Neuer Freundschaftsgarten aus Dankbarkeit

Der Vorsitzende Azat Ordukhanyan zeigt stolz das Wappen des Armenisch-Akademischen Vereins, während im Hintergrund fleißig gepflanzt wird.
Der Vorsitzende Azat Ordukhanyan zeigt stolz das Wappen des Armenisch-Akademischen Vereins, während im Hintergrund fleißig gepflanzt wird.
Foto: Frank Oppitz
Was wir bereits wissen
Armenisch-Akademischer Verein 1860 spendet unserer Stadt 155 Bäume – als Zeichen der Verbundenheit. Die ersten 80 stehen auf der Schmechtingwiese.

Grumme..  Trockene Wurzeln, Zweige, Baumstümpfe sind an der Schmechtingwiese zu finden, wo nach dem Pfingststurm Ela 2014 zahllose Bäume gefällt wurden. Am Samstag pflanzte der Armenisch-Akademische Verein 1860 (AAV) hier 80 junge Bäume – ein symbolträchtiges Geschenk der armenischen Regierung an die Stadt Bochum. Walnussbäume, Trauerweiden, Platanen, Flieder.

Die Idee zu dieser Aktion kam dem Bochumer Historiker Azat Ordukhanyan im vorigen Jahr beim Anblick der Sturmschäden. „Unsere Stadt war in Not“, so der AAV-Vorstand. „Wir wollten in unserer Wahlheimat Deutschland etwas tun.“ Als Student in Armenien hatte er 1988 das schwere Erdbeben erlebt und erinnert sich an die Hilfsbereitschaft der Deutschen damals.

„Anlass zur Baumspende gab also der Sturm Ela – der Grund jedoch ist unsere Dankbarkeit.“ Insgesamt 155 Bäume sollen in Bochum gepflanzt werden. Denn vor 155 Jahren wurde der AAV-1860 in Leipzig gegründet, um die armenisch-deutsche Zusammenarbeit in Kultur und Wissenschaft zu stärken. Seit 2001 hat der Verein seinen Sitz in Bochum.

Freundschaftswald als Zeichen, „dass wir nicht vergessen“

Dankbar zeigt sich auch Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz bei der Eröffnung des armenisch-deutschen Freundschaftsgartens für das Geschenk aus Armenien und hebt dessen besondere Bedeutung hervor. „Diese Bäume sollen für den Frieden zwischen unseren Völkern stehen.“ Der symbolische Akt, bei dem die OB selbst zum Spaten greift, um eine orientalische Platane einzupflanzen, gerät wegen der vielen Wurzeln in der Erde zum Kraftakt. Vielleicht ist auch dies zeichenhaft. Im deutsch-armenischen Verhältnis ist noch einiges aufzuarbeiten. So wird hierzulande bis heute über die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern im osmanischen Reich debattiert, und welche Rolle Deutschland dabei spielte. „Sie als armenisches Volk haben viel erlitten, einen Völkermord“, erklärt Scholz. „Dieser Wald ist ein Zeichen, dass wir das nicht vergessen. Eine Mahnung.“ Der AVV will 100 Jahre nach dem Völkermord, dem wissenschaftlichen Schätzungen zufolge bis zu 1,5 Millionen Menschen zum Opfern fielen, „ein Zeichen der Zuversicht und der Orientierung in eine hoffnungsfrohe Zukunft setzen“.

„Ich habe mich gefreut zu hören, dass Armenier in Deutschland hier etwas gemeinsam machen“, sagt Megherig Aro. Die 19-jährige Armenierin kam vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland. Zur Pflanzaktion ist sie extra aus Münster angereist. „Richtig gut“ findet auch Tamina Wedjdan (16) die Idee. „Dass etwas zu Armenien gemacht wird. In den deutschen Nachrichten kommt Armenien ja kaum vor.“

„Ich habe heute schon viele Löcher gegraben“, erklärt Johannes Tang. Der Bochumer Geologe hilft mit Rat und Tat, die Bäume an die richtigen Stellen zu pflanzen. Beteiligt sind auch mehrere Bochumer Schulen. „Die Kinder waren schon sehr fleißig“, so Tang. „Und sie haben gelernt, dass Regenwürmer gut für die Bäume sind.“

Weitere Bäume gehen an Schulen, Kirchen, das Naturfreundehaus

Später am Tag erhält der Tierpark vier Walnussbäume und vier Trauerweiden, auch im Wiesental werden Bäume gepflanzt. Das Stadtarchiv erhält Aprikosenbäume. Weitere Bäume gehen an Schulen, Kirchen, das Naturfreundehaus. „Einige Bäume sind noch zu vergeben“, sagt Ordukhanyan und fordert interessierte Kultureinrichtungen auf, sich zu melden. „Es wäre schön, auf grüner Basis unsere Freundschaft zu entwickeln.“