Fotografien dokumentieren das Ende einer Ära
18.01.2012 | 17:10 Uhr 2012-01-18T17:10:00+0100
Gerthe. Zwei Gerther Fotografen stellen im Kulturrat die letzten Bilder der Imprägnier-Anlage Lothringen-V aus.
Es sind die letzten Bilder, die das Ende einer Ära dokumentieren: Verfallene Gerüste, rostige Tanks, verbrannte Holzkonstruktionen. Die Ausstellung „Lothringen V - Die letzten Bilder einer großen Zeche“, die derzeit in den Räumlichkeiten des Kulturrats läuft, zeigt die letzten Atemzüge der dem Tode längst geweihten Industrieanlage kurz vor ihrem Abriss.
2010 und 2011 machten sich die beiden Gerther Fotografen Werner Eickenscheidt und Heinz-Walter Lukas unabhängig voneinander auf den Weg, um das brachliegende Industriegelände der ehemaligen Holzimprägnieranlage durch die Linse ihrer Kameras zu erkunden. Während Heinz-Walter Lukas’ Bilder nüchtern und sachlich den Verfall der Ruinen in meist großen, panorama-ähnlichen Ansichten zeigen, legt Werner Eickenscheidt seinen Fokus auf einzelne Detailansichten, die er nachträglich am Computer bearbeitete.
In der gemeinsamen Ausstellung entstehen bei der Gegenüberstellung der verschiedenen Arbeiten eindrucksvolle Kontraste, die dem Besucher verschiedene Sichtweisen auf die ehemalige Industrieanlage offenbaren. Mal wirkten die Ruinen in Eickenscheidts nachbearbeiteten Bildern aufgrund von unschärfe und verstärkter Farbgebung fast wie ein mystischer Ort, mal mittels Sepia-Filter wie eine verlassene Western-Stadt. Daneben erinnern Lukas’ Fotografien in blassen Grautönen an den Verfall.
Doch die Ausstellung zeugt nicht nur vom Ende der Lothringen-V-Anlage, sondern dokumentiert auch ihre letzten Atemzüge: Streetart-Künstler etwa nutzten das Areal als Freifläche für eigene kleine Meisterwerke. In den Bildern von Werner Eickenscheidt vermitteln sie blühendes Leben in expressiven Farben.
Besonders ist, dass die Fotografien nicht zu romantisierenden Verklärungen der Vergangenheit neigen. Vielmehr spricht aus den Bildern der beiden Hobby-Fotografen in erster Linie die Entdecker-Neugierde. Sie dokumentieren den Strukturwandel, ohne dabei in visuelle Wehmutsbekundungen abzugleiten.

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