen, nutzen dazu den Schützenstand der Stiepeler Bürgerschützen“, zählt Korpsführer Manfred Krämer auf.

Beim Brauchtumsfest, das am Donnerstag beginnt, ist in aller Regel Kondition gefragt. Während beim großen Zapfenstreich am 24. April ab 21 Uhr am Kuhhirten „nur“ musiziert wird, muss am Samstag der Junggesellenhauptmann um 7 Uhr geweckt werden, und dann marschiert der Spielmannszug auf dem Weg nach Harpen an der Spitze. Da kann so manches Instrument von der Last zur Belastung werden, denn eine Lyra etwa wiegt bis zu 15 Kilo. Den Schellenbaum, den der Verein 1960 gestiftet bekam, schleppt heute keiner mehr mit: „Einmal habe ich den getragen, ich wurde immer kleiner; der hat gut 20 kg“, erinnert sich Manfred Krämer. Heute befindet sich das Ausstellungsstück in einer kleinen Hütte, in der der Verein seine Instrumente aufbewahrt.