Faust leidet im Altarraum der Gerther Christuskirche

Jürgen Larys als Faust und Susanne Hocke als Mephisto in der Christuskirche.
Jürgen Larys als Faust und Susanne Hocke als Mephisto in der Christuskirche.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Art-Ensemble-Theater“ führt Goethes Klassiker in der Gerther Christuskirche auf und hebt dabei die christlichen Aspekte des Stückes hervor.

Gerthe. Eine Leiter, einen Sessel, Musik und Lichttechnik: Mehr bedarf es nicht, um „Faust I.“, den deutschen Literaturklassiker von Johann-Wolfgang von Goethe, aufzuführen. Das zeigte die etwa zweistündige Aufführung des „Art-Ensemble-Theaters“ in der Christuskirche. Gut 60 Besucher kamen und würdigten am Ende die tollen Leistungen der beiden Schauspieler Susanne Hocke (Mephistopheles und Gretchen) und Jürgen Larys (Faust) mit Ovationen.

Der Altarraum als Bühne spielte eine gewichtige Rolle. Denn: So gelang es, die christlich-moralischen Akzente des Klassikers gegenüber den gesellschaftskritischen Elementen der Moderne deutlicher hervorzuheben.

Schon der Ausgangspunkt des Stückes mit dem „Prolog im Himmel“ erhielt auf diese Weise – mit dem Altarkreuz im Hintergrund – einen anderen Zungenschlag. Gott (Lautsprecherstimme) wettete mit dem ganz in weiß gekleideten Mephistopheles/Teufel (Susanne Hocke), dieser werde den Gelehrten Faustus nicht vom Pfad der (christlichen) Tugend abbringen und dessen Seele bekommen. Mit Blick auf das menschliche Verlangen sah jener das – mit zynischen Anmerkungen – natürlich ganz anders.

Die Gretchenfrage ist auch ans Publikum gerichtet

So nahm das Schicksal von Dr. Faustus auch bei dieser Aufführung seinen Lauf: Ein verzweifelt-depressiver Faust in seiner Studierstube, den der Teufel umgarnt, und die Verführung des gottesfürchtigen Gretchens.

Faust blieb da mit seiner verkauften Seele nur noch die Abkehr von Gott, wie der Schauspieler Jürgen Larys bei rotem Licht mit unsteten Bewegungen weg vom Altar sowie Stimmungsschwankungen zwischen Selbstmitleid und Zynismus zum Ausdruck brachte. Gretchen fand hingegen wieder zu sich selbst. Weißes Licht und das Verweilen am Altar setzten dafür symbolhafte christliche Zeichen.

Die Gretchenfrage „Sag, wie hältst du es mit der Religion?”, oder „Glaubst du an Gott?”, entwickelten in dem Kirchenraum ebenfalls ihre eigene Dynamik. Nicht nur Faust, der sich ausschweigt, war damit angesprochen, sondern auch das Publikum.

Pfarrer Johannes Romann bediente die Lichttechnik

„Mit dem Spiel hier in der Kirche wollten wir diesen christlichen Aspekt des Stücks vertiefen“, erklärte Schauspieler Larys. Die Wette zwischen Gott und Teufel um die menschliche Seele war ihm besonders wichtig.

Pfarrer Johannes Romann, der die Lichttechnik bediente, erinnerte daran, dass die Aufführung eine Fortsetzung einer Zusammenarbeit sei: „Bereits 2012 führte Art-Ensemble das Stück ,Im Land der Gottlosen...’ zum Widerstand des Kreisauer Kreis gegen die nationalsozialistische Diktatur hier auf.“