Rakete für einen tollen Abend beim Grummer Gemeindekarneval

Rakete für einen tollen Auftritt – hier für den debütierenden Büttenredner Moritz Reher: Das Publikum ging den ganzen Abend über begeistert mit.
Rakete für einen tollen Auftritt – hier für den debütierenden Büttenredner Moritz Reher: Das Publikum ging den ganzen Abend über begeistert mit.
Foto: Wicho Herrmann
Was wir bereits wissen
Wenn die kath. Gemeinde Karneval feiert, ist der Saal stets ausverkauft. Auch bei der 67. Auflage nehmen die Protagonisten ihr Grumme aufs Korn.

Grumme..  Ömmes egal! Das hieß es zum inzwischen 67. Mal in Grumme Dorf. Die rund 50 Aktiven des Gemeindekarnevals Grumme (GKG) der katholischen Gemeinde Seliger–Nikolaus-Groß traten mit Sketchen, Büttenreden und Musik auf die Bühne und ließen sich von 259 zahlenden Besuchern im Saal feiern. „Wir sind wie immer ausverkauft. Und alles ist selbst gemacht“, erklärte Karnevalspräsident Bernd Pape. Und los ging es!

Mit „Zeig mir den Weg nach Grumme!“ (Melodie Amarillo von Tony Christie) und anderen umgetexteten Popstücken starteten die „Grummer Brummer“ als „The Openers“ durch. Deren Sänger und Musiker Wolfgang Endemann, Joachim Fehr, Josef Otte und Fabian Rips gaben nach einem Jahr Auszeit ein tolles Comeback. Sie gaben zugleich die karnevalistische Richtung vor: viel Lokalkolorit. Beim Publikum kam das gut an, wie der Applaus zeigte. Eine erste Rakete – klatschen, trampeln, Arme schwingen und hoch – war ihnen da gewiss.

Präsident Pape sah das mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Denn die Brummer eröffneten den Reigen anstelle des vorgesehen, traditionellen „Eisbrechers“ Michael Gespers. Der KAB-Vorsitzende musste aus privaten Gründen kurzfristig passen.

Ab in die Zukunft hieß es beim nächsten Beitrag: In 2020, so war beim Grummer Karneval zu erfahren, eröffnet im „Kurort“ Grumme eine Wunderarztpraxis. Mit Hilfe einer Maschine heilt der Doktor (Dietmar Kleine) – fast – alle Zipperlein der Senioren im Ort. Selbst die von Grand-Prix-Sieger Conchita Wurst (Lothar Kilfit). Allein Patient Johannes Otte (toll gespielt) muss alle Krankheiten erleiden.

Wie kommen Kinder mit ihren Eltern zurecht? Dieser Frage nahm sich Debütant Moritz Reheran. Der Geck dabei: Sein Papa Claus gehört seit den 90er Jahren u.a. als Frauenversteher in der Bütt zum Inventar des GKG-Karnevals. Moritz’ Ergebnis: Eltern sind als Analphabeten der Moderne im Grunde schwer zu ertragen. Die väterliche Antwort folgte eine Stunde später mit Eheberater Rudi Mentär. Für die Kindererziehung sei Kontrolle sehr wichtig. Auch die des Chats . . .

„Wild Boys“ bietet komische Wassergymnastik bei Schwarzlicht

Tusch: Die Tanzmariechen Isabelle Feldhoff und Janina Kost schwangen ihre Beine, unterstützt von den beiden Neuen Charlotte Budde und Jule Rips. Freche Aussagen trafen wiederum „Die Grummer Puppenkiste“ – mit Kasper, Räuber Hotzenplotz, Gestiefelter Kater und Schneewittchen Daniel Fischer – die „Jakobs Sisters“ sowie „Der Grummer Bauer“ („Präsi“ Pape persönlich).

Zum Finale wurde es noch ein mal schön: Die „Wild Boys“ (Christian und Stefan Amann und Gisbert Wiehe) begeisterten mit komischer Wasserakrobatik bei Schwarzlicht. Die „Grummer Brummer“ mischten mit vier Liedern den Saal nochmals auf. Zum Ende hin gab es wie immer „Bei uns in Grumme gibt’s auch ein Karneval, der ist genau so schön wie überall“ zu hören.

„Das war ein schönes Fest“, zog später Besucherin Anna Wikarek Bilanz. Allerdings sei es schwer gewesen, an Karten zu kommen.

Jubilar Winfried Kleine erhält Orden zum Goldjubiläum

„Mit 17 Jahren war ich das erste Mal im Elferrat“, erinnert sich Winfried Kleine. 50 Jahre ist das her. Seither ist „Winnie“ im Gemeindekarneval Grumme (GKG) aktiv. Präsident Bernd Pape ehrte ihn daher zum Goldjubiläum.

Kleine bekleidete verschiedene Funktionen bei der GKG. So stand er ab 1966 in mehreren Rollen in der Bütt. „Mal war ich Gammler, Stadtstreicher oder auch Tapezierer“, erinnert sich der Gemeindeaktive. Seine persönliche Paraderolle fand der heutige 2. Vorsitzende der KAB 1994 als ein in Horoskopen lesender „Bräutigam“. Von 1981 bis 1997 war er im Wechsel mit Reinhold Griese (Karnevalist der ersten Stunde seit 1948) zehn Mal Karnevalspräsident. Seit 1982 kümmert sich Kleine zudem um den Kartenvorverkauf für den Karneval. Dabei verteilt er die Karten möglichst so, dass keine der Gemeinschaften benachteiligt wird.

Mit dieser Rolle verbunden ist die Funktion als „Programmwächter“. „Wenn ein Witz zu schlüpfrig ausfällt oder jemand durch einen Auftritt persönlich verletzt werden kann, stehe ich den Leuten vermittelnd mit Ratschlägen zur Seite“, betont Winnie. Allerdings komme das nur selten vor.

Das Karnevalsurgestein durfte sich nun selbst feiern lassen. Mit einem Gedicht blickte er zum Dank auf die wilden Jahrzehnte zurück. Sein Fazit in Reimform: „Denn was Natur und Zeit getan, sieht der kluge Narr als Bess’rung an!“