Langes Warten auf den Sonnenuntergang

Viele ehrenamtliche Helfer sind dabei und bereiten die Mahlzeit für die rund 200 Besucher der Moschee vor. Finanziert wird dies durch Spenden.
Viele ehrenamtliche Helfer sind dabei und bereiten die Mahlzeit für die rund 200 Besucher der Moschee vor. Finanziert wird dies durch Spenden.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Große Hitze erschwert Muslimen das Ramadan-Fasten. In der Moschee an der Schmidtstraße kommen abends 200 Hungrige zusammen – darunter viele Gäste.

Mitte..  Neulich waren es 220 Besucher. „Wir sehen das an den Tellern, die wir anschließend spülen“, erklärt Faruk Öztürk, Vorsitzender der zentralen Ditib-Moschee an der Schmidtstraße. Während des islamischen Fastenmonats Ramadan wird dort jeden Abend nach Sonnenuntergang ein großes gemeinsames Essen bereitet.

„Eingeladen sind alle“, erklärt Öztürk. „Auch die, die nicht fasten. Und auch die, die keine Muslime sind.“ So finden in diesen Wochen Gläubige und Hungrige in der Schmidtstraße zusammen. „Einige Obdachlose kommen regelmäßig zu uns“, so Öztürk.

„Sie kennen das schon.“ Sie wissen, dass alle warten, bis der Gebetsruf ertönt. Und dass Bierflaschen draußen bleiben. „Einige werden sich nur wieder wundern, wenn am 17. Juli alles anders ist“, sagt ein Besucher lachend. Am 17. Juli endet die Fastenzeit, das dreitägige Zuckerfest beginnt.

„Schmeckt’s?“ Bahri Ergüney läuft strahlend mit riesigen Schüsseln durch den Raum. Bis vor einigen Jahren besaß Ergüney mehrere Restaurants am Bermuda-Dreieck. „Das wurde mir aber zu viel. Nun arbeite ich lieber hier.“ Bereits seit dem frühen Nachmittag steht er mit seinem Kollegen İsmail Şahin und vier Hilfskräften in der Küche, um das Essen vorzubereiten. „Jeden Tag gibt es etwas anderes“, sagt Şahin, der seit 14 Jahren für das Essen verantwortlich ist.

Erster Griff zum Glas Wasser

Gegen 21.30 Uhr trudeln die ersten Besucher auf dem Vorplatz der Moschee ein. Die meisten haben seit 18 Stunden nicht gegessen und getrunken. „Der Durst ist bei der Hitze das Schlimmste“, sagt Celal Sevgin (16), der aufs Neue Gymnasium Bochum geht. Brahim Bchir (21) ist mit mehreren Kommilitonen von der Ruhr-Uni gekommen. „Ich habe gar keine Zeit, selbst zu kochen. Außerdem ist es viel schöner, in Gemeinschaft zu essen.“

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Nach dem Gebetsruf um 21.58 Uhr greifen die meisten zuerst zu einem Glas Wasser. Das Iftar-Essen wird traditionell mit einer Dattel begonnen. Wer noch nie gefastet hat, der wundert sich, mit welcher Ruhe und Geduld das Mahl von allen eingenommen wird.

700 Mitglieder aus 30 verschiedenen Nationen

Die Frauen haben sich in einen eigenen Raum zurückgezogen. „Hier gefällt es uns besser“, sagt Nebahat. Die junge Frau gehört seit 2012 zur Moscheegemeinde, deren rund 700 Mitglieder aus 30 verschiedenen Nationen stammen. „Der Fastenmonat ist die wichtigste und wertvollste Zeit für uns“, erklärt eine andere Frau. „Wir machen das gemeinsam durch. Das verbindet.“ Bis nach Mitternacht setzt sich das Treiben aus Gebeten und Gesprächen fort. Punkt um 3.52 Uhr beginnt dann der nächste Fastentag.

„Wir freuen uns über jeden, der kommt und Fragen stellt“, sagt Moscheemitglied Cemal Elitaş (44), der mehrere Jahre im Bochumer Integrationsrat war. „Wir sind nämlich nicht so verschlossen, wie die Medien das manchmal darstellen.“