Kita-Kinder fühlen sich wie kleine Einsteine

Magie mit Prinzessin: Lia präsentiert mit Anleiterin Stina ihren Forschungsbogen. Foto: Wicho Herrmann
Magie mit Prinzessin: Lia präsentiert mit Anleiterin Stina ihren Forschungsbogen. Foto: Wicho Herrmann
Was wir bereits wissen
Projekt „Kleine Einsteine“ der Heinrich-von-Kleist-Schule: Jugendliche bringen den Kleinen naturwissenschaftliche Phänomene bei.

Gerthe/Hiltrop. Spielend naturwissenschaftliche Phänomene entdecken: Dieses Ziel setzt sich das Projekt „Kleine Einsteine“ der Heinrich-von-Kleist-Schule (HvK). Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe gehen da in den Kindergarten und vermitteln – mit möglichst einfachem Material - dem Nachwuchs Erkenntnisse über physikalische Vorgänge.

Die Schülerinnen Jona (14) und Stina (15) besuchten die Ev. Kindertagesstätte „Unter dem Regenbogen“. Im Gepäck hatten sie für die 16 Kinder der Nachmittagsgruppe unter anderem Weinkorken, Zahnstocher, Papier, Tuch und Lineal.

Die drei- bis sechsjährigen Kinder steckten dabei den Zahnstocher in den Korken, falteten das Papier, setzten es oben drauf und rieben das Lineal am Lappen. Mit dem Lineal ging es dann langsam um den „Schirm“ herum. Ergebnis, so Silas (5): „Das Papier dreht sich mit.“ Mit strahlenden Augen verkünden er und Nachbarin Mia dazu: „Wir haben es gar nicht berührt und trotzdem bewegt sich das mit.“

Weitere Experimente der beiden Neuntklässlerinnen folgen in der nächsten Stunde, und die Kinder machen aufmerksam mit. Mal zieht ein mit Lappen geriebener Strohhalm „magnetisch“ Konfetti an. Mal bleiben die Papierteile an einem vorab bearbeiteten Ballon hängen. Die Kinder sind begeistert von den Ereignissen, die sie durch die Magie der Elektrostatik ergibt.

Die kleinen Forscher malten ihre Ergebnisse auch auf. Lia zeichnete alles ganz genau: den Zahnstocher im Korken mit dem Papierhut, den Strohhalm und den Luftballon. Und überall sind die Papierkonfetti dabei. Hinzu malte sie sich als kleine Prinzessin, die die Magie entdeckt. Zum „warum“ der erforschten Ereignisse erklärte Silas: „Das weiß keiner.“

„Im Kindergarten ist es nicht unser Ziel, dass die Kinder im wissenschaftlichen Sinn immer genau verstehen, was – in diesem Fall bei einer elektrostatischen Aufladung – geschieht. Darum wird es später in der Schule gehen“, meinte dazu Gabriele Dahle, die die schulische Arbeitsgemeinschaft betreut.

„Viel wichtiger ist in diesem Alter, dass die Kinder naturwissenschaftliche Phänomene überhaupt kennenlernen und durch das eigene Tun erleben.“ Beim aktuellen Experiment hieß das, so die Dozentin für Elementarpädagogik: „Bei manchen Dingen entwickelt sich eine Kraft, die Gegenstände bewegen kann. wenn ich sie reibe. Und damit kann ich spielen: Von den Schülerinnen erfuhren sie, dass man das ‚Aufladen‘ nennt.“

Die Jugendlichen Jona und Stina gingen zum Experimentieren in ihren alten Kindergarten. Sie wurden dort sehnsüchtig erwartet. Jona: „Ich hätte es auch toll gefunden, wenn mich größere Kinder dort besucht hätten.“ Stina ging auf die eigene Erfahrung ein: „Wir lernen, pädagogisch mit Kindern umzugehen.“

Einrichtungsleiterin Gudrun Sträter sieht die Sache positiv. „Die ,Kleinen Einsteine’ bereichern das Angebot“, erklärt sie. Denn: Das Einrichtungskonzept stellt das Thema „Natur“ – mit der Naturbeobachtung und der Naturwissenschaft – in den Mittelpunkt.