Osterhase fährt im Cabrio vor

Osteraktion der Sängervereinigung Gerthe: Saskia Heppke und ihre Tochter Stella wurden im Hiltroper Park vom Osterhasen beschenkt. Unter der Maske steckte Julia Bilke.
Osteraktion der Sängervereinigung Gerthe: Saskia Heppke und ihre Tochter Stella wurden im Hiltroper Park vom Osterhasen beschenkt. Unter der Maske steckte Julia Bilke.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Uralte Aktion der Sängervereinigung Gerthe 1881 im Hiltroper Park mit modernen Details. Großeltern erinnern sich noch an Hasen in einer Kutsche.

Gerthe..  Der Osterhase, der kam nicht wie vor vielen Jahrzehnten mit der Kutsche in den Park gerollt, nein, vielmehr fuhr er im Cabrio vor, besser gesagt, er wurde gefahren. Heinz Pöschmann, Vorsitzender der Sängervereinigung Gerthe 1881, setzte die elf Jahre alte Julia Bilke in ihrem Hasenkostüm in seinen Pkw und parkte direkt am Spielplatz im Hiltroper Park.

Das staunten die Kinder nicht schlecht, die schon aufgeregt auf ihre Schokoladeneier warteten. Doch bevor es ans Verteilen der Geschenke ging, gab es zum Einstimmen erst einmal ein Ständchen der Sängervereinigung. Die Herren trällerten am Ostersonntag mit den Vögeln in den Bäumen um die Wette. „So begrüßen wir den Frühling, ganz traditionsgemäß“, betonte Pöschmann. Und das seit 1922.

Die meisten Besucher kannten das Prozedere tatsächlich noch aus alten Tagen. So wie Hobbysänger Friedhelm Spiecker. Seit seiner Kindheit ist er im Männergesangsverein unterwegs und besucht seither alljährlich den Osterhasen im Hiltroper Park. „Damals kam dieser allerdings noch mit der Kutsche“, erinnert sich der 79-Jährige und lacht. Auch an Schuster Grebe, der Mann, der ihm damals das Osterkörbchen überreichte, kann er sich noch allzu gut erinnern. Da war es natürlich Ehrensache, dass Friedhelm Spiecker auch als Erwachsener selbst mit seinen Kindern herkam – und mit den Enkeln selbstverständlich auch. „Auch die sind aber längst erwachsen“, so der Senior. Doch sei’s drum. Gesungen wird noch immer, so wie seit so vielen Jahrzehnten.

Auch Ellen Müller hatte ihre elf Monate alte Enkelin Stella mit dabei, auch sie kam schon selbst als kleines Mädchen in den Park an der Karl-Ernst-Straße/Ecke Dreihügelstraße. „Damals stand hier aber noch kein Kinderspielplatz, da war nur eine große Wiese“, schwelgt sie in Erinnerungen – und die Kutsche natürlich, auch an die hat Ellen Müller noch bestens im Gedächtnis.

Geblieben indes ist in all’ den Jahrzehnten die Tradition des Männergesangsvereins, der vorab fleißig Schokolade organisiert. Und eben das Begrüßen der schönsten Jahreszeit, des Frühlings. „Das gehört eben dazu“, so Heinz Pöschmann.

Er selbst ist seit 35 Jahren im Verein, und auch, wenn er bedauert, dass der Sturm Ela im vergangenen Jahr den schönen Park ordentlich gerodet hat. Einen besseren Ort für das Eintreffen des Osterhasen kann er sich nicht vorstellen. Recht hat er.

Und so werden sie auch in den nächsten Jahrzehnten weitersingen, mit den Vögeln, dem Osterhasen und einer Schar von Kindern. Und die Kutsche, die so viele vermissen, die lässt sich doch sicherlich auch wieder organisieren.