Flüchtlinge lernen ihre Nachbarn kennen

Miteinander ins Gespräch kommen, das „Fremdsein“ ablegen: Der Empfang am Sonntag sollte dabei nur ein Anfang sein.
Miteinander ins Gespräch kommen, das „Fremdsein“ ablegen: Der Empfang am Sonntag sollte dabei nur ein Anfang sein.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Harpener empfangen die Familien, die jetzt auf dem Kappel-Gelände leben, mit offenen Armen. Großer Empfang mit Kleiderspende im Bürgerzentrum Amtshaus.

Harpen. Flüchtlinge waren am Sonntag nicht ins Amtshaus eingeladen. Die Harpener sprechen lieber von „Neubürgern“, die inzwischen im Ortsteil leben. Und eben die sollten gestern ins Bürgerzentrum kommen, damit sich die neuen Nachbarn untereinander – und vor allem besser – kennenlernen.

Eigentlich sollte es zunächst nur darum gehen, eingegangene Kleiderspenden an die „Neubürger“ zu verteilen. Doch die Harpener Vereine machten daraus einen Willkommenstag, einen Empfang für die Flüchtlinge. „Rund 100 Flüchtlinge sind inzwischen sehr gut aufgenommen worden – vor allem, weil die Harpener sie so gut empfangen haben. Die Resonanz ist bislang äußerst positiv“, betonte Mit-Organisator Olaf Kipper.

Auf großen Anklang stieß auch die Idee, Altkleider zu sammeln. Säckeweise gingen in den vergangenen zwei Wochen Babysachen, Wäsche, Damen- und Herrenbekleidung ein. „Wir haben zunächst einmal alles ausgekippt und sortiert“, schilderte Petra Kipper am Rande der Ausgabe am Sonntag. Verteilt auf mehrere Räume, konnten sich Männer, Frauen und Kinder umschauen. Wichtig war den Sammlern, ausschließlich brauchbare Kleidung anzubieten, die zudem noch völlig intakt war.

„Die Arbeit war zunächst schwierig zu koordinieren. Wir wussten ja gar nicht, was gebraucht wird“, sagte Petra Kipper. Und im Grunde bleibt die Situation ein bisschen vage. „Wenn weitere Flüchtlinge kommen, können wir den Bedarf erneut schwer einschätzen.“ Dennoch sei das gesamte Orga-Team von der Welle der Unterstützung, der Flut an Spenden positiv überrascht worden. Petra Kipper: „Was die Frauen beim Sammeln und Sortieren geleistet haben, ist Wahnsinn – genauso wie die Hilfsbereitschaft.“

„Wenn ihr Hilfe braucht, könnt ihr auf uns zukommen“, begrüßte auch Hans-Heinrich Albert, Vorstandsmitglied des Vereins Bürgerzentrum Amtshaus Harpen, offiziell die „Neubürger“ im Saal. Dolmetscher an den Tischen sollten dafür sorgen, dass diese Botschaft ankam.

Startschuss für weitere Aktionen

Wie viele Flüchtlinge aber letztlich zur Veranstaltung gingen, konnten die Gastgeber kaum sagen. Sie hoffen jedoch, dass sich diese Empfangskultur herumspricht. „Weitere Kleiderübergaben werden im kleineren Rahmen stattfinden“, wusste Olaf Kipper. Ein „Brainstorming“ soll in den kommenden Tagen zudem Ideen liefern, wie den „Neubürgern“ noch geholfen werden kann. „Wir können uns vorstellen, die Räume im Amtshaus etwa für Sprachkurse zur Verfügung zu stellen“, kündigte Kipper auch das schon einmal an.